Politik
Tom Hetherington war der Gewinner des World Press Photo Award 2007.
Tom Hetherington war der Gewinner des World Press Photo Award 2007.
Mittwoch, 20. April 2011

Hetherington: "Von der NATO nichts zu sehen": Kriegsfotograf von Granate getötet

Der preisgekrönte britische Kriegsfotograf Tim Hetherington ist tot. Er wird von einer Granate in der umkämpften libyschen Stadt Misrata getötet. Zwei weitere ausländische Journalisten werden verletzt, einer von ihnen soll sich in kritischem Zustand befinden. Die Rebellen in Misrata appellieren an die NATO, Bodentruppen gegen Gaddafis Truppen einzusetzen. Die Alliierten lehnen ab und schicken stattdessen Ausbilder für die Rebellen.

In der umkämpften libyschen Stadt Misrata ist ein renommierter westlicher Fotograf getötet worden. Drei weitere Journalisten seien verletzt worden, berichtet die "New York Times". Bei dem Toten soll es sich nach Angaben der Zeitung um den preisgekrönten britischen Kriegsfotografen und Dokumentarfilmer Tim Hetherington handeln. Der US-Fotograf Chris Hondros, der unter anderem für die Agentur Getty arbeitete, sei schwer verletzt worden. Bei einem anderen Verletzten handele sich um den Briten Guy Martin. Die Zeitung berief sich auf einen Kollegen im Krankenhaus von Misrata.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bestätigte den Tod des Briten. Hetheringtons Kollege Chris Hondros sei in einem kritischen Zustand. "Wir machen uns große, große Sorgen", sagte Fred Abrahams von der Organisation in New York.

Die Gruppe befand sich auf der großen Tripolis-Straße, als die Granate einschlug. Die Straße steht im Zentrum der Gefechte zwischen den Aufständischen und Regierungstruppen, die seit sechs Wochen die Küstenstadt belagern.

"Er war diesmal nicht für uns in Libyen, aber er hat sehr oft mit uns zusammengearbeitet", sagte Abrahams. Hetherington habe sich immer für die Menschenrechte eingesetzt. "Er hat einfach Fotos gemacht, berichtet und dokumentiert. Und damit hat er den Menschenrechten einen enormen Dienst erwiesen." Die Nachricht von seinem Tod habe die Mitarbeiter von Human Rights Watch erschüttert.

Der 41 Jahre alte Hetherington arbeitete für die Zeitschrift "Vanity Fair" und hatte 2007 den World Press Photo Award 2007 gewonnen. Für seinen Film "Restrepo" über US-Soldaten in Afghanistan erhielt er eine Oscar-Nominierung. Der Film dreht sich um den Tod des amerikanischen Militärarztes Juan Restrepo. Der Filmemacher hatte sich für die Dokumentation mitten ins Korengal-Tal - ein Kampfgebiet im Osten des Landes - begeben, das beim amerikanischen Militär als "Tal des Todes" bekannt ist. Welches Projekt er in Libyen verfolgte, war zunächst nicht bekannt. In seinem letzten Twitter-Beitrag am Dienstag hatte Hetherington geschrieben, er sei in Misrata. Es gebe unaufhörlichen Beschuss durch Gaddafis Truppen. "Von der NATO nichts zu sehen", schrieb er.

Alliierte schicken Ausbilder

Die libyschen Rebellen werden demnächst von französischen, britischen und italienischen Militärexperten geschult.
Die libyschen Rebellen werden demnächst von französischen, britischen und italienischen Militärexperten geschult.(Foto: REUTERS)

Italiens Verteidigungsminister Ignazio La Russa kündigte unterdessen die Entsendung von zehn Militärberatern an. "Es ist klar, dass die Rebellen ausgebildet werden müssen", sagte er nach einem Treffen mit seinem britischen Kollegen Liam Fox in Rom. London hatte bereits am Dienstag angekündigt, die Rebellion gegen Machthaber Muammar el Gaddafi mit bis zu 20 Ausbildern zu unterstützen. Die französische Regierung will mehrere Verbindungsoffiziere schicken, um die humanitäre Hilfe für die belagerte Zivilbevölkerung zu koordinieren. Der libysche Außenminister Abdelati Laabidi warnte gegenüber BBC, die Hilfe werde den Konflikt nur verlängern.

Rebellensprecher Nuri Abdullah Abdullati in Misrata hatte am Dienstag erstmals die Entsendung britischer und französischer Soldaten gefordert. "Wenn sie nicht kommen, werden wir sterben", sagte er. Ebenso wie Frankreich schloss auch La Russa eine "Intervention der internationalen Koalition am Boden" aus.

Sarkozy nach Bengasi eingeladen

Sarkozy erhält einen Gegeneinladung von Abdel Dschalil.
Sarkozy erhält einen Gegeneinladung von Abdel Dschalil.(Foto: dpa)

Zudem lud der libysche Oppositionsführer Mustafa Abdel Dschalil den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in die Rebellenhochburg Bengasi ein. "Ich glaube, das ist sehr wichtig für die Moral der Revolution", sagte Dschalil nach einem dreistündigen Treffen mit dem Staatschef in Paris. Erneut lobte der 59-Jährige die "mutige Entscheidung" Sarkozys, die Aufständischen in Libyen zu unterstützen.

Sarkozy hatte Dschalil und zwei weitere Vertreter des oppositionellen Übergangsrates bereits vor gut einem Monat im Elysée-Palast empfangen und dabei den Rat als rechtmäßige Vertretung Libyens anerkannt. Frankreich war damit das erste Land, das sich offiziell von Gaddafi abwandte, mit dem es lange gute Kontakte gepflegt hatte. Seit vier Wochen fliegt eine internationale Allianz, die Frankreich geschmiedet hatte, Angriffe auf Gaddafis Truppen. Dschalil versprach, nach dem Abgang Gaddafis einen demokratischen Staat aufzubauen, in dem der Präsident vom Volk gewählt werde.

Rebellen wollen Bodentruppen sehen

Die Rebellen in der seit Wochen von Truppen des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi belagerten Küstenstadt Misrata hatten zuvor den Einsatz ausländischer Bodentruppen verlangt. Ein Rebellensprecher forderte die Entsendung britischer und französischer Soldaten nach Misrata. Frankreich – wie übrigens auch Deutschland – lehnt das Ansinnen jedoch ab.

"Bodentruppen sind durch die Resolution der Vereinten Nationen ausgeschlossen", betonte Bundesaußenminister Guido Westerwelle in Abu Dhabi. In der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate fand das 21. Treffen der Europäischen Union mit dem Golf-Kooperationsrat statt. Ihm gehören Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die VAE an. Ein Thema der Beratungen war neben dem Umbruch in der arabischen Welt vor allem der Bürgerkrieg in Libyen.

Bilderserie
Video

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen