Freitag, 29. Januar 2010
Nichts Süßes an der Kasse: Kritik an Aigner-Idee
Die Bundesverbraucherministerin hat es nur gut gemeint: Sie regt die Verbannung von Süßkrams an Ladentheken an. Widerstand kommt von der FDP (freie Marktwirtschaft) und der Süßwarenindustrie (Forderung hilft nicht). Die Grünen sprechen von zuckersüßen Appellen der Ministerin.
Obst ist auch in Gummibärchenfarbe erhältlich.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will keine Süßigkeiten mehr an Supermarktkassen - und stößt mit der Idee auf heftige Kritik. Der Koalitionspartner FDP lehnte den Vorstoß ebenso ab wie die Süßwarenindustrie.
"Die Supermärkte sollten statt Süßigkeiten lieber eine appetitliche Portion Obst an ihre Kassen stellen", sagte Aigner der "Rheinischen Post". Sie räumte ein, dass sie nur an den Einzelhandel appellieren kann, ohne dies gesetzlich vorzugeben. "Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Eltern jene Supermärkte bevorzugen, die die Süßigkeiten von den Kassen wegräumen."
Vorhersehbarer Widerstand
Die FDP im Bundestag warnte, dem Handel Vorschriften zu machen. "Eine derartig bevormundende staatliche Verbraucherpolitik ist mit der FDP-Bundestagsfraktion auch zukünftig nicht zu machen", sagte FDP-Ernährungsexpertin Christel Happach-Kasan. "Im Koalitionsvertrag von FDP, CDU und CSU wurde eindeutig das Leitbild des mündigen Verbrauchers verankert." Eine Einteilung in gute und schlechte Lebensmittel sei nicht sinnvoll.
Die Grünen-Abgeordnete Ulrike Höfken forderte eine Kennzeichnung von Dickmachern in Ampelfarben und eine Ausweitung des Schulobstprogramms, dem sich bisher neun Bundesländer nicht anschließen. Sie sprach von "zuckersüßen, wirkungslosen Appellen von "Mutter Aigner" an die Discounter".
Die Süßwarenwirtschaft verwarf den Vorschlag ebenfalls. "Diese Forderung ist nicht neu und hilft nicht im Kampf gegen Übergewicht, wie alle Experten wissen", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie, Torben Erbrath. Übergewicht habe viele Ursachen.
dpa
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