Donnerstag, 15. April 2010
Mehr Strahlung als angegeben: Kritik an Asse-Sicherheit
Weil die Angaben des früheren Asse-Betreibers zu den Inhalten der Fässer zweifelhaft sind, lässt sie das Bundesamt für Strahlenschutz neu bewerten. Die Neubewertung der Strahlung in den Lagerkammern ist für die Schließung der Schachtanlage wichtig.
Behältern mit Cäsium-137 kontaminierten Flüssigkeiten auf der 750 Meter-Sohle vor der Kammer 12 in der Schachtanlage Asse II in Remlingen bei Wolfenbüttel (Archivaufnahme).
(Foto: picture alliance / dpa)
Die Strahlung in den eingelagerten Fässern im maroden Atommülllager Asse ist nach Meinung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) höher als bislang angegeben. Davon ist BFS-Präsident Wolfram König überzeugt. Er wurde im Untersuchungsausschuss des Landtages in Hannover befragt. Die Angaben des früheren Asse-Betreibers zu den Inhalten der Fässer sind zweifelhaft, deshalb lässt sie das BfS neu bewerten. König betonte, dieses Verfahren brauche noch Zeit.
Fässer mit radioaktivem Abfall hätten teils eine sehr hohe Abschirmung mit Blei. Dies lasse darauf schließen, dass die Strahlung im Innern höher sei als die Messungen ergaben, sagte König. Im Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel liegen rund 126.000 Fässer mit schwach und mittel radioaktivem Abfall. Die Behälter wurden schlecht oder teils gar nicht deklariert. Hoch radioaktives Material wurde nach den Erkenntnissen des BfS dort aber nicht gelagert.
Neubewertung für Schließung wichtig
Die Neubewertung der Strahlung in den Lagerkammern ist für die Schließung der Schachtanlage wichtig. Das BfS in Salzgitter plant, alle Fässer wieder herauszuholen. Zuvor soll aber noch überprüft werden, wie stark die Behälter unter Tage beschädigt sind. Zudem will die Behörde klären, wie viele Schwermetalle neben dem Atommüll in den Fässern lagern. Diese Giftstoffe seien ein "zusätzliches Gefährdungspotenzial", sagte König.
Er schilderte im Untersuchungsausschuss in Hannover auch, dass der frühere Asse-Betreiber - das Helmholtz Zentrum München - Hilfsangebote seiner Fachbehörde nicht angenommen habe. Anfang 2009 hatte nach Bekanntwerden der Pannen in der Schachtanlage das BfS den Betrieb der Asse übernommen. Es habe erheblichen Nachholbedarf beim Strahlenschutz und der Störfall-Sicherheit gegeben, sagte König.
Gesundheits-Monitoring bei Angestellten
Die Behörde überprüft derzeit den Gesundheitszustand der Beschäftigten des Atommülllagers. Sie will herausfinden, ob Krebserkrankungen von ehemaligen Asse-Mitarbeitern mit ihrer beruflichen Strahlenbelastung zusammenhängen. Das Gesundheits- Monitoring solle in diesem Jahr abgeschlossen werden, kündigte König an. Bislang sei aber kein Fall erkennbar, bei dem die Erkrankung unmittelbar mit dem Arbeitsplatz zusammenhängen.
dpa
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