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Mit dickem Gepäck am Flughafen von Havanna: Als einer der ersten nutzt dieser US-Bürger die gelockerten Reiseregelungen.
Mit dickem Gepäck am Flughafen von Havanna: Als einer der ersten nutzt dieser US-Bürger die gelockerten Reiseregelungen.(Foto: REUTERS)

Reise- und Handelserleichterungen: Kuba erwartet Ansturm von US-Besuchern

Dank der historischen Kurskorrektur der USA in der Kuba-Politik können US-Bürger nun leichter auf die sozialistische Insel reisen. Bei einigen Kubanern ist die Vorfreude auf die neuen Gäste getrübt, denn die Planwirtschaft steht vor gewaltigen Herausforderungen.

Die Kubaner blicken nach einem halben Jahrhundert voll Freude auf die Lockerung des US-Embargos, doch sind sich Experten und Unternehmer einig, dass die Wirtschaft noch nicht bereit ist für die Öffnung des kommunistischen Inselstaats. "Zum Glück wird die Aufhebung des Embargos ein langsamer und wahrscheinlich schrittweiser Prozess sein, was Kuba die Anpassung erleichtern wird", sagt der Ökonom Carlos Alzugaray. Noch immer sei die Wirtschaft zu 90 Prozent unter staatlicher Kontrolle, obwohl die staatliche Planwirtschaft sowjetischen Typs sich längst überlebt habe.

Zwischen den USA und Kuba herrscht diplomatisches Tauwetter.
Zwischen den USA und Kuba herrscht diplomatisches Tauwetter.(Foto: REUTERS)

US-Präsident Barack Obama setzte zuletzt die ersten Reise- und Handelserleichterungen in Kraft. Nach der historischen Vereinbarung mit Kubas Präsident Raúl Castro von Dezember war dies der erste Schritt, nach einem halben Jahrhundert wieder normale Beziehungen aufzunehmen. Auch wenn eine vollständige Aufhebung der 1962 verhängten Wirtschaftssanktionen nicht absehbar ist, da der von den Republikanern dominierten Kongress dazu nicht bereit ist, sind Reisen künftig leichter möglich. Auch Waren- und Geldtransfers werden erleichtert.

In Havanna schauen Gastronomen und Hoteliers mit einer Mischung aus Sorge und Freude auf den erwarteten Besucherandrang aus den USA. "Wir sind nicht bereit. Weder in unserer Fähigkeit, einem Anstieg der Kundenzahlen zu begegnen, noch was die Qualität unserer Leistungen betrifft", sagt Enrique Nunez vom berühmten Restaurant La Guarida in einem bröckelnden Kolonialgebäude in Havanna. Der Gastronom zeigte sich aber zuversichtlich, dass sich dies rasch ändern werde. "Die Kubaner werden rasch aufwachen und anbieten, was die Leute wollen."

"Amerikanische Touristen sind großzügig"

Für Kuba ist der Tourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen.
Für Kuba ist der Tourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen.(Foto: AP)

Auch Jorge Fernandez hat gemischte Gefühle. "Amerikanische Touristen sind großzügig, aber auch sehr anspruchsvoll", sagt der Betreiber des Restaurants La California in der Altstadt von Havanna. "Zugleich wird es eine große Chance für einen Sektor sein, der mit geringen Einnahmen überlebt." Zwar sind US-Bürgern normale Urlaubsreisen nach Kuba auch künftig verboten, doch werden Familienbesuche sowie Reisen von Journalisten, Forschern und Sportlern erleichtert. So dürfte sich die Zahl der derzeit jährlich 90.000 US-Besucher erhöhen.

Künftig können US-Bürger auf der lange isolierten Karibikinsel mit Kreditkarte zahlen und dürfen bei der Heimreise Waren im Wert von 400 Dollar mitnehmen. Während viele Wirtschaftsprodukte international kaum konkurrenzfähig sind, dürfte vor allem der Absatz des berühmten kubanischen Rums und von Zigarren in die USA zunehmen. Allerdings ist ihre Bedeutung mit bisher nur vier Prozent der Exporte eher gering. Deutlich wichtiger ist der Tourismus selbst - mit rund drei Millionen Touristen und Einnahmen von 2,1 Milliarden Euro ist es der drittgrößte Wirtschaftssektor der Insel.

Druck auf Castros Regierung wächst

Seit Beginn der Marktöffnung im Jahr 2008, als Raúl Castro die Regierung von seinem Bruder Fidel übernahm, hat die Zahl der privaten Betriebe deutlich zugenommen. Neben fünf Millionen Staatsangestellten gibt es heute auch rund 450.000 selbstständige Unternehmer - sogenannte cuentapropistas. Dennoch ist die Mehrzahl der Hotels, Pensionen und Restaurants weiter in staatlicher Hand. Die marktwirtschaftlichen Reformen kommen nur langsam voran, auch die angekündigte Abschaffung des dualen Währungssystems lässt auf sich warten.

Die  Lockerung des Embargos wird die kommunistische Führung vor weitere Herausforderungen stellen. Bald werde die Regierung "nicht länger die große Entschuldigung des amerikanischen Embargos haben, um ihre eigenen Probleme zu erklären", sagt der Ökonom Patricio Navia. Doch trotz der anstehenden Herausforderungen sollte die Öffnung nicht verzögert werden, ist der Kubaexperte Esteban Morales überzeugt. Die Insel sollte sich vielmehr an die Aufhebung der Sanktionen anpassen - so wie sie sich an das Embargo angepasst hatte.

Quelle: n-tv.de

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