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Die Kurden kämpfen im Nordirak gegen einen Vormarsch der IS.
Die Kurden kämpfen im Nordirak gegen einen Vormarsch der IS.(Foto: REUTERS)

Mit der US-Luftwaffe gegen die IS: Kurden wollen Mossul-Staudamm erobern

Wer den Mossul-Staudamm kontrolliert, steuert im Nordirak weite Teile der Strom- und Wasserversorgung. Derzeit ist er in den Händen der IS. Eine Bodenoffensive kurdischer Milizen soll die Terroristen von dort zurückdrängen - mit US-Unterstützung aus der Luft.

Die kurdischen Peschmerga-Milizen haben mit Unterstützung der US-Luftwaffe im Irak eine Bodenoffensive eingeläutet, um den größten Staudamm des Landes von den verfeindeten Dschihadisten zurückzuerobern. Der östliche Teil des Mossul-Staudamms am Tigris-Fluss sei am Samstag bereits eingenommen worden, sagte der kurdische Generalleutnant Abdelrachman Korini. Mehrere Kämpfer der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) seien getötet worden.

Der Mossul-Staudamm ist strategisch von enormer Bedeutung. Die Dschihadisten hatten ihn am 7. August erobert und damit die Kontrolle über die Wasser- und Stromversorgung weiter Landesteile erlangt. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Nordirak mangels Widerstands der irakischen Armee von den IS-Kämpfern förmlich überrannt. Diese gehen mit äußerster Brutalität gegen die Zivilbevölkerung vor, insbesondere gegen Angehörige religiöser Minderheiten wie Christen und Jesiden.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, dass die IS-Milizen im Osten Syriens in den vergangenen zwei Wochen 700 Angehörige eines verfeindeten Stammes hingerichtet haben. Die meisten Opfer seien Zivilisten, teilte die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle mit. Verlässliche Quellen hätten berichtet, viele Menschen seien durch Enthaupten getötet worden. Der Al-Scheitaat-Stamm, dem 70.000 Menschen angehören, ist in der Provinz Deir al-Sor beheimatet.

US-Präsident Barack Obama ordnete aufgrund des brutalen Vorgehens Luftangriffe auf die Dschihadisten an. Zudem wurden internationale Hilfslieferungen für die Flüchtlinge aufgenommen. Bundesaußenminister Steinmeier flog selbst in den Norden des Irak, um sich ein Bild von der Lage dort zu machen. Er sicherte bei einem Treffen mit dem kurdischen Regionalpräsidenten Massud Barsani Unterstützung im Kampf gegen die sunnitischen Dschihadisten zu. Ob es Waffenlieferungen geben werde, ließ er offen.

"Wir benötigen Waffen aus Deutschland"

Barsani sagte derweil dem "Focus": "Wir erwarten von Deutschland, dass man uns mit humanitären Hilfsmitteln versorgt." Außerdem brauchten die Kurden Waffen und Munition. Truppenhilfe aus Deutschland oder anderen westlichen Ländern lehnte er ab. "Wir benötigen panzerbrechende Waffen als sofortige Hilfe", sagte er.

Im Verteidigungsministerium in Berlin wird einem Medienbericht zufolge erwogen, dass Deutschland für EU-Partnerländer Waffen und Munition in den Irak bringt. Die "Bild"-Zeitung beruft sich auf eine geheime Vorlage an den Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker. Der Unionsfraktionschef Volker Kauder äußerte in der "Welt am Sonntag" Vorbehalte gegen Waffenlieferungen für den Irak. In einer Emnid-Umfrage sprachen sich 74 Prozent der Bundesbürger gegen deutsche Waffenlieferungen in den Irak aus.

Unterdessen haben in Hannover Tausende Jesiden und Kurden gegen die gewaltsamen Übergriffe der IS-Milizen auf Minderheiten im Nordirak demonstriert. Nach Polizeiangaben nahmen mehr als 10.000 Menschen an der Demonstration teil, die friedlich zu Ende ging. Die Veranstalter, mehrere kurdische und jesidische Vereine in Deutschland, sprachen von 50.000 Teilnehmern. Ein Sprecher des Kurdischen Zentrums für Öffentlichkeitsarbeit in Frankfurt am Main nannte die Demonstration von Christen, Muslimen verschiedener Glaubensrichtungen, Irakern, Syrern und Türken ein "Signal für ein friedliches Zusammenleben in der Region".

Quelle: n-tv.de

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