Politik
In zahlreichen kurdischen Städten wird das Referendum bereits bejubelt, bevor die Stimmen ausgezählt sind.
In zahlreichen kurdischen Städten wird das Referendum bereits bejubelt, bevor die Stimmen ausgezählt sind.(Foto: imago/ZUMA Press)
Dienstag, 26. September 2017

Bagdad stellt Ultimatum: Kurdenpräsident erklärt Sieg bei Referendum

Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt, doch Kurdenpräsident Massud Barsani ist sich sicher: Die überwältigende Mehrheit der irakischen Kurden will die Unabhängigkeit. Sein Appell an Bagdad, nun Verhandlungen aufzunehmen, verhallt jedoch.

Kurden-Präsident Massud Barsani hat in einer Fernsehansprache einen Sieg für das Unabhängigkeitslager beim Referendum verkündet. Das berichtet die kurdische Nachrichtenseite Rudaw. Er forderte die Zentralregierung in Bagdad und die Nachbarländer auf, den Willen des kurdischen Volkes zu respektieren. Er appellierte an den irakischen Ministerpräsidenten Haidar Al-Abadi und andere, die an einen Dialog glaubten, die Tür für Verhandlungen zu öffnen.

Al-Abadi reagierte allerdings mit Härte auf das umstrittene Referendum und verlangte von der kurdischen Regionalregierung ultimativ, die Kontrolle über die Flughäfen in ihrer Region an Bagdad abzugeben. Al-Abadi drohte damit, internationale Flüge aus und in das Gebiet zu stoppen, wenn die Flughäfen nicht binnen drei Tagen der Kontrolle der Zentralregierung in Bagdad übergeben würden.

In der Kurdenregion im Nordirak gibt es zwei internationale Flughäfen, in der Gebietshauptstadt Erbil und in der Stadt Suleimanija. Neben der irakischen Fluggesellschaft Iraqi Airways steuern auch viele internationale Airlines die Flughäfen an - etwa aus Deutschland, dem Iran, Jordanien und der Türkei. Die irakische Regierung hatte in der vergangenen Woche ausländische Staaten gebeten, Direktflüge zu den internationalen Flughäfen Erbil und Sulaimaniya im Kurdengebiet zu stoppen. Jedoch verhängte bislang nur der Iran ein solches Luftembargo.

Al-Abadi bekräftigte bei einer Pressekonferenz außerdem seine Position, nicht für Gespräche über die Unabhängigkeit der Kurden zur Verfügung zu stehen. "Wir werden die Einheit und Souveränität des Irak nicht aufgeben, denn das ist die nationale Pflicht", sagte er.

Die Stimmzettel zu dem Unabhängigkeitsreferendum wurden noch ausgezählt, es wurde mit einer großen Mehrheit für die Unabhängigkeit gerechnet. Barsani hatte bereits zuvor versichert, dass er nicht direkt die Unabhängigkeit erklären werde - dennoch könnte nun ein militärischer Konflikt mit der Zentralregierung drohen.

Trotz der entschiedenen Ablehnung Bagdads und der Nachbarn Türkei und Iran hatten die Kurden im Nordirak am Montag über die Abspaltung vom Irak abgestimmt.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen