Politik
Pinochet.
Pinochet.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Chile während der Pinochet-Diktatur: Kurier brachte das Nervengas

Während seiner Diktatur in Chile, hortet Augusto Pinochet große Mengen Nervengas - genug um Tausende Menschen zu töten. Jetzt wird bekannt, wie das Gift in das südamerikanische Land gelangt ist.

Die gewaltigen Nervengas-Vorräte der Pinochet-Diktatur (1973-1990) sind über einen diplomatischen Kurier von Brasilien aus nach Chile gelangt. Dies geht aus gerichtlichen Unterlagen hervor, zu denen die Nachrichtenagentur dpa Zugang hatte. Demnach erklärte ein Bote der Polizei, er habe Anfang der 1980er Jahre ein Paket mit dem hochgiftigen Botulinumtoxin von dem Büro des Außenministeriums im Regierungssitz Palacio de La Moneda abgeholt, um es in der Gesundheitsbehörde ISP abzugeben.

Nach Darstellung der Militärs war das Toxin zur Produktion von Gegengiften gedacht. Damals habe Chile wegen der angespannten Lage einen Chemiewaffen-Angriff aus Argentinien befürchtet.

Das Pinochet-Regime steht allerdings auch im Verdacht, politische Gegner wie den Dichter Pablo Neruda oder Chiles christdemokratischen Ex-Präsidenten Eduardo Frei Montalva mit Gift ermordet zu haben. Beide Todesfälle werden von der Justiz derzeit untersucht.

Die ehemalige ISP-Leiterin Ingrid Heitmann hatte der dpa von dem geheimen Giftdepot berichtet. Während ihrer Amtszeit habe sie 2008 bei einer Reinigungsaktion zwei Kisten voller Botulinumtoxin-Ampullen im Keller der Behörde gefunden. Diese stammten Heitmann zufolge aus der Zeit der Diktatur Augusto Pinochets und hätten ausgereicht, um Tausende Menschen zu töten. Fast drei Jahrzehnte lang lagerten sie dort unentdeckt. Heitmann ließ sie vernichten. Gesundheitsminister Jaime Mañalich kündigte eine gründliche Untersuchung an.

Botulinumtoxin bewirkt schon in geringer Dosis Muskellähmungen, die zum Tode führen können. Kleinstdosierungen des Gifts finden heute unter anderem mit dem Handelsnamen Botox in der kosmetischen Chirurgie Verwendung.

Quelle: n-tv.de

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