Politik
Emma Dent Coad (Mitte) feiert ihren denkbar knappen Gewinn in Kensington.
Emma Dent Coad (Mitte) feiert ihren denkbar knappen Gewinn in Kensington.(Foto: REUTERS)
Samstag, 10. Juni 2017

20 Stimmen entscheiden: Labour gewinnt letzten Wahlkreis

24 Stunden nach dem Schluss der Wahllokale steht das Endergebnis der britischen Parlamentswahlen fest: Die Konservativen verlieren Kensington nach einem denkbar knappen Rennen. An den Mehrheitsverhältnissen ändert das allerdings nichts mehr.

Jetzt ist es ganz offiziell: Die britische Premierministerin Theresa May hat mit ihrer konservativen Partei die Regierungsmehrheit im Parlament verloren. Nach Auszählung aller 650 Wahlkreise kamen die Tories auf 318 Sitze, 13 weniger als bei der vorigen Wahl vor zwei Jahren, wie die britische BBC am Freitagabend berichtete. Um weiter regieren zu können, müssen sie einen Partner finden, der ihre Politik mitträgt. Als wahrscheinlichste Möglichkeit gilt eine Absprache mit der nordirisch-unionistischen DUP, die zehn Sitze gewann. Die Labour-Partei von Mays Herausforderer Jeremy Corbyn schickt demnach 262 Abgeordnete ins Unterhaus, 30 mehr als bisher.

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Stark verloren hat die schottische Nationalpartei SNP, mit 35 Sitzen bleibt sie aber drittstärkste Kraft im Parlament. Bisher hatte sie 56 Sitze. Die Liberaldemokraten, die einen Brexit noch verhindern wollen, gewannen vier Sitze hinzu und haben nun zwölf Abgeordnete. Die EU-feindliche und rechtspopulistische Ukip hat keinen Wahlkreis gewinnen können. Vor zwei Jahren wurde sie noch in einem Wahlkreis stärkste Kraft und bekam landesweit 12,6 Prozent der Stimmen. Diesmal lag ihr Stimmanteil nur bei rund zwei Prozent.

Wahlrecht benachteiligt kleine Parteien

Die nordirisch-republikanische Sinn Fein gewann drei Mandate hinzu und hat nun sieben Sitze, die aller Voraussicht nach leer bleiben werden. Aus Protest schickt die Partei keine Abgeordneten nach Westminster. Die britischen Grünen haben erneut eine Abgeordnete im Parlament.

Das britische reine Mehrheitswahlrecht benachteiligt tendenziell kleine Parteien, da ins Unterhaus nur einzieht, wer einen Wahlkreis direkt gewinnt. Bisher lieferte diese Art zu wählen meistens klare Mehrheiten, allerdings regierte der konservative Premier David Cameron schon von 2010 bis 2015 gemeinsam mit den Liberaldemokraten. Betrachtet man die Stimmanteile insgesamt, gewannen sowohl die Konservativen als auch Labour hinzu, während die kleinen Parteien Prozentpunkte verloren.

Die Auszählung des letzten Wahlkreises Kensington in London dauerte bis zum späten Freitagabend, weil die Helfer nach zwei nächtlichen Auszählungen mit ganz knappem Ergebnis erstmal pausierten und am Abend mit einer dritten Zählrunde begannen. 2015 hatten dort die Konservativen gewonnen, diesmal machte Emma Dent Coad von Labour das Rennen mit nur 20 Stimmen Vorsprung. An den Mehrheitsverhältnissen ändert das allerdings nichts mehr.

Quelle: n-tv.de

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