Politik

Kompromiss mit Glaxo: Länder sparen Millionen

Die Bundesländer müssen von der Pharmaindustrie nur etwa 34 Millionen Impfdosen gegen die Schweinegrippe abnehmen und damit rund ein Drittel weniger als ursprünglich vereinbart.

(Foto: AP)

Die Länder sparen einem Zeitungsbericht zufolge durch die Einigung mit dem Pharmahersteller GlaxoSmithKline (GSK) 133 Millionen Euro beim Schweinegrippe-Impfstoff. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, ist GSK bereit, statt der bestellten 50 Millionen Impfdosen nun insgesamt nur 34 Millionen Dosen an die Länder zu liefern.

Das niedersächsische Gesundheitsministerium, das derzeit den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz hat, wollte die Zahlen vorerst nicht bestätigen. Ein Ministeriumssprecher verwies in Hannover darauf, dass die Länderkabinette dem Verhandlungsergebnis noch zustimmen müssten. Die offiziellen Zahlen zu den Impfdosen sollen am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Hannover vorgelegt werden.

Die Bundesländer hatten von der Firma eine Stornierung ihrer Bestellung um die Hälfte gefordert. Nach einem Spitzentreffen in der vergangenen Woche hatten sie ebenso wie GSK zu der vereinbarten Größenordnung keine konkreten Angaben gemacht, sich aber mit der zunächst geheim gehaltenen Vereinbarung zufrieden gezeigt. Die Produktionskosten für eine Impfdosis betragen 8,33 Euro.

Aus den beteiligten Ländern hieß es, man habe sich mit der Forderung nach Stornierung der Hälfte der Bestellung nicht durchsetzen können. Offiziell heißt es bislang, die Länder hätten von Glaxo "Signale der Kulanz" erhalten, wonach der Konzern auf die Lieferung eines "größeren Teils" des nicht benötigten Impfstoffs verzichten wolle.

Zum Zeitpunkt der Bestellung der 50 Millionen Dosen Ende Juli war der Verlauf der Pandemie noch unklar. Die Schweinegrippe zeigt nun einen eher milden Verlauf, und die Impfbereitschaft der Bevölkerung ist gering. Zudem reicht nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Spritze für den vollen Schutz gegen die Krankheit aus. Ursprünglich waren zwei Impfungen als nötig erachtet worden.

Druck der Pharmaindustrie

Mit dem möglichen Druck der Pharmaindustrie auf Regierungen zum Einkauf großer Mengen Schweinegrippe-Impfstoffe will sich der Europarat in Straßburg beschäftigen. Die parlamentarische Versammlung werde auf Initiative des deutschen Sozialdemokraten und Arztes Wolfgang Wodarg am 26. Januar eine Anhörung mit Vertretern der Pharmaindustrie und der Weltgesundheitsorganisation WHO veranstalten, sagte eine Sprecherin der Staatenorganisation in Straßburg. Noch sei nicht klar, ob die Sitzung öffentlich sei oder hinter verschlossenen Türen stattfinden würde.

Die Pharmaindustrie habe die Gefahr der Schweinegrippe hochgespielt und die Regierungen unter Druck gesetzt, sagte Wodarg der Deutschen Presse Agentur dpa. "Es ist mir unverständlich, wieso die nationalen Forschungsinstitute da mitgemacht haben." Bereits im Dezember hatte Wodarg eine Petition gegen den "falschen Alarm" lanciert, der "Millionen gesunde Menschen der überflüssigen Gefahr von Nebenwirkungen nicht ausreichend getesteter Impfstoffe aussetzt".

Auch USA reduzieren

Wie mehrere europäische Länder benötigen auch die USA weniger Impfstoffe gegen die Schweinegrippe. Die Bestellung bei der australischen Firma CSL sei um die Hälfte reduziert worden, teilte das Unternehmen mit. Die amerikanische Regierung hat 251 Millionen Impfdosen bei fünf verschiedenen Herstellern geordert. Neben CSL sind es GlaxoSmithKline, AstraZeneca, Sanofi-Aventis und Novartis.

Quelle: n-tv.de

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