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Saif al-Islam befindet sich der Hand der neuen libyschen Regierung.
Saif al-Islam befindet sich der Hand der neuen libyschen Regierung.(Foto: REUTERS)

Keine Auslieferung nach Den Haag: Libyen hält Gaddafi-Sohn fest

Libyens neue Regierung will den festgenommenen Sohn des früheren Machthabers Gaddafi nicht an den Internationalen Strafgerichtshof nach Den Haag überstellen. Saif al-Islam werde in Libyen in einem ordentlichen Gerichtsverfahren nach den Lehren des Islam behandelt. Im diesem Fall droht dem Gaddafi-Sohn die Todesstrafe.

Dieses Foto des libyschen Fernsehens sollte den Menschen im Land zeigen, dass der in Decken gehüllte Gaddafi-Sohn wirklich festgenommen wurde.
Dieses Foto des libyschen Fernsehens sollte den Menschen im Land zeigen, dass der in Decken gehüllte Gaddafi-Sohn wirklich festgenommen wurde.(Foto: Reuters)

Wenige Stunden nach der Festnahme von Gaddafi-Sohn Saif al-Islam hat Libyens Regierungschef Abdulrahim Al-Kib dem prominenten Gefangenen eine faire Gerichtsverhandlung zugesagt. "Ich möchte Libyen und allen anderen versichern, dass Saif al-Islam Gaddafi und die mit ihm festgenommenen Personen ein faires Verfahren erhalten werden", sagte Al-Kib in Sintan im Nordwesten des Landes.

Gleichzeitig erteilte Al-Kib den Forderungen von Menschenrechtlern nach Auslieferung des Gaddafi-Sohns an den Internationalen Strafgerichtshof eine Absage. "Wir respektieren die internationale Rechtsprechung, aber es ist das Recht unseres Volkes, ihn hier vor Gericht zu stellen", sagte der Interims-Regierungschef. Saif al-Islam werde nach den Lehren des Islam behandelt. Im diesem Fall droht dem Gaddafi-Sohn die Todesstrafe.

Saif bei einer Pressekonferenz im August 2010 in Tripolis.
Saif bei einer Pressekonferenz im August 2010 in Tripolis.(Foto: dpa)

Vor Al-Kib hatte bereits Justizminister Mohamed al-Alaki eine Auslieferung des Gefangenen an den Internationalen Strafgerichtshof abgelehnt. Dessen Chefankläger Luis-Moreno-Ocampo wirft der alten libyschen Staatsführung, inklusive Saif al-Islam, Morde an Hunderten Zivilisten, Folterungen, militärische Gewalt gegen unbewaffnete Demonstranten und gezielte Massenvergewaltigungen vor. Moreno-Ocampo wird in der kommenden Woche zu Gesprächen in Tripolis erwartet.

Vom Wirtschaftsfachmann zum Scharfmacher

Saif al-Islam (Schwert des Islam) hatte lange Zeit als das liberale Gesicht des Despotenclans gegolten – smart, eloquent, weltmännisch. Er wurde an der London School of Economics ausgebildet und machte dort auch seinen Doktortitel. Er galt vor der Revolution als potenzieller Nachfolger. Er war auch an jahrelangen Verhandlungen mit den USA und Europa beteiligt, an deren Ende Libyen seinen Verzicht auf Atomwaffen erklärte. Im Gegenzug beendete der Westen seinen Wirtschaftsboykott gegen das ölreiche Land. Dies machte den Weg frei für milliardenschwere Investitionen des Auslands in den libyschen Energiesektor.

Saif al-Islam im August diesen Jahres.
Saif al-Islam im August diesen Jahres.(Foto: Reuters)

Nach dem Umsturz in Libyen trat er aber als Scharfmacher ins Rampenlicht. Seinen letzten großen Auftritt hatte er Ende August, als er kurz nach der Eroberung von Tripolis durch die Rebellen mitten in der Nacht vor einem internationalen Hotel auftauchte und vor Journalisten den Sieg des Gaddafi-Regimes verkündete. Mit kahl rasiertem Schädel und gestutztem Vollbart wetterte er damals gegen die Oppositionskräfte und die Luftangriffe der NATO.

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Quelle: n-tv.de

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