Politik

Bildnis des Machthabers unerwünscht: Libyer schreddern Gaddafi-Geld

Die Libyer wollen Ex-Machthaber Gaddafi und sein Antlitz nicht weiter auf ihrem Geld ertragen. Deshalb wird die höchste Banknote des Landes, der 50 Dinar-Schein, aus dem Verkehr gezogen. Er erinnert an den Staatsstreich unter Gaddafis Führung im Jahr 1969. Derweil setzt sich Gaddafis Sohn Al-Saadi ins Nachbarland Niger ab.

Auch auf dem 1-Dinar-Schein befindet das Bild Gaddafis. Davon sind aber viele Millionen im Umlauf.
Auch auf dem 1-Dinar-Schein befindet das Bild Gaddafis. Davon sind aber viele Millionen im Umlauf.(Foto: picture alliance / dpa)

Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi entfernen die Libyer sein Antlitz aus ihrem Alltag: Die libyschen Banken beschlossen, eine Banknote mit dem Bildnis Gaddafis aus dem Verkehr zu ziehen. Die Geldscheine würden eingesammelt und der Zentralbank übergeben, sagte ein Vertreter einer Filiale der National Commercial Bank in Tripolis.

Der Schein über 50 Dinar (knapp 30 Euro), die höchste Banknote des Landes, zeigt Gaddafi mit einer großen Brille in einem traditionellen Gewand. Er wurde 2008 zum Gedenken an den Jahrestag des Staatsstreichs unter Gaddafis Führung im Jahr 1969 eingeführt.

Gaddafi-Sohn setzt sich ab

Al Saadi ist eines von acht Kindern des gestürzten Diktators.
Al Saadi ist eines von acht Kindern des gestürzten Diktators.(Foto: dpa)

Derweil setzen sich immer mehr enge Familienmitglieder Gaddafi ins Ausland ab. Gaddafis Sohn Al-Saadi habe am Sonntag die Grenze zum Nachbarland Niger überquert, sagte der nigrische Justizminister Marou Amadou in der Hauptstadt Niamey. Laut Al-Dschasira wurde der 38 Jahre alte Ex-Fußballprofi in einem Konvoi mit acht weiteren Personen aufgegriffen. Die Regierung von Niger sei nicht vorab informiert worden.

Al-Saadi ist bereits das vierte von acht Kindern Gaddafis, das sich ins Ausland abgesetzt hat. Zuvor war Ende August die zweite Ehefrau des untergetauchten Ex-Machthabers, Safija al-Gaddafi, mit der Tochter Aischa und dem Sohn Hannibal nach Algerien geflüchtet. Mit dabei war auch Gaddafis ältester Sohn Mohammed, der jedoch aus erster Ehe stammt.

Al-Saadi spielte auch in der Nationalmannschaft seines Landes.
Al-Saadi spielte auch in der Nationalmannschaft seines Landes.(Foto: dpa)

Al-Saadi al-Gaddafi war Kommandeur einer Eliteeinheit, bevor er als Fußballprofi nach Italien ging. Dort stand er bei mehreren Erstligamannschaften unter Vertrag, kam aber kaum zum Einsatz, bevor er sich nach Dopingvorwürfen verabschieden musste. Zuletzt war er Präsident des libyschen Fußballverbandes. Er engagierte sich auch in der Filmindustrie.

Wo sich Ex-Diktator Gaddafi aufhält, ist weiterhin unklar. Die Aufständischen in Libyen behaupten beharrlich, sie hätten ihn bereits aufgespürt und weiträumig eingekreist.

Öl läuft wieder

Am Wochenende nahm das vom Bürgerkrieg verwüstete Land seine Ölproduktion wieder auf. Der Chef der Übergangsregierung, Mahmud Dschibril, machte keine Angaben zu Produktionstort und -mengen, sondern sagte lediglich, die Produktion werde in naher Zukunft erhöht. Libyen hält die größten Ölreserven Afrikas. Vor Beginn der Unruhen verkaufte das Land 85 Prozent seiner Exporte nach Europa. Im Zuge des sechsmonatigen Bürgerkriegs war die Förderung praktisch zum Erliegen gekommen. Mittlerweile stehen europäische Ölgesellschaften wie die italienische Eni und die österreichische OMV in den Startlöchern, um ihre Produktion wieder hochzufahren.

Kinder genießen den Abend am Strand von Tripolis.
Kinder genießen den Abend am Strand von Tripolis.(Foto: AP)

Dschibril kündigte ferner die baldige Bildung einer neuen Übergangsregierung an. Darin sollen alle Regionen des Landes vertreten sein. Ziel ist es, aufkeimende regionale Rivalitäten zu beruhigen. Die neue Regierung solle in spätestens zehn Tagen stehen. Sie soll seinen Angaben zufolge die Entscheidungen des Übergangsrates umsetzen. Nach einer vollständigen Befreiung Libyens werde dann eine andere Regierung gebildet.

Die Truppen der neuen libyschen Führung kämpfen derzeit jedoch noch an mehreren Fronten, sagte Dschibril mit Blick auf eine bevorstehende Offensive auf die letzten Gaddafi-Bastionen.

Bilderserie
Video

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen