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Ein Anführer der Milizionäre sagte, die Demonstranten hätten zuerst geschossen.
Ein Anführer der Milizionäre sagte, die Demonstranten hätten zuerst geschossen.(Foto: dpa)

Regierung verweist Kämpfer der Hauptstadt: Libysche Milizen feuern auf Demonstranten

In Tripolis sterben mehrere Menschen bei einer Demonstration gegen die mächtigen Milizen. Bei einer Demonstration schießen bewaffnete Milizionäre in die Menschenmenge. Die Regierung verweist sie der Stadt - nicht zum ersten Mal.

Nach gewaltsamen Protesten gegen bewaffnete Milizen in Tripolis hat die libysche Regierung sämtliche derartige Gruppen der Hauptstadt verwiesen. Ausnahmen würden nicht geduldet, erklärte Ministerpräsident Ali Zaidan als Reaktion auf die schwersten Zusammenstößen in Tripolis seit Monaten. Dabei hatten sich aufgebrachte Bürger Kämpfe mit Milizionären geliefert und diese zum Verlassen der Hauptstadt aufgefordert.

Im Zuge der Demonstration gegen die in Libyen mächtigen Milizen sind in Tripolis nach offiziellen Angaben mindestens 31 Menschen getötet und 285 weitere verletzt worden. Von den 95 Verwundeten hätten viele schwere Verletzungen erlitten, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

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Zunächst waren Hunderte Anwohner zum Stützpunkt der Milizen marschiert und hatten von ihnen verlangt, die Hauptstadt zu verlassen. Die Kämpfer eröffneten daraufhin das Feuer auf die Menschenmenge, unter anderem mit einem Luftabwehr-Geschütz. Die Anwohner zogen sich zwar zunächst zurück, kehrten jedoch bewaffnet wieder, um die Anlage zu stürmen. Später rückte die Armee an und versuchte, die Gruppen zu trennen. Sie regelte auch die Zufahrtstraßen ab.

Milizen bekämpfen sich gegenseitig

Die Demonstranten waren einem Aufruf muslimischer Imame gefolgt, nach dem Freitagsgebet gegen die mächtigen Milizen zu protestieren. Hunderte Menschen gingen mit weißen Flaggen als Zeichen ihrer Friedfertigkeit sowie mit den Landesflaggen auf die Straße und sangen gemeinsam die Nationalhymne. Vom Meliana-Platz zogen die Demonstranten zum Hauptquartier der Misrata-Milizen weiter.

Erst vor einer Woche hatten sich rivalisierende Milizionäre in Tripolis heftige Gefechte geliefert. Dabei war ein Mann getötet worden. Viele "Revolutionsbrigaden", die im Kampf gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi stark wurden, wollen sich bis heute weder entwaffnen noch in den staatlichen Sicherheitsapparat eingliedern lassen. Im Oktober wurde Ministerpräsident Ali Seidan zeitweise von Bewaffneten entführt.

Nach dem Sturz Al-Gaddafis im Jahr 2011 waren die Milizionäre zunächst als Helden gefeiert worden. Die Milizen bekämpfen sich inzwischen gegenseitig und widersetzen sich der Aufforderung der schwachen Zentralregierung, die Hauptstadt Tripolis zu verlassen.

Ein westlicher Diplomat sagte, die Lage in dem nordafrikanischen Land sei "zunehmend kritisch". Die Botschaften der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Italiens veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der sie die Libyer aufforderten, ihre "Differenzen beizulegen".

Quelle: n-tv.de

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