Politik
Matthias Höhn.
Matthias Höhn.(Foto: dpa)
Freitag, 10. November 2017

Nach Streit in Parteizentrale: Linke-Geschäftsführer verkündet Rücktritt

In der Linken gärt es: Der Machtkampf zwischen Parteichefs und Spitzenkandidaten fordert Opfer. Nun nimmt der Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn seinen Hut. Sein kommissarischer Nachfolger steht bereits fest.

Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Matthias Höhn, tritt wegen Streits in der Parteizentrale zurück. "Eine Partei braucht eine Führung und einen Vorstand, die auf Vertrauen, Verlässlichkeit und Kooperation beruhen", schrieb Höhn in einem Brief an den Parteivorstand. "Für mich ist dies nicht mehr gegeben." Das Amt soll kommissarisch der frühere Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf übernehmen, wie die Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger hinzufügten. Dies soll auf der Sitzung des Parteivorstandes am Mittwoch beschlossen werden.

Höhn erklärte, er sei der Bitte der Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger gefolgt, den Schritt nicht nach der niedersächsischen Landtagswahl im Oktober zu vollziehen, sondern bis zur November-Sitzung des Parteivorstands zu warten. "Ich lege daher mein Amt als Bundesgeschäftsführer und Bundeswahlkampfleiter mit Ablauf des heutigen Tages nieder."

Streit zwischen Höhn, Kipping und Riexinger

Kipping und Riexinger erklärten am Freitag allerdings: "Wir bedauern die Entscheidung von Matthias Höhn. Wir hätten uns gewünscht, unsere erfolgreiche Zusammenarbeit fortzuführen." Zugleich lobten die beiden Parteichefs die Kompetenzen von Wolf: Er verfüge über einen "breiten Erfahrungshintergrund in Leitungs- und Regierungsfunktionen" und werde "strömungsübergreifend als verbindender Akteur geschätzt". Wolf war in der rot-roten Koalition Berlins zwischen 2002 und 2011 stellvertretender Bürgermeister und Wirtschaftssenator.

Bereits vor einem Monat hatte es erste Berichte darüber gegeben, dass der Parteimanager vor dem Rückzug stehe. Riexinger und Kipping sollen Höhn dafür kritisiert haben, dass er die Fokussierung auf die Spitzenkandidaten Sahra Wagenknecht und Bartsch im Wahlkampf unterstützt habe. Zudem sollen sie sich laut Medienberichten daran gestört haben, dass er sie zu wenig gegen Kritik von Ex-Parteichef Oskar Lafontaine, Wagenknechts Ehemann, in Schutz genommen habe.

Hinter der Personalie Höhn steckt somit auch der Machtkampf zwischen den Parteichefs sowie Wagenknecht und Bartsch, der mit der Wiederwahl beider an die Fraktionsspitze am 17. Oktober offiziell beigelegt wurde. Auch danach ging der Streit allerdings weiter. Höhn wolle zwischen beiden Seiten nicht zerrieben werden, schreibt die "Mitteldeutsche Zeitung".

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen