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Treten ein schweres Erbe an: Lötzsch und Ernst führen nun die Linke.
Treten ein schweres Erbe an: Lötzsch und Ernst führen nun die Linke.(Foto: dpa)

Schlappe für Ernst: Linke wählt neue Doppelspitze

Jochen Müter, Rostock

Die Ära Lafontaine und Bisky ist Geschichte: Die Linke wählt auf ihrem Parteitag in Rostock Gesine Lötzsch und Klaus Ernst zu ihren neuen Vorsitzenden. Lötzsch erzielt mit 92,8 Prozent ein Rekordergebnis, Ernst wird mit 74,9 Prozent abgestraft. Auf die beiden wartet nun eine schwierige Aufgabe, sie müssen die gespaltene Partei zusammenhalten.

Gesine Lötzsch und Klaus Ernst sind die neuen Parteivorsitzenden der Linken. Die beiden wurden auf dem Bundesparteitag in Rostock zur neuen Doppelspitze gewählt. Der 55-jährige IG-Metall-Funktionär Ernst bekam allerdings nur 74, 9 Prozent der Stimmen. Lötzsch, stellvertretende Fraktionschefin im Bundestag, wurde mit 92,8 Prozent gewählt - das bisher beste Ergebnis überhaupt bei den Wahlen zum Linke-Vorsitz. Ein dritter, bislang recht unbekannter Kandidat, Franz Josef Weich aus Schaumburg, hatte kurzfristig kandidiert und kam immerhin auf 13,9 Prozent. Ernst und Lötzsch lösen die bisherigen Amtsinhaber Lothar Bisky und Oskar Lafontaine ab.

Das Ergebnis für Ernst war mit Spannung erwartet worden. Für ihn bedeutet der deutliche Abstand zu Lötzsch eine Schlappe. Von den Parteimitgliedern im Osten wird ihm angelastet, an der Demontage des scheidenden Bundesgeschäftsführers Dietmar Bartsch beteiligt gewesen zu sein. Bei seiner Wahl zum Parteivize 2008 hatte er mit 59,2 Prozent allerdings noch deutlich schlechter abgeschnitten.

Schweres Erbe

Die neue Doppelspitze steht vor der großen Herausforderung, die in Realos und Fundamentalisten gespaltene Partei auf ihrem Erfolgskurs zu halten. Die Partei ist unter der Führung von Lafontaine und Bisky in 13 der 16 Länderparlamente eingezogen. Lafontaine sagte n-tv.de, die Partei sei im Westen noch nicht hinreichend organisatorisch gefestigt, daran werde die neue Spitze nun arbeiten.

Emotionaler Abschied: Fraktionschef Gysi und der scheidende Parteichef Bisky.
Emotionaler Abschied: Fraktionschef Gysi und der scheidende Parteichef Bisky.(Foto: dpa)

Ernst gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Wahlalternative Arbeit & Soziale Gerechtigkeit, die später unter der Federführung von Lafontaine mit der PDS fusionierte. Er stammt unüberhörbar aus Bayern, gilt als Rede-Talent und vertritt eher fundamentalistische Ansichten. Lötzsch ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag und gilt als Finanzexpertin. Die 48-Jährige setzt im innerparteilichen Richtungsstreit auf Ausgleich und hat sich zum Ziel gesetzt, die starken Unterschiede zwischen dem Ost- und dem Westflügel der Partei aufzulösen. Das neue Spitzenduo spricht sich gemeinsam für eine rot-rot-grüne Koalition in Nordrhein-Westfalen aus.

Bartsch tritt ab

Die Partei hat auch zwei neue Bundesgeschäftsführer: Caren Lay und Werner Dreibus. Der Parteitag wählte die 37 Jahre alte Soziologin mit 69,2 Prozent, der aus Hessen stammende Gewerkschafter Dreibus (66) bekam 82,4 Prozent. Sie folgen Dietmar Bartsch nach, der nach innerparteilichem Streit und Vorwürfen, er sei gegenüber dem bisherigen Vorsitzenden Oskar Lafontaine illoyal gewesen, nicht wieder antrat.

Bartsch galt als eine der wichtigsten Figuren beim Aufbau tragfähiger Strukturen in der noch jungen Partei. Die rund 550 Delegierten feierten Bartsch, der noch Fraktionsvize seiner Partei ist, mit langem Beifall. Fraktionschef Gregor Gysi betonte: "Dietmar Du bleibst bei uns und Du wirst wieder was."

Lafontaines Abschied

Lafontaine hatte seine Partei noch einmal auf seine Linie eingeschworen.
Lafontaine hatte seine Partei noch einmal auf seine Linie eingeschworen.(Foto: dpa)

Mit einer flammenden Rede verabschiedete sich Lafontaine nach drei Jahren aus dem Amt des Linke-Vorsitzenden. Er warb dafür, den Erfolgskurs der letzten Jahre "unbeirrbar" fortzusetzen. "Eine erfolgreiche Strategie wechselt man niemals aus", rief Lafontaine den rund 500 Delegierten auf dem Parteitag in Rostock zu. "Es liegt an uns allen, diesen Weg unbeirrbar weiterzugehen." Gemeinsam mit seinem Ko-Vorsitzenden Bisky könne er zufrieden sein, "dass vieles erreicht wurde". Die Linke stehe für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Demokratie.

Lafontaine bekräftigte die Bereitschaft der Linken zum Mitregieren in Nordrhein-Westfalen. "Wir sind bereit, eine rot-rot-grüne Regierung mitzutragen, wenn der Sozialabbau verbindlich im Bundesrat gestoppt wird." Den Einzug der Linken in den Landtag des größten Flächenlandes nannte Lafontaine einen "Triumph". Die Linke sei nun in 13 und damit in ebenso vielen Landtagen vertreten wie die Grünen. Das Fünf-Parteien-System habe sich fest etabliert. "Wir sind die erfolgreichste Gründung in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Kriege", rief der einstige SPD-Vorsitzende. "Wir sind stärker als Grüne und CSU."

Quelle: n-tv.de

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