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Mahnwache gegen Hass und Gewalt in Edmonton: Der Lkw-Anschlag erschüttert die kanadische Öffentlichkeit.
Mahnwache gegen Hass und Gewalt in Edmonton: Der Lkw-Anschlag erschüttert die kanadische Öffentlichkeit.(Foto: AP)
Donnerstag, 05. Oktober 2017

Anschlag von Edmonton: Lkw-Attentäter stammt aus Somalia

Die Einwanderungspolitik Kanadas gilt als Gegenentwurf zur reinen Abschottung. Doch die Fahrzeug-Attacke in Edmonton droht die tolerante Haltung vieler Kanadier zu erschüttern. Ein aus Somalia geflohener junger Mann entpuppt sich als brutaler Attentäter.

Vier Tage nach dem Fahrzeug-Anschlag in der kanadischen Stadt Edmonton kommen weitere Einzelheiten zu dem Attentäter ans Licht. Wie die kanadische Regierung mitteilte, handelt es sich bei dem Attentäter um den 30-jährigen Abdulahi Hasan S. aus Somalia. In dem Vielvölkerstaat mit seinen zahlreichen Einwanderergruppen aus aller Welt schlägt der Anschlag weiter hohe Wellen.

Die kanadische Polizei konnte den Attentäter lebend festnehmen: Abdulahi Hasan S.
Die kanadische Polizei konnte den Attentäter lebend festnehmen: Abdulahi Hasan S.(Foto: AP)

Nach seiner Flucht aus der Heimat lebte der Mann nach Angaben der Behörden zunächst in den USA. Nach einer Abschiebungsanordnung der US-Behörden beantragte er schließlich Asyl in Kanada. Er habe 2012 seinen Asylantrag gestellt, erklärte der kanadische Einwanderungsminister Ahmed Hussen. Noch im selben Jahr sei ihm der Flüchtlingsstatus zuerkannt worden. Die Fragen, wie, wann und warum sich S. zum gewaltbereiten Attentäter entwickelte, stehen im Zentrum intensiver Ermittlungen.

Angriffe auf Polizei und Passanten

Der Täter hatte am Samstagabend (Ortszeit) in der 800.000-Einwohner-Stadt Edmonton während einer Sportveranstaltung einen Polizisten vor einem Stadion angefahren und dann mit einem Messer auf den Beamten eingestochen. Der Polizist überlebte die Attacke, obwohl er durch die Wucht des Rammstoßes mehrere Meter durch die Luft geschleudert wurde und anschließend noch Schnitt- und Stichwunden erlitt.

Kurz darauf verletzte der Attentäter mit einem Miet-Lastwagen vier weitere Menschen im Stadtzentrum. Bei der anschließenden Flucht geriet er mit seinem schweren Wagen ins Schleudern. Der Kleinlaster kippte um. S. konnte unmittelbar darauf leicht verletzt festgenommen werden. In seinem Fahrzeug wurde eine Fahne der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gefunden.

Fehleinschätzung im Asylverfahren?

Nach Angaben der US-Einwanderungsbehörde saß S. im Jahr 2011 vier Monate in Kalifornien in Haft. Ein Richter ordnete daraufhin seine Abschiebung an. S. habe die Entscheidung nicht angefochten, heißt es. Er sei im November 2011 freigelassen worden, weil die Abschiebung in "absehbarer Zeit" nicht durchführbar erschienen sei. Im Januar 2012 habe er sich dann seiner Abschiebung widersetzt und sei für die US-Behörden nicht mehr auffindbar gewesen. Offenbar hatte er sich nach Kanada abgesetzt.

Premierminister Justin Trudeau kündigte eine "genaue" Überprüfung von S.s Asylverfahren in Kanada an. Wie in Europa gibt es auch zwischen den USA und Kanada eine sogenannte Drittstaatenregelung, wonach Flüchtlinge ihren Asylantrag in dem Land stellen müssen, in das sie als erstes eingereist sind. Die kanadischen Behörden hätten S. also in die USA zurückschicken müssen.

Quelle: n-tv.de

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