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Derzeit sind etwa 980 deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz.
Derzeit sind etwa 980 deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz.(Foto: dpa)
Dienstag, 22. August 2017

Neue US-Strategie in Afghanistan: Lob und Kritik für Donald Trump

Die deutsche Bundesregierung befürwortet wie andere Nato-Mitglieder auch den neuen Afghanistan-Kurs der USA. Für SPD und Grüne kommt eine Ausweitung des militärischen Engagements in Afghanistan jedoch nicht in Frage.

Mit seiner Kehrtwende in der amerikanischen Afghanistan-Politik hat US-Präsident Donald Trump international für Aufsehen gesorgt. Die Nato-Verbündeten begrüßten die Truppen-Aufstockung, so auch Deutschland, wie eine Regierungssprecherin erklärt. Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen befürwortete das anhaltende Engagement der USA in Afghanistan, lehnte aber eine Entsendung zusätzlicher Bundeswehr-Soldaten ab. Deutschland ist derzeit mit etwa 980 Soldaten nach den USA und Großbritannien der drittgrößte Truppensteller in Afghanistan. "Wir haben im vergangenen Jahr, als andere ihre Truppenstärke reduziert haben, unsere Truppenstärke erhöht um 18 Prozent, so dass wir uns jetzt nicht in der ersten Reihe derer sehen, die nach weiterem Truppenaufbau gefragt werden", sagt von der Leyen. Zudem werde Deutschland sich nicht am umstrittenen verstärkten Anti-Terror-Kampf der USA beteiligen.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg lobt die Entscheidung Trumps: "Die Nato bleibt in Afghanistan voll engagiert", sagt er. Bereits vor Trumps Rede hatten 15 Nato-Staaten angekündigt, ihre Truppen am Hindukusch aufzustocken. "Das US-Engagement ist sehr willkommen", betont der britische Verteidigungsminister Michael Fallon. Zustimmung gab es auch seitens der afghanischen Regierung - Präsident Ashraf Ghani begrüßte Trumps Entscheidung und versprach, die Ausbildungskapazitäten aufzustocken. Einer Quelle der russischen Nachrichtenagentur Interfax aus dem Außenministerium zufolge glaubt die russische Regierung, dass Trumps neue Strategie keine Fortschritte in Afghanistan bringen werde.

Die Taliban drohen, Afghanistan zum Friedhof der USA zu machen.
Die Taliban drohen, Afghanistan zum Friedhof der USA zu machen.(Foto: REUTERS)

Wie viele Soldaten die US-Regierung zusätzlich an den Hindukusch entsandt werden, ist bislang unbekannt. Regierungskreisen zufolge billigt Trump den Plan von Verteidigungsminister Jim Mattis, die 8400 Mann starke Truppe um 4000 aufzustocken. Schon der ehemalige US-Präsident Barack Obama hatte zu Beginn seiner Amtszeit einen Abzug versprochen, diese Position aber auf Druck der Nato-Verbündeten und angesichts der wieder erstarkenden Taliban aufgegeben. Trump vollzog allerdings eine zweite Kehrtwende, indem er den Ansatz der westlichen Staaten in Afghanistan der vergangenen Jahre infrage stellt: "Wir werden kein Staatsaufbau mehr betreiben. Wir werden Terroristen töten", sagt er.

Mehr Truppen lösen den Konflikt nicht

Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour nannte diese angekündigte Trennung Terror-Bekämpfung und Staatsaufbau "verheerend". Laut Partei-Kollege Jürgen Trittin sei Vollgas geben das Dümmste, was Trump hätte tun können. Er sieht in Afghanistan eine gescheiterte Interventionspolitik des Westens. "Deutschland darf nicht die Geisel von Donald Trumps brandgefährlicher Afghanistan-Strategie sein. Mehr Truppen werden den Konflikt nicht lösen, sondern den Status quo zementieren", sagt er. Sollten der 2010 bei der Londoner Afghanistan-Konferenz geplante geordnete Rückzug der internationalen Truppen missachtet werden, "befinden wir uns auf der Rutschbahn in einen neu eskalierenden, endlosen Kriegseinsatz".

Die SPD spricht sich ebenfalls gegen weitere Bundeswehr-Soldaten am Hindukusch aus. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hält eine Aufstockung deutscher Soldaten nicht für sinnvoll. "Militärisch ist dieser Konflikt nicht zu gewinnen", sagt er. Die SPD werde an dem Ansatz festhalten, Afghanistan zu stabilisieren und die staatlichen Strukturen weiter aufzubauen, betonte Oppermann weiterhin.

Quelle: n-tv.de

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