Politik
Lothar Späth starb im Alter von 78 Jahren.
Lothar Späth starb im Alter von 78 Jahren.(Foto: imago stock&people)

Ex-Ministerpräsident: Lothar Späth ist tot

Lange Zeit prägte er als Ministerpräsident von Baden-Württemberg die Politik. Danach half er unter anderem beim Aufbau Ost und moderierte bei n-tv eine wöchentliche Gesprächssendung. Nun ist Lothar Späth im Alter von 78 Jahren gestorben.

Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth ist tot. Darüber sei das Staatsministerium in Stuttgart informiert worden, sagte ein Sprecher der Landesregierung. Er starb im Alter von 78 Jahren. Späth lebte zuletzt in einem Pflegeheim in der Nähe von Stuttgart. Im März dieses Jahres wurde bekannt, dass er an Alzheimer erkrankt war.

Von 1978 bis 1991 war er Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Er war Nachfolger von Hans Filbinger, der wegen seiner Urteile als Militärrichter während der Nazizeit zurücktreten musste. 1980, 1984 und 1988 konnte Späth bei den Landtagswahlen jeweils die absolute Mehrheit der CDU verteidigen. Er trieb besonders die wirtschaftliche Entwicklung des Landes voran und erhielt den Spitznamen "Cleverle".

Späth war während seiner Amtszeit als Regierungschef auch immer wieder auf der bundespolitischen Bühne vertreten. Er wurde in der Union damals als mögliche Alternative zu Kanzler Helmut Kohl gehandelt. Beim Bremer Bundesparteitag der CDU 1989 wurde Späth allerdings abgestraft und schaffte nicht den Wiedereinzug in das CDU-Präsidium.

Er galt als Anführer der parteiinternen Opposition gegen Kohl. Angetreten gegen Kohl ist Späth aber damals nicht. "Er hätte sich auf den Weg des Kanzleranwärters begeben können, besaß aber diesen Rebellenmut nicht", so Marlis Prinzing in der Späth-Biografie "Wandlungen eines Rastlosen".

"Großartiger Politiker"

Wegen der sogenannten "Traumschiff-Affäre", bei der es um zahlreiche offizielle, halboffizielle und private Reisen auf Kosten der Wirtschaft ging, trat er im Januar 1991 zurück. Nach dem Ende seiner politischen Laufbahn wechselte er in die Wirtschaft und leitete bis 2003 das Jenaer Optik-Industrieunternehmen Jenoptik. Von 1997 bis 2001 moderierte Späth zusätzlich bei n-tv die wöchentliche Gesprächssendung "Späth am Abend". Im Bundestagswahlkampf 2002 war er im Schattenkabinett des Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber als Wirtschaftsminister vorgesehen. Im Mai 2005 berief ihn das Geldhaus Merrill Lynch zum Vorsitzenden der Geschäftsführung für Deutschland. Das war sein letzter Job in der Wirtschaft. Nach und nach gab Späth dann auch seine Ehrenämter ab.

In den letzten Jahren war es um den CDU-Politiker ziemlich ruhig geworden. Er tauchte praktisch nicht mehr in der Öffentlichkeit auf. Im Frühjahr 2014 machte er noch einmal kurz Schlagzeilen als es um die Trennung von seiner Ehefrau Ursula ging. Eine Scheidung sei aber kein Thema, versicherte er.

Der Bundesrat gedachte Späth am Vormittag mit einer Schweigeminute. Er habe sich "großartige Verdienste" um sein Bundesland erworben, sagte Bundesratspräsident Stanislaw Tillich. Auch für den Aufbau der ostdeutschen Bundesländer sei man ihm "zu großem Dank verpflichtet". "Wir teilen die Trauer der Angehörigen - Lothar Späth war ein großartiger Politiker der Bundesrepublik Deutschland." Bundestagspräsident Norbert Lammert würdigte Späths "herausragende wirtschaftspolitische Kompetenz". Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte, seine Kreativität und seine Ideen hätten die Wirtschaft beflügelt und damit dem Wohl aller Menschen gedient. "Lothar Späth hat das Land Baden-Württemberg vorangebracht." Kauder hat seinen Wahlkreis in Baden-Württemberg.

Auch die Landesspitzen von SPD und FDP drückten ihre Trauer aus. Späth sei ein großer Ministerpräsident Baden-Württembergs gewesen, sagten SPD-Landeschef Nils Schmid und FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke in Stuttgart. Er habe die Weichen dafür gestellt, dass Baden-Württemberg zum Innovationsland Nummer eins werden konnte, sagte Schmid, der auch Wirtschaftsminister ist. "Wir erinnern uns an ein wahres Energiebündel der Landespolitik." Nach den Worten von Rülke hat Späth das Land zu bundespolitischer Bedeutung geführt. Er sei ein quirliger Querdenker gewesen. "Sein Einfallsreichtun, sein Ideenreichtum waren ein großes Glück für unser Land."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen