Politik

Bitterer Schwur für InhaftierteLukaschenko lässt sich krönen

21.01.2011, 15:39 Uhr
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Lukaschenko gilt als Diktator. (Foto: dpa)

Er werde die Freiheit schützen, schwört der alte und neue weißrussische Präsident Lukaschenko bei seiner Amtseinführung. Unterdessen sitzen zahlreiche Oppositionelle in Haft, auch die offiziell unterlegenen Gegenkandidaten Lukaschenkos. Nach der Zeremonie gibt es Popmusik und Folklore.

Mit einer aufwändigen Zeremonie ist der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko für eine vierte Amtszeit als Staatschef vereidigt worden. Vor tausenden Zuhörern versprach er im Palast der Republik in der Hauptstadt Minsk, "die Rechte und die Freiheit der Bürger zu achten und zu schützen". Die Europäische Union boykottierte die Feier.

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Der Wagen des Präsidenten auf dem Weg zum Palast der Republik. (Foto: dpa)

Lukaschenko sagte, dass die "Zeit für Revolutionen und Aufstände vorüber" sei, und erklärte, er wolle Weißrussland vor Bedrohungen aus dem In- und Ausland schützen. Die anwesenden Anhänger lobte er, sie seien nicht auf die "politischen Provokationen, hysterischen Politiker und käuflichen Journalisten hereingefallen" seien. "Wir haben auf überzeugende Weise gewonnen", sagte Lukaschenko. Es habe nur die Wahl zwischen "einem unabhängigen und starken Staat und der Unterjochung" gegeben.

Bei der Präsidentenwahl am 19. Dezember war der seit 16 Jahren amtierende Lukaschenko laut amtlichem Ergebnis mit knapp 80 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden. Proteste der Opposition, die der Regierung massive Wahlmanipulation vorwarf, wurden von der Polizei niedergeschlagen. Etwa 600 Demonstranten, unter ihnen auch mehrere Gegenkandidaten Lukaschenkos, wurden festgenommen. Zahlreiche Oppositionelle sitzen immer noch in Haft. Am Silvestertag ließ Lukaschenko zudem das Büro der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Minsk schließen.

Kolja an der Hand

Vor dem Beginn der Zeremonie war Lukaschenko in einer Wagenkolonne mit neun Motorrädern an der Spitze durch die menschenleeren Minsker Straßen zum Veranstaltungsort gefahren. Er wurde während der gesamten Feier von seinem etwa sechs Jahre alten Sohn Kolja begleitet, der einen Anzug trug. Auf die akribisch geplante Vereidigungsfeier folgte eine Showveranstaltung mit Popsängern in folkloristischen Kostümen und bunt gekleideten Tänzern, die sich Lukaschenko und sein Sohn aus einer eigenen Loge ansahen.

Peace
Zahlreiche Oppositionelle sitzen in Haft - unter anderem die Gegenkandidaten Lukaschenkos. (Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Während der russische Botschafter an der Feier teilnahm, wurde sie von den Mitgliedstaaten der Europäischen Union boykottiert. Sämtliche Botschafter und auch der Chef der Brüsseler Mission in Minsk hätten das Land verlassen, sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Sie seien nach Litauen gereist. Der US-Vertreter verließ Minsk nach Angaben der Botschaft, um einer Bibliothek in der Provinz eine Bücherspende zu überreichen.

Am Morgen hatte die Staatszeitung "Sowjetskaja Belorussia" berichtet, der Präsidentschaftskandidat Andrej Sannikow und dessen Frau Irina Chalib hätten vor der Wahl eine 20-Millionen-Dollar-Spende aus dem Ausland bekommen, um Lukaschenko zu stürzen. Die Zeitung bezog sich in ihrem Bericht auf Unterlagen aus der Präsidialverwaltung. Am Donnerstag hatte Lukaschenko Deutschland und Polen vorgeworfen, die Oppositionsproteste direkt oder indirekt finanziert zu haben. Zudem drohte er der EU für den Fall weiterer Sanktionen gegen sein Land mit harten Gegenmaßnahmen.

Quelle: AFP