Politik

Premier bekommt KonkurrenzMachtkampf in Japan entbrannt

26.08.2010, 09:08 Uhr
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Ozawa fordert Premier Kan heraus. (Foto: REUTERS)

Die japanische Regierungspartei DPJ steht vor einer Zerreißprobe. Der einflussreiche Politiker Ozawa will gegen Premier Kan um den Parteivorsitz kandidieren. Kan steht nach umstrittenen Entscheidungen unter Druck. Allerdings wird Ozawa wegen mehrerer Finanzskandale kritisiert.

In Japan ist inmitten der

wirtschaftlichen Stagnation ein Machtkampf um die Führung des Landes entbrannt.

Ichiro Ozawa, einer der einflussreichsten Politiker Japans, will Regierungschef n bei der anstehenden Wahl zum Vorsitzenden der demokratischen Regierungspartei

DPJ vom Thron stoßen. Der von Finanzskandalen umwitterte 68-Jährige kündigte an,

bei der Parteiwahl am 14. September gegen Kan antreten zu wollen. Der Chef der Regierungspartei

wird gewöhnlich auch Ministerpräsident. Der erst seit rund drei Monaten amtierende

Kan, der fünfte Premier in nur vier Jahren, hatte im Volk zuletzt stark an Unterstützung

eingebüßt.

Ozawa gilt als Stratege

des historischen Sieges der DPJ bei der Ende August vergangenen Jahres,

als sie die konservative Liberaldemokratische Partei LDP nach mehr als 50 Jahren

fast ununterbrochener Herrschaft von der Macht verdrängt hatte. Doch angesichts

unerfüllter Wahlversprechen, Finanzskandalen und der wirtschaftlichen Stagnation

hat sich im Volk Frust breitgemacht. Dazu trugen zunächst auch wesentlich Ozawas

Finanzskandale bei.

Mehrwertsteuer erhöht

Zusammen mit dem damaligen

Premier Yukio Hatoyama musste er als Generalsekretär der DPJ zurücktreten. Der neue

Premier Kan distanzierte sich klar von Ozawa, konnte dennoch eine herbe Niederlage

bei der im Juli nicht abwenden. Dabei verlor die Partei ihre Mehrheit

in der zweiten Kammer des Parlaments. Mit seiner Ankündigung, die Mehrwertsteuer

deutlich anheben zu wollen, vergraulte Kan viele Wähler und ließ Zweifel aufkommen,

ob er der richtige Mann an der Spitze ist. Zudem hat er auch aus Sicht vieler Abgeordneter

bisher nicht erkennen lassen, wofür er eigentlich steht.

Jetzt geht sein Widersacher Ozawa in die Offensive,

nachdem der frühere Premirück ihm seine Unterstützung zugesichert hatte.

Beide von Finanzskandalen umwitterte Politiker führen große Machtgruppen in der

DPJ an. Beobachter sehen hinter Ozawas Kandidatur den vielleicht letzten Versuch,

Premier zu werden. Zudem droht Ozawa ins politische Abseits zu geraten. In der DPJ

gibt es auch viele Politiker, die den Polit-Veteranen ablehnen. Ozawa war einst

ein Schwergewicht im korrupten alten System der LDP, die ihre Macht jahrzehntelang

auf die üppige Versorgung von Klientelgruppen stützte.

Quelle: dpa