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So idyllisch wie hier geht es nur abseits der Hauptinsel zu: Malé selbst zählt zu den am dichtesten bevölkerten Orten der Erde.
So idyllisch wie hier geht es nur abseits der Hauptinsel zu: Malé selbst zählt zu den am dichtesten bevölkerten Orten der Erde.(Foto: REUTERS)

Putsch unter Palmen: Malediver stürzen Regierung

Auf Malediven reißen meuternde Sicherheitskräfte die Macht an sich. Präsident Nasheed beugt sich auf der Hauptinsel Malé dem Druck der Straße: "Ich will das Land nicht mit eiserner Hand führen." Er tritt freiwillig zurück. Das Tourismusministerium beteuert: Die "derzeitigen Probleme" hätten für Urlauber "keinerlei Auswirkung".

"Es ist für das Land besser": Präsident Nasheed live im Fernsehen.
"Es ist für das Land besser": Präsident Nasheed live im Fernsehen.(Foto: dpa)

Nach wochenlangen Protesten und einer Meuterei der Polizei auf den Malediven hat Präsident Mohammed Nasheed seinen Rücktritt bekanntgegeben. "Es ist für das Land in der in der derzeitigen Situation besser, dass ich zurücktrete", sagte der 44-jährige Staatschef in einer Fernsehansprache. "Ich will das Land nicht mit eiserner Hand führen. Ich trete zurück."

Ein Regierungssprecher in Male sagte, Vizepräsident Mohammed Hassan Waheed werde die Amtsgeschäfte übernehmen. In einer "Botschaft an das Volk" rief Waheed - noch in seiner Funktion als Vizepräsident - die staatlichen Institutionen dazu auf, die Verfassung zu achten.

Urlauber auf den Malediven sind nach Angaben des Tourismusministeriums nicht von der innenpolitischen Krise der südasiatischen Inselkette betroffen. "Wir können versichern, dass die derzeitigen Probleme auf den Malediven keinerlei Auswirkung auf Touristen haben werden", sagte Ministeriumssprecherin Eelaaf Zaeem. "Urlauber sollten sich auf jeden Fall mit ihrem Reiseanbieter in Verbindung setzen", riet dagegen die Reiserechtlerin Julia Rehberg bei n-tv. Unter Umständen seien auch Stornierungen auf Kulanzbasis möglich, erklärte die Expertin für Verbraucherrecht von der Verbraucherzentrale Hamburg. Allerdings sei noch nicht absehbar, wie sich die Lage auf den Malediven entwickelt.

Machtwechsel beunruhigt Touristen

Beobachter hielten die Beeinträchtigungen tatsächlich für gering. Die Proteste der Opposition beschränken sich auf die Hauptinsel mit der gleichnamigen Hauptstadt Male. Ausländische Urlauber sehen Male nur, wenn sie Tagesausflüge dorthin buchen. Der internationale Flughafen liegt auf einer Nachbarinsel. Von dort aus werden Touristen direkt zu ihren jeweiligen Ressorts gebracht, die meist abgeschieden auf zum Teil sehr weit entfernten Inseln liegen. Dazu kommt: Die maledivische Wirtschaft ist auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen. Es liegt im Interesse aller beteiligten Kräfte, den Zustrom an Urlaubern nicht zu gefährden.

Das Auswärtige Amt rät Touristen aus Deutschland seit dem 7. Februar lediglich vom Besuch der Hauptinsel Male ab. Von den Unruhen dort sind nach ersten Informationen bislang keine deutschen Touristen betroffen. Auf der Flughafeninsel und in den Ferienresorts sei die Lage ruhig, hieß es.

Bereits seit Januar gelten für die Malediven besondere Reisehinweise. "Aufgrund innenpolitischer Spannungen haben in jüngster Zeit in der Hauptstadt Male mehrfach Demonstrationen mit teilweise gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei stattgefunden", heißt es in den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes. "Touristen wird daher momentan geraten, größere Menschenansammlungen in der Hauptstadt zu meiden."

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Die Malediven sind vor allem unter Hochzeitsreisenden und Sporttauchern ein sehr beliebtes Urlaubsziel. Der Tourismus ist der größte Wirtschaftsfaktor und erzeugt allein ein Drittel der Wirtschaftsleistung des Landes. Das kleine südasiatische Land besteht aus 1190 Inseln im Indischen Ozean, von denen nur rund 200 bewohnt sind. Neben dem Tourismus ist die Fischerei die Haupteinnahmequellen der überwiegend muslimischen Einwohner.

Seit drei Wochen zeigten sich die politischen Spannungen in offenen Protesten gegen den Präsidenten. Zuletzt brachten meuternde Polizisten laut örtlichen Medienvertretern den staatlichen Rundfunk unter ihre Kontrolle. Die unabhängige Nachrichtenseite "Minivan News" meldete, Meuterer aus der Polizei hätten sich Demonstranten angeschlossen und den staatlichen Rundfunk übernommen.

Gewählt, gestürzt

Präsident Mohamed Nasheed befinde sich in der Hauptstadt Male unter dem Schutz der Sicherheitskräfte. Das Büro des Präsidenten teilte mit, die Regierung unternehme alles, um die Situation zu stabilisieren. Die Bevölkerung wurde zur Ruhe aufgerufen.

Die Spannungen auf den Malediven waren eskaliert, nachdem im vergangenen Monat ein Richter festgenommen wurde, der die Freilassung eines Regierungskritikers angeordnet hatte. Dem Vorsitzenden Richter Abdulla Mohamed des Strafgerichtshofs wurde Fehlverhalten und die unzulässige Bevorzugung von Oppositionsvertretern vorgeworfen. Der Oberste Gerichtshof hatte die Freilassung von Mohamed gefordert, der aber in Militärhaft blieb.

Der frühere politische Gefangene Nasheed war im November 2008 als erster demokratisch gewählter Präsident der Malediven vereidigt worden. Mit seinem Amtsantritt hatte er eine 30 Jahre währende autokratische Herrschaft auf den Malediven beendet. Sein Rücktritt macht den Weg frei für den ersten Machtwechsel unter demokratischen Bedingungen. Von Neuwahlen war allerdings bislang noch nicht die Rede.

Nach der Erstürmung des staatlichen Rundfunks schienen sich die Ereignisse kurzzeitig zu überschlagen: Ein Regierungssprecher kündigte an, Nasheed werde sich umgehend im Fernsehen äußern. Zu diesem Zeitpunkt wurde noch dementiert, der Präsident habe bereits seinen Rücktritt eingereicht. Nasheed werde sich "in Kürze an die Nation wenden", teilte ein Mitarbeiter des Präsidialamts lediglich zunächst mit. "Bis zu diesem Zeitpunkt hat er nicht die Absicht, zurückzutreten." Die Botschaft von seinem freiwilligen Rücktritt wollte Nasheed der Bevölkerung dann offenbar lieber selbst mitteilen.

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Quelle: n-tv.de

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