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Soldaten aus dem Tschad kontrollieren den Flughafen der Stadt Gao. Sie gehören zu den ersten Soldaten der afrikanischen Mission in Mali.
Soldaten aus dem Tschad kontrollieren den Flughafen der Stadt Gao. Sie gehören zu den ersten Soldaten der afrikanischen Mission in Mali.(Foto: AP)

Deutschland gibt 15 Millionen Euro: Mali sammelt Hilfsgelder ein

950 Millionen Dollar soll der afrikanische Militäreinsatz in Mali kosten. Auf einer Geberkonferenz kommt zumindest ein Teil davon zusammen. Deutschland beteiligt sich mit 15 Millionen Euro. Aber auch eine dritte Transall-Maschine wird entsandt. In Timbuktu soll es derweil zu Plünderungen gekommen sein.

Deutschland beteiligt sich mit 20 Millionen Dollar (15 Millionen Euro) am afrikanisch geführten Militäreinsatz in Mali (Afisma). Dies gab der Afrikabeauftragte des Auswärtigen Amts, Egon Kochanke, bei der großen internationalen Geberkonferenz in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba bekannt.

Die Bevölkerung feiert die malischen und französischen Truppen als Befreier.
Die Bevölkerung feiert die malischen und französischen Truppen als Befreier.(Foto: AP)

Zu dem Hilfsangebot zählt auch die Lieferung von Ausrüstung für die malische Armee,  darunter Lastwagen, Splitterschutzwesten und ein Feldlazarett. Damit ist Deutschland einer der größten Finanzgeber für die Intervention. Seit Dezember erhielt Mali aus Deutschland bereits humanitäre Hilfe im Umfang von 21 Millionen Dollar (15,6 Millionen Euro). Dazu kommt die logistische Unterstützung durch zwei Transall-Maschinen der Bundeswehr. Eine dritte Maschine soll als Reserveflugzeug auf einem französischen Militärstützpunkt in Dakar, der Hauptstadt Senegals, stationiert werden.

Der malische Übergangspräsident Dionkounda Traoré rief auf der Geberkonferenz zu "massiver Unterstützung" für seine Heimat auf. Gewalt müsse immer das letzte Mittel sein, sei aber in Mali "unvermeidlich" gewesen, da die islamischen Extremisten eine Bedrohung für die ganze Welt dargestellt hätten. Die Terroristen seien ein "gemeinsamer Feind". Insgesamt kamen 455,53 Millionen Dollar (338,6 Millionen Euro) zusammen, teilte der Friedens- und Sicherheitskommissar der Afrikanischen Union, Ramtane Lamamra, mit. Traoré dankte den Geberländern. Er hoffe, dass in seinem Land bald wieder Frieden herrsche und freie und faire Wahlen organisiert werden können. Traoré hofft, dass dies bis spätestens zum 31. Juli möglich ist. "Ich habe die Absicht, so schnell wie möglich Wahlen zu organisieren"

Die USA mit 96 Millionen Dollar (71 Millionen Euro) und Frankreich mit 47 Millionen Euro kündigten die höchsten Summen an. Die Afrikanische Union wollte sich mit 50 Millionen Dollar (37 Millionen Euro) beteiligen. Die Europäische Union gibt 50 Millionen Euro, woran Deutschland nochmals beteiligt ist. Zudem will die EU Militärausbilder entsenden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) gewährte dem Land einen Kredit von 18,4 Millionen Dollar (13,6 Millionen Euro). Viele Länder wollen humanitäre Hilfe leisten, sich jedoch nicht am Militäreinsatz beteiligen. So will Japan zusätzliche 120 Millionen Dollar für die Bekämpfung von Armut und für Vertriebene in der Sahel-Zone bereitstellen.

950 Millionen Dollar benötigt

Der Vorsitzende der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, Alassane Ouatarra, geht davon aus, dass zur Finanzierung des Afisma-Militäreinsatzes insgesamt mindestens 950 Millionen Dollar (706 Millionen Euro) benötigt werden. Mindestens 10.000 Soldaten würden benötigt, um das riesige Land aus der Hand von islamistischen Extremisten zu befreien - weit mehr als die ursprünglich geplanten 3300, fügte Ouatarra hinzu.

Ein französischer Soldat vor dem Flughafen von Timbuktu.
Ein französischer Soldat vor dem Flughafen von Timbuktu.(Foto: dpa)

"Deutschland steht zu seiner Verantwortung", erklärte der deutsche Außenminister Guido Westerwelle in Berlin. Die deutsche Hilfe trage dazu bei, "dass der Einsatz nun mehr und mehr ein afrikanisches Gesicht bekommt". Deutschland werde die Aktivitäten zur Befreiung Malis finanziell, logistisch, humanitär sowie mit Ausrüstung und Know How zur Ausbildung der malischen Armee unterstützen, sagte Westerwelle. Er fügte jedoch hinzu: "Bei aller Richtigkeit des militärischen Einsatzes müssen wir aber auch weiter mit Nachdruck darauf hinarbeiten, dass in Mali ein ernsthafter Verhandlungsprozess in Gang kommt." Langfristig könne es nur eine politische Lösung geben.

Nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen erhöht die Unterstützung des Militäreinsatzes nicht die Terrorgefahr in Deutschland. Die Sicherheitslage sei zwar angespannt, eine konkrete Bedrohung gebe es aber nicht, hieß es. Zu einem Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach Deutschland durch das Engagement in Mali einer neuen Terror-Gefahr ausgesetzt sei, hieß es weiter: "So dramatisch ist es nicht."

"Sind dabei, die Schlacht zu gewinnen"

(Foto: dpa)

Die Offensive der alliierten Truppen gegen die Islamisten im Norden Malis wird derweil nach den Worten eines malischen Armeesprechers fortgesetzt. Nach der Eroberung der Städte Gao und Timbuktu werde es weiter in Richtung Norden nach Kidal gehen, der letzten großen Stadt in Rebellenhand, sagte ein Offizier in der Hauptstadt Bamako. "Die Zeit ist günstig für die Alliierten". In der Gegend um Kidal sollen sich viele Islamisten aufhalten, die vor den Kämpfen in weiter südlich gelegenen Regionen flüchteten.

"Wir wissen, dass dies der schwierigste Teil ist, denn die Terroristen haben sich dort versteckt und können weiterhin äußerst gefährliche Operationen gegen Mali und benachbarte Länder ausführen", sagte der französische Präsident François Hollande. Er nannte den Militäreinsatz aber einen vollen Erfolg. "Wir sind dabei, die Schlacht zu gewinnen", sagte Hollande in Paris. Der Präsident lobte die Effektivität der französischen Armee und bekräftigte die Absicht, die französischen Truppen so schnell wie möglich wieder aus dem westafrikanischen Land abzuziehen.

Zunächst gehe es natürlich um die Sicherung und Kontrolle der wiedereroberten Städte und Gebiete, betonte der Offizier. Die Bevölkerung begrüßte das Ende der islamistischen Herrschaft. "Ich bin wieder frei", jubelte ein Bewohner Timbuktus. "Ich darf wieder reden, ich kann wieder machen, was ich will." Die Bevölkerung bemühte sich um eine Rückkehr zur Normalität. Allerdings gab es in Timbuktu Probleme mit der Wasser- und Nahrungsmittelversorgung. Zudem kam es zu Plünderungen. Hunderte Menschen stürmten Geschäfte und gingen dabei nach eigenen Angaben gegen Besitztümer arabischstämmiger Bewohner vor, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP. Die Menge ging gegen Läden von "Arabern", "Algeriern" und "Mauretaniern" vor, die sie als "Terroristen" bezeichnete. Sie sollen während der Besetzung Timbuktus durch islamistische Kämpfer mit diesen gemeinsame Sache gemacht haben.

Die in der afrikanischen Mali-Truppe Afisma vereinigten Streitkräfte würden weiter aufgestockt. In Gao seien Soldaten aus dem Tschad und aus Nigeria. Weitere westafrikanische Soldaten würden bald dazustoßen. Die französischen und malischen Truppen hatten in den vergangenen Tagen Gao und Timbuktu besetzt. Dabei stießen sie kaum auf Widerstand der Islamisten.

Quelle: n-tv.de

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