Politik
Marc Daniels weiß, wie Trump das Ruder noch herumreiißen könnte.
Marc Daniels weiß, wie Trump das Ruder noch herumreiißen könnte.(Foto: hvo)
Montag, 24. Oktober 2016

Mit dem Unkraut geht der Hass: Marc hat einen Tipp: So gewinnt Trump

Von Hubertus Volmer, Cleveland

Donald Trump liegt in den Umfragen zurück, weil seine Botschaft nur bei denen verfängt, die ihn ohnehin schon mögen. Ein amerikanischer Jude hat einen Ratschlag, wie der Republikaner die Stimmung drehen könnte.

Moment – dieser Mann da, der jüdische Kippas und hebräische Trump-Buttons verkauft, war doch gestern bei der Wahlkampfveranstaltung von Hillary Clinton? Was macht er jetzt hier bei Donald Trump?

Marc Daniels gibt bereitwillig Auskunft. Er hat eine Botschaft, mehr noch, eine Vision. Sie lautet: Weed out hate. Reißt das Unkraut heraus, kompostiert euren Hass.

Seine Mission ist eher spirituell als politisch. Er nutzt den Präsidentschaftswahlkampf in den USA nur als Vehikel, um auf sein Anliegen aufmerksam zu machen. Dass die Clinton-Anhänger und die Trump-Fans denken, er sei einer von ihnen, nimmt er dafür nicht nur in Kauf, er provoziert es sogar. Hier, auf einem Flughafen am Rande von Cleveland, läuft er mit einem großen Schild herum, auf dem "Juden für Trump" steht. "Das lieben die Leute", sagt er grinsend. Bei Trumps Rede ein paar Stunden später wird er von den Wahlkampfleuten so platziert, dass die Fernsehkameras ihn und sein Schild erfassen.

Rote Kippas für Trump-Anhänger, blaue für Clinton-Unterstützer.
Rote Kippas für Trump-Anhänger, blaue für Clinton-Unterstützer.(Foto: hvo)

In den 1970er-Jahren hat Marc in Deutschland Gartenbau gelernt, noch immer spricht er fließend Deutsch. Sein "Handbuch des spirituellen Gärtners" ist vor fünf Jahren bei Ullstein erschienen. Er erzählt darin eine Geschichte, die er jetzt auf diesem windigen Flugplatz vorliest. 1979 sei der deutsche Rosenzüchter Gerd Horstmann auf die Idee gekommen, dem US-Präsidenten Jimmy Carter 100 Camp-David-Rosen zu bringen. Von Washington flog Horstmann tags darauf nach Israel, um der Knesset ebenfalls einen solchen Rosenstrauß zu schenken. "Das war eine Geste des Gedenkens, des guten Willens und des Friedens", liest Marc vor.

Obama war nicht interessiert

Von dieser Geschichte inspiriert, träumt Marc davon, im Garten des Weißen Hauses einen Birnbaum zu pflanzen, der von Unkraut umgeben ist. Kinder aus aller Welt sollten dieses Unkraut dann ausreißen. "Denn jedes Mal, wenn jemand ein Unkraut mit der richtigen Absicht jätet, bessert sich die Seele dieses Menschen", so Marc.

"Aber Barack Obama war nicht interessiert", sagt er. "Ich habe daher auf den richtigen Kandidaten gewartet." Und das ist Trump.

Wie bitte? Ausgerechnet Trump? Marc lächelt schon wieder. Trump habe so viel Hass verbreitet, dass er genau der Richtige wäre. Zudem habe er die Autorität, seinen Anhängern zu sagen: Vertraut mir, wir gehen zusammen in den Central Park in New York und reißen den Hass aus. Christen, Muslime, Juden, alle zusammen. Trump habe eigentlich gar keine andere Wahl, als dieses Projekt umzusetzen. Denn im Moment sei klar, dass er die Wahlen verlieren wird. Mit dieser spektakulären Aktion könnte er schlagartig alles verändern. Um das Land zu versöhnen? "Um sich selbst zu versöhnen, um den Hass, den er hervorgebracht hat, zu kompostieren, um die die Bevölkerung zu heilen."

(Foto: hvo)

Marc hat schon mehrfach mit Trump gesprochen, an Absperrungen am Rande von Wahlkampfveranstaltungen. Auch mit Clinton – ihr hat er gestern eine Kippa überreicht, als sie in Cleveland aufgetreten ist. In die Kippas ist seine Botschaft eingenäht: "Muslime, Christen und Juden jäten zusammen Hass im Central Park in New York".

Trumps schwarzer Pastor ist interessiert

Aber Clinton wäre die Falsche für die Sache im Central Park, sagt Marc. Mit ihr wäre die Aktion nicht so eindrucksvoll, weil ihre Botschaft nicht der Hass ist. Außerdem hätten die Demokraten kein so enges Verhältnis zur Religion. "Sie sprechen nicht gerne über individuelle Religiosität, um niemanden auszugrenzen. Sie sprechen lieber über Ethik." Marc hält davon nicht so viel. "Was für den einen Ethik ist, ist für den anderen ein Verbot."

In Deutschland hatte Marc übrigens Schwierigkeiten, sein Projekt an den Mann zu bringen. Unkraut habe dort keinen so schlechten Ruf. Zugleich fühlten sich manche Deutsche an die Sprache der Nazis erinnert, wenn "Unkraut" als Metapher verwendet wird.

Für Marc ist Unkraut jedoch ein Sinnbild im Sinne der jüdischen Kabbalisten: Gott hat das Unkraut, wie auch den Hass, geschaffen, damit wir es ausreißen.

Marcs Vision ist harte Arbeit. Hier auf dem Flughafen, wo die Leute stundenlang in der Kälte warten, um Trump zu sehen, finden viele zwar gut, dass ein Jude Trump zu unterstützen scheint. Aber so genau wollen sie es dann doch nicht wissen.

Aber er hat Glück. In einer E-Mail erzählt Marc nach der Veranstaltung, dass er es geschafft habe, kurz mit Trump zu sprechen, insgesamt war es das vierte Mal. "Er hat sich an mich erinnert. 'Hey Mann, wie geht's?', sagte er." Marc erzählte Trump, dass er mit dem jüdischen Milliardär Sheldon Adelson über sein Projekt gesprochen habe. Trump habe geantwortet, dass Adelson ein guter Mann sei. "Das war seine Art, mir auf höfliche Art zu sagen, dass er nicht interessiert ist."

Die Hoffnung gibt Marc trotzdem nicht auf, dafür ist seine Idee einfach zu gut. In Cleveland hat er mit Darrell Scott gesprochen, einem schwarzen Pastor aus Cleveland, der Trump unterstützt. Ihm hat Marc von seinem Plan erzählt und ihm eine Kippa für Trump gegeben. Scott habe sofort verstanden, dass der Plan eine gute Gelegenheit für Trump sei – vor allem, um Wählerinnen auf seine Seite zu ziehen, eine Gruppe, bei der Trump noch Luft nach oben hat. "Ich glaube, Scott wird ihn überzeugen."

Quelle: n-tv.de

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