Politik
Die Atomtests in den 40er und 50er-Jahren ärgern die Marshall-Inseln bis heute.
Die Atomtests in den 40er und 50er-Jahren ärgern die Marshall-Inseln bis heute.

Pazifikstaat warnt vor Wettrüsten: Marshallinseln klagen gegen Atommächte

Die Marshallinseln bemühen den internationalen Strafgerichtshof. Ihr Anliegen: Durch Atombombentests seien mehrere Inseln zerstört worden. Die Klage richtet sich gegen Großbritannien, Indien und Pakistan - die USA profitieren von einer juristischen Ausnahme.

Die Regierung der Marshallinseln hat bei einer Anhörung vor dem Internationalen Strafgerichtshof vor den verheerenden Folgen eines nuklearen Wettrüstens gewarnt. Durch Atombombentests in den 40er und 50er Jahren seien mehrere Inseln seines Landes zerstört worden, sagte Regierungsvertreter Tony deBrum in Den Haag. "Andere sind für tausende Jahre unbewohnbar." Der kleine Pazifikstaat strengt vor dem UN-Gericht einen Prozess gegen die Atommächte Großbritannien, Indien und Pakistan an.

So schön ist es auf den Marshallinseln.
So schön ist es auf den Marshallinseln.(Foto: imago stock&people)

Die Marshallinseln werfen den drei Ländern vor, ihre Verpflichtung zur nuklearen Abrüstung aus dem Atomwaffensperrvertrag nicht einzuhalten. Der Internationale Strafgerichtshof prüft nun in den kommenden Tagen, ob es die Klagen gegen London, Neu Delhi und Islamabad weiter verfolgt. DeBrum erinnerte bei der Anhörung in Den Haag unter anderem an die Explosion der US-Wasserstoffbombe "Castle Bravo" im Jahr 1954, die er damals als kleiner Junge aus 200 Kilometern Entfernung miterlebt habe. "Der ganze Himmel färbte sich blutrot", sagte deBrum.

Tote, Krebserkrankungen und missgebildete Menschen

Die Bombe hatte eine Sprengkraft von 15 Megatonnen - und damit die tausendfache Wirkung des Atombombenabwurfs auf Hiroshima im Zweiten Weltkrieg. "Viele starben, erlitten Missbildungen oder erkrankten an Krebs", erklärte der Regierungsvertreter. Nach Angaben der Marshallinseln nahmen die USA zwischen 1946 und 1958 insgesamt 67 Atomwaffentests in dem Inselstaat vor. Teile des Bikini-Atolls, das zu den Marshallinseln gehört, sind bis heute unbewohnbar.

Ursprünglich wollten die Marshallinseln insgesamt neun Atommächte, unter ihnen die USA, vor den Strafgerichtshof bringen. Doch das Gericht ließ nur die Fälle gegen Großbritannien, Indien und Pakistan zu. Da die US-Regierung dem UN-Gericht nicht beigetreten ist, kann das Gericht gegen Washington nicht aktiv werden.

Quelle: n-tv.de

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