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Politik

Freitag, 28. Oktober 2005

Iran ruft Mob auf die Straße: Massendemos gegen Israel

Tausende Iraner haben am Freitag landesweit an Demonstrationen zur Unterstützung der Palästinenser und der anti-israelischen Politik ihres Landes teilgenommen.

"Tod Israel" und "Tod Amerika" riefen die Menschen, die sich an neun Stellen in der Hauptstadt Teheran zu einem Sternmarsch versammelten. Sie verbrannten israelische und amerikanische Flaggen oder traten sie mit Füßen. Die Regierung hatte zu den Demonstrationen aus Anlass des Jerusalem-Tags aufgerufen, der im Iran jedes Jahr zum Ende des Fastenmonats Ramadan begangen wird. Die iranische Führung war fast vollständig bei dem Protest vertreten, darunter auch Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der vor zwei Tagen zur Zerstörung Israels aufgerufen hat. Die Äußerungen haben weltweit Empörung ausgelöst und auch zu Druck von Seiten des engen iranischen Verbündeten Russland auf die Islamische Republik geführt.

"Ahmadinedschad spricht im Namen aller Iraner. Wir sind bereit, für Palästina zu sterben", sagte der 25-jährige Mohammed Mirsaji, Mitglied der Miliz Basidschi, die im Iran konservative islamische Regeln wie die Verschleierung von Frauen durchsetzt. Viele Mitglieder der Miliz -Frauen und Männer -nahmen in Tarn-Uniformen an den Demonstrationen teil oder trugen als Symbol für ihre Bereitschaft zu Selbstmordattentaten weiße Totenhemde. "Palästina, Palästina, wir unterstützen Dich", rief die Menge.

Ahmadinedschad hatte in seiner Rede die Erwartung geäußert, dass eine neue Welle palästinensischer Gewalt Israel von der Landkarte tilgen werde. Der Iran spricht Israel das Existenzrecht ab. Die Unterstützung der Palästinenser gehört zu den zentralen Grundsätzen seiner Außenpolitik. Die Regierung in Teheran weist aber Vorwürfe zurück, sie rüste gewalttätige Palästinenser-Gruppen mit Waffen aus und bilde deren Kämpfer aus.

Ziel des Demonstrationszuges war die Teheraner Universität und ein Massengebet der Demonstranten. Die erz-konservativen Medien des Landes hatten in der vergangenen Woche gezielt anti-israelische Gefühle geschürt, um eine große Teilnehmerzahl zu sichern.

Annan fährt nach Teheran

Nach dem Aufruf des neuen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zur Vernichtung Israels hat UN-Generalsekretär Kofi Annan einen Besuch in Teheran angekündigt.

Er habe schon vor der Rede von Ahmadinedschad vorgehabt, "in den kommenden Wochen" in den Nahen Osten zu reisen und dort unter anderem mit der Regierung Irans Gespräche zu führen. Er werde in Teheran bekräftigen, dass alle Länder in der Region das Recht haben, friedlich, in sicheren und anerkannten Grenzen sowie ohne Gewaltandrohungen zu leben.

In der am Donnerstag in New York verbreiteten Erklärung eines Sprechers von Annan hieß es, der Generalsekretär habe seine "Bestürzung" über die berichteten Äußerungen Ahmadinedschads bekundet. In der UN-Charta hätten sich alle Mitgliedstaaten verpflichtet, die territoriale Integrität oder Unabhängigkeit eines Staates nicht mit Gewalt zu bedrohen.

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