Luftschlag mit 27 toten ZivilistenMcChrystal entschuldigt sich
Nach dem verheerenden Luftschlag, der 27 afghanische Zivilisten getötet hat, drückt ISAF-Befehlshaber McChrystal der Bevölkerung persönlich sein Bedauern aus. Ich habe eine gründliche Untersuchung in Gang gesetzt, um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert", sagt er in einer Videobotschaft.
Nach dem Tod von zahlreichen Zivilisten bei einem Luftschlag in Südafghanistan hat sich der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe ISAF persönlich beim afghanischen Volk entschuldigt. "Ich habe eine gründliche Untersuchung in Gang gesetzt, um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert", sagte US-General Stanley McChrystal in einer Videobotschaft. "Wir sind zutiefst betrübt über den tragischen Verlust unschuldigen Lebens. Ich habe unseren Truppen klar gemacht, dass wir hier sind, um die Afghanen zu schützen."
Nach Angaben der afghanischen Regierung sind bei dem ISAF-Luftschlag am Sonntag in der Provinz Dai Kundi 27 Zivilisten getötet worden, darunter vier Frauen und ein Kind. "Ich habe mit Präsident Hamid Karsai gesprochen und mich bei ihm und dem afghanischen Volk entschuldigt", sagte der Kommandeur der NATO-geführten ISAF in der Ansprache, die in die Landessprachen Dari und Paschtu übersetzt wurde. Er verpflichte sich dazu, die Anstrengungen zu verstärken, um das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen, und spreche den Opfern und ihren Familien sein tiefstes Mitgefühl aus.
Gespräch mit Karsai
Der Präsidentenpalast teilte mit, McChrystal sei am Montagabend bei Karsai vorstellig geworden und habe sich für den Tod der Zivilisten entschuldigt. Der General habe Karsai über die "Gründe und technischen Fehler" informiert, die zu dem Vorfall geführt hätten. "Der Präsident verurteilte den Angriff scharf und erinnerte den NATO-Kommandeur daran, dass zivile Opfer ein wesentliches Hindernis für effektive Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus sind und gestoppt werden müssen."
Überall Bedauern
Auch NATO-Generalsektretär Anders Fogh Rasmussen entschuldigte sich offiziell und drückte Präsident Karsai sein "tiefstes Beileid für den tragischen Verlust unschuldiger afghanischer Leben in jüngsten Militäroperationen" aus. Rasmussen sagte, die NATO sei in dem Land, um die dortige Bevölkerung zu schützen und werde weiterhin alles dafür tun, um die Zahl der zivilen Opfer auf das absolute Minimum zu reduzieren.
US-Generalstabschef Michael Mullen erklärte: "Ich spreche nicht nur den Angehörigen der Getöteten mein tiefstes Beileid aus, sondern dem gesamten afghanischen Volk sowie allen Verwandten und Freunden all derer, die bislang im Rahmen dieser Operation verwundet oder getötet worden sind", sagte Mullen. Das gelte für Afghanen wie die westlichen Alliierten. Der neuerliche Tod von Zivilisten zeige wieder, wie gefährlich und tragisch jeder Schritt der Koalitionstruppen dort sein könne.
Ein niederländischer Militärsprecher betonte in Den Haag, niederländische Flugzeuge hätten den Luftangriff in Dai Kundi nicht geflogen. Die Niederlande haben das ISAF-Kommando in der benachbarten Provinz Urusgan und haben auf der Basis in Kandahar Kampfflugzeuge stationiert. Der Sprecher sagte, zu dem Vorfall sei es in der Nähe von zwei US-Stützpunkten gekommen. Zwölf Verletzte würden im niederländischen Camp in Urusgans Hauptstadt Tarin Kowt behandelt. In den Niederlanden war die Regierungkoalition am Wochenende im Streit um den Einsatz in Urusgan zerbrochen.
Hunderte tote Zivilisten
Seit Beginn der Großoffensive in Helmand am 13. Februar wurden bei der Operation nach Angaben der ISAF 13 ausländische Soldaten getötet. Seitdem starben außerdem zehn weitere ISAF-Soldaten bei Vorfällen, die nicht im Zusammenhang mit "Muschtarak" standen. Angaben zu Opfern unter den Taliban oder der afghanischen Armee liegen nicht vor. Die Operation "Muschtarak" gegen die Aufständischen in Helmand ist die bislang größte Offensive seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. Insgesamt sind daran 15.000 afghanische und ausländische Soldaten beteiligt. Mit der Operation sollen die Taliban aus zwei Distrikten in Helmand vertrieben werden.
Im vergangenen Jahr hatte der Konflikt in Afghanistan mehr Zivilisten das Leben gekostet als je zuvor seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. Die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) hatte im vergangenen Monat mitgeteilt, 2009 sei die Zahl der getöteten Unbeteiligten verglichen mit dem Vorjahr um 14 Prozent auf 2412 gestiegen. Aufständische wie die Taliban seien für rund zwei Drittel (67 Prozent) dieser Toten verantwortlich gewesen. 25 Prozent der zivilen Opfer hätten Militäroperationen und dabei vor allem Luftangriffe verursacht. Die restlichen acht Prozent ließen sich keiner Konfliktpartei zuordnen.