Politik

Bevölkerung unter BeschussMehr als 1000 Tote

21.04.2009, 12:06 Uhr

Die Kämpfe zwischen Armee und Rebellen im Norden Sri Lankas verschärfen sich – beide Seiten beschuldigen sich, dabei Zivilisten als Schutzschilde zu missbrauchen.

Im Nordosten Sri Lankas kommt es offenbar zu schweren Gefechten zwischen den verbliebenen Tamilen-Rebellen und der Armee des Landes. Nach Angaben des Militärs fliehen Zehntausende Zivilisten aus dem Rückzugsgebiet der Rebellen, das ungefähr 17 Quadratkilometer umfasst. Die Regierung hat den Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) 24 Stunden Zeit gegeben, sich zu ergeben. Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe.

Nach Angaben der Tamilen-Rebellen sind beim Beschuss durch die Armee binnen eines Tages mehr als 1000 Zivilisten in dem Gebiet getötet worden. Die LTTE teilten mit, knapp 2300 weitere Menschen seien verletzt worden. Die Soldaten missbrauchen nach ihren Angaben tamilische Zivilisten als menschliche Schutzschilde und zur Räumung von Minen. Wer sich dem widersetze, werde erschossen. Regierung und Armee seien "ernster Kriegsverbrechen" schuldig. Das Militär beschuldigt seinerseits die LTTE, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Vereinte Nationen alarmiert

Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF befinden sich Zehntausende Kinder unter den eingeschlossenen Flüchtlingen in akuter Lebensgefahr. UNICEF befürchtet, dass sich die Lage der Zivilbevölkerung weiter verschlechtert. „Wenn die Kämpfe weitergehen und Flüchtlinge von der LTTE am Verlassen der Konfliktzone gehindert werden, werden noch mehr Kinder sterben müssen“, sagte Dan Toole, Regionaldirektor für Südasien. UNICEF unterstützt die Versorgung von mittlerweile rund 100.000 Flüchtlingen, die vor den Kämpfen zum Teil in Notaufnahmelager fliehen konnten.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass im Kampfgebiet immer noch mehr als 100.000 Menschen zwischen den Fronten der Regierungstruppen und den Rebellen der LTTE auf einem nur 14 Quadratkilometer kleinen Küstenstreifen eingeschlossen sind. 35.000 Menschen sind nach UN-Angaben bereits geflohen.

Ultimatum verstrichen

Die LTTE ließ das von der Regierung gestellte 24-Stunden-Ultimatum inzwischen verstreichen, ohne zu kapitulieren. Die Rebellen und ihr Anführer Velupillai Prabhakaran hätten auf die "letzte Frist" nicht reagiert, teilte das Militär mit. Die Soldaten seien weiter auf das letzte von den Rebellen kontrollierte Gebiet an der Nordostküste vorgedrungen.

Armeesprecher Udaya Nanayakkara sagte, bereits am Montag seien 39.081 unbeteiligte Zivilisten über See und über Land aus dem von der LTTE kontrollierten Gebiet geflohen, mehr als je zuvor. Nach Geheimdienstinformationen halte sich LTTE-Chef Prabhakaran immer noch im Kampfgebiet auf. Die Regierung wirft den Rebellen vor, die Zivilisten gewaltsam an der Flucht aus dem Kampfgebiet zu hindern. Das Militär verweigert aber unabhängigen Journalisten und Beobachtern den Zugang zum Kampfgebiet. Die widersprüchlichen Informationen der Regierung und der LTTE lassen sich daher nicht überprüfen.

Regierung drängt auf Sieg

Präsident Mahinda Rajapakse hatte bereits Anfang Februar einen Sieg über die LTTE innerhalb von Tagen vorausgesagt. Die LTTE, die auch in der EU auf der Liste der Terrororganisationen steht, kämpft seit 1983 für einen eigenen Staat der tamilischen Minderheit in Sri Lanka. Sri Lankas Armee hat die Tamilen-Rebellen, die einst weite Teile der Insel kontrollierten, auf einen kleinen Streifen Land im Nordosten zurückgedrängt. Die Rebellen kritisieren, die Armee beschieße die Gegend, ohne Rücksicht auf Unbeteiligte zu nehmen.