Politik
Video

Bauern retteten zwei Insassen: Mehrere Armeen lassen A400M am Boden

Der Flug dauert nur Minuten: In Sevilla stürzt eine Militärmaschine A400M ab. Vier Menschen verlieren ihr Leben. Spanien will maximale Transparenz bei den Ermittlungen. Für den Konzern ist das Unglück ein weiterer herber Dämpfer.

Nach dem Absturz eines Militär-Transportflugzeugs vom Typ Airbus A400M mit vier Toten in Spanien verlangt die Regierung in Madrid eine lückenlose Aufklärung des Unglücks. "Das Beste ist, wenn die Verantwortlichen von Airbus der Öffentlichkeit berichten, was geschehen ist", sagte Ministerpräsident Mariano Rajoy. Am Sonntag wurden die beiden Flugschreiber der Maschine gefunden, wie die Regierung mitteilte. Der Flugdatenschreiber und der Stimmrekorder sind für die Aufklärung des Absturzes essenziell.

Das Unglück in Sevilla am Samstagmittag war der erste Absturz eines A400M. Die viermotorige Turboprop-Maschine gilt als eines der modernsten militärischen Transportflugzeuge der Welt. 

Angesichts des Unglücks und der Vielzahl offener Fragen lässt die Bundeswehr ihre erste und bislang einzige A400M vorerst am Boden. Das entschied der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner. Demnach soll das Flugzeug mindestens so lange nicht mehr verwendet werden, bis die Ursache für den Absturz in Spanien geklärt ist. Auch die Türkei  - für die die Unglücksmaschine bestimmt war - und Großbritannien stoppten ihre Testflüge.

Nur Frankreich, das seine sechs neuen Transporter schon bei mehreren Auslandseinsätzen nutzt, stoppt seine Flotte nicht. Dafür gebe es "derzeit keinen Grund", sagte Luftwaffensprecher Jean-Pascal Breton. Später präzisierte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian bei einem Besuch in Lorient, dass nur "extrem wichtige" Einsätze stattfinden würden.

Vier Tote, zwei Schwerverletzte

Bilderserie

Die brandneue Maschine war um 12.45 Uhr am Airbus-Werk in Sevilla für einen Testflug gestartet. Nur rund eine Viertelstunde später sei es zerschellt, teilte der Hersteller Airbus mit. Sie war auf ein Feld gestürzt und in Flammen aufgegangen. Zur Ursache des Unglücks gab es zunächst keine Angaben. "Wir können nicht genau sagen, was passiert ist", sagte Rajoy. Der Konzern erklärte, ein Ermittlungsteam sei zur Absturzstelle geschickt worden. Die Maschine sollte an den NATO-Partner Türkei ausgeliefert werden.

Bei dem Unglück waren vier der sechs spanischen Besatzungsmitglieder getötet worden. Die beiden anderen konnten aus den brennenden Trümmern gerettet werden und sind schwer verletzt, wie der Präfekt von Andalusien, Antonio Sanz, bekanntgab. Ihnen waren drei Bauern zu Hilfe geeilt und bargen sie aus der Maschine. Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy lobte die Retter als Helden.

Die sechs Insassen arbeiteten für den Hersteller Airbus Defense & Space. Nach dessen Angaben setzte die Besatzung kurz vor dem Absturz einen Notruf ab. Das spanische Verkehrsministerium leitete eine Untersuchung ein.

Später, teurer und nur beschränkt verwendbar

In Sevilla werden die Transportflugzeuge montiert und getestet, ehe sie an die Luftstreitkräfte diverser Staaten übergeben werden. Airbus hat den A400M bislang an fünf Staaten ausgeliefert: Großbritannien, Malaysia, Deutschland, Frankreich und die Türkei. Deutschland hat insgesamt 53 Maschinen bestellt. Der A400M zählt zu den Pannen-Projekten der Bundeswehr. Die Entwicklung der Militärmaschine hatte sich um Jahre verzögert. Außerdem ist das Flugzeug teurer geworden als zunächst geplant.

Für den Konzern bedeutet der Absturz einen herben Rückschlag beim A400M-Programm. Als das größte gemeinsame Verteidigungsprojekt in Europa war der Flieger für 20 Milliarden Euro entwickelt worden. Er soll von den Luftwaffen in Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Belgien, Luxemburg und der Türkei genutzt werden.

Spannungen zwischen Bund und Konzern

Die Maschine war 2013 mit einer Verzögerung von drei Jahren in den Dienst gestellt worden - Deutschland hatte Ende vergangenen Jahres die erste Maschine erhalten. Anfangs hatten beim Bau des von europäischen Truppen heiß ersehnten Transporters vor allem die Turboprop-Triebwerke Probleme gemacht. Zuletzt konnte Airbus Insidern zufolge nicht genügend Rümpfe für das Modell fertigstellen.

Ende April stellte Airbus-Rüstungschef Bernhard Gerwert in Aussicht, dass der Bundeswehr in diesem Jahr zwei bis vier der dringend benötigten Maschinen geliefert werden können. Eigentlich sollten 2015 fünf A400M an die deutschen Streitkräfte gehen, wegen neuerlicher Lieferverzögerungen hatte zuletzt jedoch nur noch die Auslieferung einer Maschine als sicher gegolten. Dies sorgte auch für Spannungen zwischen Airbus und der Bundesregierung. Insgesamt plant Airbus nach den Worten Gerwerts dieses Jahr die Auslieferung von 14 bis 18 A400M. Anfang des Jahres hatte Airbus das Programm neu aufgestellt und den Chef seiner Sparte Militärflugzeuge geschasst.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen