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Palästinensische Demonstranten gehen in Deckung, nachdem israelische Soldaten auf den Golanhöhen das Feuer eröffnet haben.
Palästinensische Demonstranten gehen in Deckung, nachdem israelische Soldaten auf den Golanhöhen das Feuer eröffnet haben.(Foto: dpa)

Israel am "Naksa-Tag": Mehrere Palästinenser erschossen

Bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten kommen offenbar 20 Palästinenser ums Leben. Hunderte werden nach syrischen Angaben verletzt. Die Männer erstürmen die Golanhöhen, um an den Ausbruch des Sechs-Tage-Kriegs vor 44 Jahren zu erinnern. Auch im Westjordanland kommt es zu Unruhen, bei denen mehrere Menschen verletzt werden.

Bei dem Versuch, die von Israel kontrollierte Grenze auf den besetzten Golanhöhen zu überrennen, sind mindestens 20 Palästinenser und Syrer erschossen worden. Wie syrische Medien berichteten, wurden etwa 325 weitere Menschen verletzt, als israelische Soldaten am sogenannten "Naksa"-Tag das Feuer auf die pro-palästinensischen Demonstranten eröffneten. Erst am Abend habe sich die Lage beruhigt, teilte ein Sprecher der israelischen Armee mit.

Israelisches Militär geht mit Tränengas gegen  Demonstranten vor.
Israelisches Militär geht mit Tränengas gegen Demonstranten vor.(Foto: AP)

Auch im Westjordanland wurden bei Protesten am Kalandia-Übergang zwischen Ramallah und Jerusalem etwa 40 Menschen verletzt. Schon im Mai hatte es dort schwere Zusammenstöße gegeben. Am "Naksa"-Tag erinnern die Palästinenser an die Eroberung des Westjordanlands, des Gazastreifens und Ost-Jerusalems und auch der Golanhöhen durch Israel während des Sechstagekriegs von 1967. Naksa bedeutet Rückschlag.

Zuletzt hatte es vor drei Wochen mehr als ein Dutzend Tote und Hunderte Verletzte gegeben, als palästinensische Demonstranten anlässlich des Jahrestages des Staatsgründung Israels von Libanon aus die Grenze nach Israel und von Syrien aus die Grenze zu den israelisch besetzten Golanhöhen stürmten.

Auf die Beine geschossen

Hunderte Demonstranten, darunter viele in Syrien lebende palästinensische Flüchtlinge, hatten sich wieder auf der syrischen Seite der schwer bewachten Grenze versammelt. Auf israelischer Seite schlossen sich die Bewohner des drusischen Dorfes Madschdal Schams dem Protest an. Als Dutzende Demonstranten mit palästinensischen Fahnen von Syrien aus auf die Grenzlinie zu marschierten, eröffneten israelische Soldaten das Feuer.

Auch die Kalandia-Militärsperre im Westjordanland war Ziel der Proteste.
Auch die Kalandia-Militärsperre im Westjordanland war Ziel der Proteste.(Foto: AP)

Das israelische Militär bestätigte den Waffeneinsatz. Die Soldaten hätten auf die Beine der Demonstranten geschossen, die die Grenzanlage durchbrechen wollten. Ansonsten seien die Soldaten mit Tränengas und anderen nicht-tödlichen Anti-Demonstranten-Waffen ausgestattet worden. Außerdem habe man sie über Lautsprecher aufgefordert, der Grenze fernzubleiben, und auch auf arabisch davor gewarnt, auf den Sperrzaun zu klettern. "Wer die israelische Souveränität verletzt, setzt sein Leben aufs Spiel", sagten israelische Soldaten per Lautsprecher.

Unruhen im Westjordanland

Am Kalandia-Übergang bei Ramallah bewarfen junge palästinensische Demonstranten nach Augenzeugenberichten israelische Soldaten mit Steinen und zündeten Reifen an. Die Soldaten setzten Tränengas und Gummigeschosse ein. Mindestens 40 Menschen wurden verletzt. Zahlreiche Soldaten hinderten die Demonstranten, darunter mehr als 100 pro-palästinensische Aktivisten aus aller Welt, daran, die Sperre zu durchbrechen. Zu Unruhen, Steinewürfen und Schüssen kam es auch bei einem palästinensischen Marsch zur israelischen Siedlung Elon More.

In Tel Aviv demonstrierten angeblich etwa 10.000 linksorientierte Israelis für einen Palästinenserstaat.
In Tel Aviv demonstrierten angeblich etwa 10.000 linksorientierte Israelis für einen Palästinenserstaat.(Foto: AP)

Im Libanon war dagegen von der israelischen Ortschaft Avivim aus "keine Menschenseele zu sehen", wie ein Radioreporter berichtete. Die libanesische Armee habe zusammen mit der UNIFIL Stellung bezogen und Busse mit palästinensischen Demonstranten schon beim Litani-Fluss zum Umkehren gezwungen. Die libanesische Armee richtete ein mehrere Kilometer tiefes "militärisches Sperrgebiet" ein, um eine Wiederholung der blutigen Proteste vor drei Wochen mit mehreren Toten zu vermeiden.

Proteste verschärft

Die Palästinenser haben vor der geplanten Gründung eines eigenen Staates im September die Proteste gegen Israel erheblich verschärft. Die Palästinenserbehörde will dann die Vereinten Nationen um Unterstützung für die angestrebte Staatsgründung bitten. Einige Palästinenserorganisationen rufen über soziale Netzwerke seit Monaten zu einem neuen Aufstand gegen die israelische Besatzung auf.

Am Samstag hatten Dutzende Palästinenser aus dem Gazastreifen den erst vor einer Woche geöffneten Grenzübergang zu Ägypten gestürmt. Auslöser der Proteste war eine von Ägypten nicht angekündigte vorübergehende Schließung der Grenzabfertigung in Rafah. Der Hamas-Grenzpolizeichef Salama Baraka sagte, der Grund für die Schließung seien nicht angekündigte Renovierungsarbeiten auf der ägyptischen Seite gewesen. Die radikalislamische Hamas hielt daraufhin auch ihre Seite der Grenze geschlossen.

In Tel Aviv demonstrierten am Samstagabend tausende linksorientierter Israelis für eine Zwei-Staaten-Lösung in Nahost. Etwa 5000 Menschen nahmen an dem Marsch vom zentralen Rabin-Platz bis zu einer Kundgebung auf dem Museumsplatz teil. "Bibi, erkenne die Palästinenser an", hieß es auf einem der Schilder an die Adresse des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Quelle: n-tv.de

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