Politik
Nach wie vor kommen täglich Menschen über die Ägäis nach Griechenland.
Nach wie vor kommen täglich Menschen über die Ägäis nach Griechenland.(Foto: dpa)

Wird Flüchtlingsstrom reduziert?: Mehrheit ist skeptisch bei Hilfe durch Türkei

Mehr als 140.000 Menschen kamen in diesem Jahr bereits über die Ägäis in die EU. Das ergeben UN-Zahlen. Ob sich diese Zahlen künftig verringern, hängt auch von der Türkei ab. Die Deutschen vertrauen laut einer Umfrage wenig auf deren Hilfe.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerkes UNHCR haben vom Beginn des Jahres bis zum 13. März 143.205 Flüchtlinge und Migranten von der Türkei zu den griechischen Inseln übergesetzt. Zum Vergleich: In den ersten drei Monaten des Vorjahres waren knapp 12.500 Migranten gekommen. 38 Prozent der Asylsuchenden seien Minderjährige und 22 Prozent Frauen, teilte das UN-Hilfswerk weiter mit. Demnach stammen 48 Prozent der Menschen aus Syrien.

Video

Ob sich die Zahlen künftig verringern, ist unklar. Eine große Mehrheit der Deutschen hat zumindest laut einer Umfrage wenig Vertrauen in die Hilfe der Türkei bei der Reduzierung des Flüchtlingsstroms. Demnach halten 71 Prozent diese Erwartung für unrealistisch. Nur 21 Prozent glauben, dass es gelingt, mit Unterstützung der Türkei den Flüchtlingszuzug zu begrenzen. Das ergab eine Erhebung des YouGov-Instituts für die Deutsche Presse-Agentur.

Die von Ankara als Gegenleistung geforderten sechs Milliarden Euro halten nur 20 Prozent der Befragten für gerechtfertigt. 67 Prozent meinen, diese Summe sei nicht angemessen. Auf einem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel wird erneut mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu über die Milliardenforderung verhandelt.

Gegen schnellen EU-Beitritt

Große Skepsis gibt es auch beim Wunsch der Türkei, die Beitrittsverhandlungen mit der EU zu beschleunigen: Nur 4 Prozent sind der Meinung, dass die Türkei zügig in die EU aufgenommen werden sollte. 38 Prozent meinen, dass davor noch weitere Anforderungen erfüllt werden müssten. Praktisch jeder Zweite (49 Prozent) sagt, dass die Türkei gar nicht in die EU gehöre. Auch die von der Türkei geforderten Reiseerleichterungen für ihre Bürger werden von einer großen Mehrheit abgelehnt: 70 Prozent der Befragten sind dagegen, dass Türken ohne Visum in die EU einreisen können. Nur 18 Prozent sind dafür.

Kanzlerin Angela Merkel versuchte noch einmal, Bedenken gegen die angestrebte Zusammenarbeit mit der Türkei in der Flüchtlingspolitik zu zerstreuen. "Die Türkei muss alle Bedingungen erfüllen, da gibt es keine Abstriche", sagte sie Kanzlerin am Montag in Berlin. Die Gespräche mit der Türkei über den Schutz der Außengrenzen seien nicht mit einem "Ja zur Mitgliedschaft in der Europäischen Union verbunden". Auch für die von Ankara gewünschten Erleichterungen bei der Visumspflicht gelte, dass "alle Bedingungen wirklich erfüllt" sein müssten.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen