Die Botschaft der Barmer: Eine Pflegereform im Schneckentempo kann Deutschland sich nicht leisten.
(Foto: dpa)
Dienstag, 29. November 2011
"Reform kommt zu langsam": Mehrzahl der Frauen wird Pflege brauchen
Drei von vier Frauen dürften im Alter pflegebedürftig werden, immer mehr Menschen sterben im Krankenhaus oder im Pflegeheim, die Zahl der Demenzerkrankungen nimmt ebenfalls zu: Auf der Basis solcher Entwicklungen fordert die Barmer eine schnelle Pflegereform. Minister Bahr verwahrt sich gegen Zeitdruck.Die Hälfte aller Männer und Dreiviertel aller Frauen über 30 müssen damit rechnen, im Laufe ihres Lebens pflegebedürftig zu werden. Das ist das Ergebnis des Pflegereports der Barmer GEK. Ein weiteres Ergebnis: Immer mehr Menschen sterben in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. 2009 waren es 70 Prozent der gestorbenen über 30-Jährigen. Im Jahr 2000 lag die Quote bei 65 Prozent.
Angesichts dieser Entwicklungen könne sich Deutschland Reformen der Pflegeversicherung "im Schneckentempo" nicht länger leisten, mahnte der stellvertretende Barmer-Chef Rolf-Ulrich Schlenker.
Laut der vom Bremer Zentrum für Sozialpolitik erstellten Studie nahm die Zahl der Pflegebedürftigen von 1999 bis 2009 um 16 Prozent auf 2,4 Millionen Menschen zu - allein seit 2007 um 4,1 Prozent. Ursache sei die Alterung der Bevölkerung. Fünf Prozent der 80-Jährigen und 20 Prozent der 90-Jährigen würden innerhalb eines Jahres pflegebedürftig.
Vor allem die zunehmenden Demenzerkrankungen stellen die Pflegeversicherung vor besondere Herausforderungen. Die Betreuungsleistungen für "Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz" würden zu 58 Prozent vor allem von Altersverwirrten in Anspruch genommen, zu 42 Prozent von geistig Behinderten und psychisch Erkrankten. Den Bremer Forschern zufolge sind die Ausgaben dafür von 2002 bis Ende 2010 von 2,4 Millionen Euro auf 65,5 Millionen Euro gestiegen.
Gesundheitsminister Daniel Bahr verwahrte sich gegen Zeitdruck. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff sei nicht von heute auf morgen einzuführen, sagte der FDP-Politiker. Dass es bei einer Umstellung zudem nicht nur Gewinner gebe, sei allen Beteiligten klar.
Im Vorgriff des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs sollen Demenzkranke und pflegende Angehörige durch zusätzliche Leistungen im Umfang von 1,1 Milliarden Euro unterstützt werden. Dazu soll ab 2013 der Beitragssatz um 0,1 Prozentpunkte steigen.
rts
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