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Über die Zustände in den türkischen Gefängnissen sickern nur dürftige Informationen durch.
Über die Zustände in den türkischen Gefängnissen sickern nur dürftige Informationen durch.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Donnerstag, 12. Oktober 2017

Misshandlungen in Gefängnissen: Menschenrechtler kritisieren Folter in Türkei

Folter und Misshandlungen von Häftlingen sollen in türkischen Gefängnissen keine Seltenheit sein. Dafür gibt es immer mehr Beweise. Die Regierung in Ankara weist jedoch alle Vorwürfe entschieden zurück.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat Misshandlungen und Folter von Häftlingen in der Türkei angeprangert. In der Türkei würden Menschen in Polizeigewahrsam gefoltert, denen Terroraktivitäten oder eine Verbindung zum Putschversuch vom Juli 2016 vorgeworfen werden. Das geht aus einem veröffentlichten Bericht der Organisation hervor.

Auch der deutsche Journalist Deniz Yücel sitzt in der Türkei im Gefängnis.
Auch der deutsche Journalist Deniz Yücel sitzt in der Türkei im Gefängnis.(Foto: picture alliance / Karlheinz Sch)

"Da es immer mehr Beweise dafür gibt, dass in der Türkei die Folter in Polizeigewahrsam wieder Einzug gehalten hat, muss die Regierung dem unbedingt Einhalt gebieten", forderte Hugh Williamson, Leiter des HRW-Büros für Europa und Zentralasien.

HRW bezieht sich auf "glaubhafte Beweise" für elf Fälle "schwerer Misshandlungen". Es gebe Anschuldigungen, nach denen "die Polizei die Verdächtigen geschlagen und bedroht hat, sie vollständig entkleidete und, in einigen Fällen, sexuell missbrauchte oder damit drohte". Die am meisten von Folter bedrohten Inhaftierten seien diejenigen, die mit dem gescheiterten Putsch oder mit der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in Verbindung gebracht würden, hieß es weiter.

Die Regierung weist die Vorwürfe zurück

Die türkische Regierung dementiert Foltervorwürfe und Menschenrechtsverletzungen in Gefängnissen. Der türkische Justizminister Abülhamit Gül hatte erst vor kurzem erklärt, Ankara habe "null Toleranz" gegenüber Folter.

Seit der Niederschlagung des Putsches im Juli 2016 wurden rund 50.000 Menschen verhaftet und mehr als 140.000 aus dem Staatsdienst entlassen oder suspendiert. Mehr als 150 Journalisten sind zur Zeit inhaftiert, fast 150 Medien wurden geschlossen.

Auch mehrere Deutsche sitzen in der Türkei im Gefängnis, unter ihnen die Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu, gegen die am Mittwoch der Prozess eröffnet wurde. Tolu muss sich wegen "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" und "Terrorpropaganda" vor Gericht verantworten.

Quelle: n-tv.de

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