Politik
Die Vorbereitungen in Johannesburg laufen auf Hochtouren.
Die Vorbereitungen in Johannesburg laufen auf Hochtouren.(Foto: REUTERS)

Fast die ganze Welt kommt nach Johannesburg: Merkel bleibt Mandela-Trauerfeier fern

Staats- und Regierungschefs aus aller Welt reisen nach Südafrika, um Nelson Mandela die letzte Ehre zu erweisen. Nur Angela Merkel und Benjamin Netanjahu bleiben zu Hause. Die Israelis scheuen die hohen Reisekosten. Merkel begnügt sich mit einem Eintrag ins Kondolenzbuch und schickt Präsident Gauck vor.

Kanzlerin Angela Merkel wird nicht zum zentralen Staatsakt für den verstorbenen südafrikanischen Nationalhelden Nelson Mandela in Johannesburg reisen. Merkel will sich nach Angaben ihres Sprechers Steffen Seibert stattdessen in der südafrikanischen Botschaft in Berlin in das Kondolenzbuch für Mandela eintragen. Dennoch wird Deutschland bei den Trauerfeierlichkeiten vertreten sein: durch Bundespräsident Joachim Gauck.

Neben Merkel sorgte Israel für eine weitere prominente Absage: Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu wird ebenfalls nicht nach Südafrika reisen. Israel gab die hohen Reisekosten als Grund für die Absage an. Dagegen kündigte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas an, nach Johannesburg zu fliegen.

Trotz des Fernbleibens der beiden Spitzenpolitiker wird es einen großen Auflauf an diesem Dienstag geben (n-tv wird den ganzen Tag über live berichten). Fast 100 amtierende und Dutzende ehemalige Staats- und Regierungschefs werden nach Angaben der südafrikanischen Regierung erwartet. "Die ganze Welt kommt im wahrsten Sinne des Wortes nach Südafrika", sagte Ministeriumssprecher Clayson Monyela, darunter "auch Könige und Königinnen, Prinzen und Prinzessinnen". Das sei "beispiellos" in der Geschichte des Landes.

Charles vertritt Elizabeth

Zu den Trauerfeierlichkeiten kommen wollen unter anderem US-Präsident Barack Obama mit Ehefrau Michelle sowie die ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter, Bill Clinton und George W. Bush. Die Briten entsenden neben Premierminister David Cameron auch drei frühere Regierungschefs. Cameron werde von seinen Vorgängern John Major, Tony Blair und Gordon Brown nach Südafrika begleitet, teilte die Regierung in London mit. Auch Oppositionsführer Ed Miliband und Vizepremier Nick Clegg werden zu den Feiern reisen. Queen Elizabeth II. lässt sich als Staatsoberhaupt vom Thronfolger Prinz Charles vertreten.

Auch Frankreichs Staatschef François Hollande reist gemeinsam mit seinem konservativen Vorgänger Nicolas Sarkozy nach Südafrika. Die beiden würden aber in getrennten Flugzeugen mit ihren jeweiligen Delegationen anreisen, hieß es in Paris. Dies ist der erste gemeinsame Auftritt von Hollande und Sarkozy seit dem Wahlkampf 2012, in dem sie sich eine erbitterte Auseinandersetzung geliefert hatten.

Italien und Spanien lassen Gipfeltreffen ausfallen

Zu den Staatsgästen, die in Südafrika erwartet werden, zählen auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der kubanische Präsident Raúl Castro und Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff. Für die Europäische Union kommen Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Ratspräsidenten Herman Van Rompuy. Spanien und Italien sagten wegen der Gedenkfeier für Mandela sogar ein bilaterales Gipfeltreffen ab. Stattdessen würden die Regierungschefs Mariano Rajoy und Enrico Letta zur Trauerfeier nach Johannesburg fliegen.

Südafrikas Präsident Jacob Zuma und andere Staatsoberhäupter werden nach Regierungsangaben bei dem Staatsakt Reden halten. Näheres dazu wurde noch nicht bekannt. Logistisch stünde die Regierung vor "einer sehr schweren Aufgabe", sagte Monyela. Die Mehrheit der Staatsgäste sollte bereits am Vortag anreisen.

Die zentrale Gedenkfeier findet am Dienstag von 10.00 bis 14.00 Uhr MEZ im FNB-Stadion in Johannesburg statt. Es bietet Platz für mehr als 90.000 Menschen. Der Leichnam Mandelas wird nicht im Stadion aufgebahrt sein. Der Trauerakt wird an 90 Orten im Land auf Großleinwänden sowie in drei weiteren Stadien von Johannesburg für die Öffentlichkeit übertragen. Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger war am Donnerstag nach langer Krankheit im Alter von 95 Jahren gestorben. Er hatte sein Land in die Demokratie geführt.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen