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(Foto: picture alliance / dpa)

Die Welt, wie Varoufakis sie sieht: "Merkel hätte am Ende nachgegeben"

Nach allgemeiner Lesart stand Griechenland im Sommer vor der Wahl: Austritt aus dem Euro oder Kapitulation. Ex-Finanzminister Varoufakis sieht das anders. Kanzlerin Merkel hätte einen Grexit um jeden Preis verhindert.

Der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras vorgeworfen, vor Deutschland und der Europäischen Zentralbank eingeknickt zu sein.

Wäre Griechenland "standhaft" geblieben, schreibt Varoufakis in einem Beitrag auf seiner Webseite, hätten Bundeskanzlerin Angela Merkel und EZB-Chef Mario Draghi eingegriffen und einen Grexit "um jeden Preis" verhindert. Die Folge wäre eine "ehrenhafte Einigung" gewesen statt des "Dokuments der Unterwerfung", das auch als drittes griechisches Bailout-Programm bekannt sei.

Das dritte Griechenland-Paket war im Juli von den Staats- und Regierungschefs nach monatelangen Verhandlungen beschlossen worden, knapp eine Woche nach dem Rücktritt von Varoufakis als Finanzminister. Kritiker der Einigung hatten das Abkommen als "Staatsstreich" (Coup) bezeichnet, da die griechische Regierung gezwungen worden war, die weitaus meisten ihrer Forderungen aufzugeben.

Varoufakis beschäftigt sich in seinem aktuellen Blogeintrag mit dem Dokumentarfilm des britischen Journalisten Paul Mason, der unter dem Titel "This Is A Coup" seine Sicht auf die griechische Krise darlegt – eine linke, kapitalismuskritische Sicht, die von Varoufakis dennoch in einigen Punkten abgelehnt wird. So weist der Ex-Minister Kritik am Eurogruppen-Abkommen vom 20. Februar zurück. Dieses Abkommen war von Griechenland und Deutschland sehr unterschiedlich interpretiert worden. Mason nennt es einen schlechten Deal, Varoufakis besteht darauf, dass es ein "game changer" war beziehungsweise hätte sein können. Auch habe der "Bank run" nicht erst im Juni begonnen, sondern schon im Dezember 2014. Die Schließung der griechischen Banken sei eine Entscheidung der EZB gewesen und habe nichts damit zu tun gehabt, dass Griechenland kein Bargeld mehr zur Verfügung gehabt habe.

Die größten Probleme hat Varoufakis aber mit Masons These, Griechenland sei vom restlichen Europa vor die Wahl gestellt worden: "Kapitulation vor der Troika oder Austritt aus der Eurozone". Dies sei zwar die Linie der Troika und des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble gewesen, sollte aber nicht als Fakt akzeptiert werden. Die griechische Regierung, so Varoufakis, hätte die "Pflicht" gehabt, das Risiko einzugehen und die "Unterwerfung" abzulehnen. Drei Dinge hätten die Griechen in der Volksabstimmung vom 5. Juli zum Ausdruck gebracht, als sie zu 62 Prozent mit "Nein" stimmten. Erstens: Wir wollen keinen Konflikt mit Europa. Zweitens: Wir wollen die Eurozone nicht verlassen. Drittens: "Aber, wenn Brüssel/Frankfurt/Berlin mit einem Grexit drohen und von uns fordern, dass wir uns unterwerfen und eine Verschärfung der großen Wirtschaftskrise hinnehmen, dann sagt ihnen: Macht, was ihr wollt. Wir geben nicht nach!"

Quelle: n-tv.de

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