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"Mutti kommt zu Multi-Kulti": Merkel nimmt auch Migranten in die Pflicht

Seit Monaten reist Bundeskanzlerin Merkel durchs Land und hört sich die Probleme der Menschen an. Doch das Thema Flüchtlinge überlagert derzeit alles andere. Die CDU-Chefin macht keine Versprechungen - appelliert aber viel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Bevölkerung aufgerufen, Menschen mit ausländischen Wurzeln als gleichwertige Mitbürger anzuerkennen. "Wir müssen aufpassen, dass nicht jemand schon Urenkel hier hat und dann immer noch angeguckt wird, als ob er vorgestern gekommen ist", sagte die CDU-Chefin bei einem Bürgerdialog in Duisburg-Marxloh. Eine Gesellschaft, die da nicht "offenherzig" sei, könne Zuwanderern nicht vorwerfen, "dass die sich nicht integrieren". Zugleich forderte sie aber auch Anstrengungen von Einwanderern.

Rund 64 Prozent der Bewohner des oft als Problemviertel beschriebenen Duisburger Stadtteils Marxloh haben einen Migrationshintergrund. Die 60 Teilnehmer des Treffens mit der Kanzlerin in der Reihe von Bürgerdialogen der Bundesregierung stellten Merkel zahlreiche Fragen zu den Themen Zusammenleben, Integration und Problemen etwa durch den Zuzug sogenannter Armutsflüchtlinge aus EU-Ländern wie Bulgarien und Rumänien. Einer der Bürger beschrieb den Besuch Merkels in Duisburg mit den Worten "die Mutti kommt zu Multikulti". Weitere Fragen drehten sich etwa um Bildung und die prekäre Kassenlage von Kommunen wie Marxloh.

Auch Migranten sollen sich anstrengen

Merkel forderte für ein Zusammenleben von Menschen verschiedener religiöser, ethnischer und kultureller Hintergründe auch Anstrengungen der Migranten. "Wir brauchen nicht nur in der Politik, aber auch in der Politik, aber vor allem auch in der Polizei, bei den Sozialarbeitern, bei den Lehrern mehr Menschen mit Migrationshintergrund", forderte Merkel. Denn die könnten Zuwanderer besser verstehen und für junge Menschen ein Vorbild sein. Sie bitte daher Menschen mit Migrationshintergrund, sich zu engagieren.

Im Hinblick auf Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien forderte Merkel die beiden südosteuropäischen Staaten auf, die Gründe dafür zu beheben, dass ihre Staatsbürger nach Deutschland kommen. Die beiden Staaten seien schließlich EU-Mitglieder und keine Bürgerkriegsländer wie etwa Syrien. "Wir müssen denen helfen, die wirklich Hilfe brauchen", sagte Merkel. Das ist nach Angaben eines Regierungssprechers der erste Besuch Merkels in einer Flüchtlingsunterkunft.

Keine falschen Hoffnungen

Einmal mehr appellierte Merkel an die EU-Mitgliedsstaaten, Flüchtlinge fair auf die Länder zu verteilen. "Drei oder vier von 28 können nicht die ganze Last tragen", sagte sie. Außerdem dürfe Menschen nicht vorgemacht werden, sie könnten in Deutschland bleiben, obwohl sie nicht verfolgt würden: "Dann können wir nicht mehr denen helfen, die Hilfe brauchen."

Merkel hatte sich bereits am Montag gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten François Hollande dafür ausgesprochen, dass die EU-Mitglieder sich auf eine einheitliche Liste "sicherer Herkunftsstaaten" verständigen. Die Einstufung dient dazu, Asylbewerber aus diesen Ländern schneller zurück in die Heimat zu schicken, weil sie nicht als politisch verfolgt angesehen werden.

Unter dem Motto "Gut leben in Deutschland - was uns wichtig ist" organisiert die Bundesregierung insgesamt 150 Veranstaltungen zum Thema Lebensqualität. Die Ergebnisse sollen wissenschaftlich ausgewertet werden und zumindest teilweise in einen Aktionsplan der Bundesregierung münden. Mitte Juli hat einer dieser Besuche für Aufsehen gesorgt, weil in Rostock ein palästinensisches Flüchtlingsmädchen in Tränen ausbrach.

Quelle: n-tv.de

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