"Es geht so nicht mehr weiter"Merkel rüffelt ihre Truppe

Der Kritik am Erscheinungsbild ihrer schwarz-gelben Koalition begegnet Kanzlerin Merkel mit einem Besuch der Fraktionen. Gute Stimmung herrscht dort nicht. Sie werde sich die koalitionsinternen Auseinandersetzung nicht mehr bieten lassen, kündigt Merkel an.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will Störfeuer aus den eigenen Reihen nicht mehr tolerieren. Nach Angaben von Teilnehmern der nichtöffentlichen Sitzung der Unionsfraktion sagte die CDU-Vorsitzende: "Es geht so nicht mehr weiter." Und außerdem: "Am Abend weiß man manchmal bei uns nicht mehr, wer Freund und Feind ist." Merkel habe Ton und Umgang einzelner Mitglieder der Fraktion und der Regierung kritisiert und Konsequenzen bei Verstößen gegen den guten Stil angekündigt. In solchen Fällen wolle sie sich nun "die Leute einzeln vornehmen", sagten Teilnehmer.
Die schwarz-gelbe Koalition ist laut Umfragen wegen andauernder Querelen, gegenseitiger Beschimpfungen und Auseinandersetzungen in der Gunst der Bürger auf unter 40 Prozent gesunken. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) appellierte laut Unionsangaben eindringlich an die Abgeordneten, während der parlamentarischen Sommerpause keine Debatten über Steuersenkungen oder -erhöhungen loszutreten.
Visite bei den Gelben
Erstmals seit Bildung der schwarz-gelben Koalition im vorigen Herbst nahm Merkel an einer Sitzung der FDP-Fraktion teil. Auch dort warb sie dafür, Gemeinsamkeiten in den Vordergrund zu stellen, im Umgang miteinander "einen Gang zurückzuschalten" und vertrauensvoll miteinander umzugehen. Am Ende ihrer Rede hätten die FDP-Abgeordneten stark applaudiert, hieß es.
Als erster bekam Merkels Gegenwehr am Dienstag der stellvertretende Unionsfraktionschef Michael Fuchs (CDU) zu spüren. Er hatte die von der Koalition nun beschlossene Belastung auch der Arbeitgeber durch höhere Krankenkassenbeiträge scharf kritisiert. Fuchs hatte in einem Interview gesagt: "Eine Erhöhung der Lohnnebenkosten ist ein tödliches Spiel für Arbeitsplätze in Deutschland, das muss jeder wissen."
Merkel habe das vor versammelter Mannschaft gerügt und gemahnt, es bedürfe nicht solch drastischer Ausdrucksweise, um Kritik anzubringen. Die Unionsfraktion müsse das "Maß der Mitte" wahren. Zur Mahnung eines Abgeordneten, die Fraktion könne nach den Wahlschlappen bei der Bundespräsidentenwahl vor einer Woche nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, soll Merkel schlicht gesagt haben: "Man kann sich verbessern." Beifall soll der Abgeordnete nicht bekommen haben.