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In der Stadt Silopi wurde die Ausgangssperre aufgehoben. Fotografen konnten Bilder der Zerstörung machen, die in anderen Städten unterdessen weitergeht.
In der Stadt Silopi wurde die Ausgangssperre aufgehoben. Fotografen konnten Bilder der Zerstörung machen, die in anderen Städten unterdessen weitergeht.(Foto: AP)

Forderung von Amnesty und Linken: Merkel soll Krieg gegen Kurden ansprechen

Zum ersten Mal trifft sich Kanzlerin Merkel mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu. Es soll um die Flüchtlingskrise gehen. Von anderer Seite wird Merkel aber mit einem anderen türkischen Problem konfrontiert, das bisher kaum beachtet wird.

Kurz vor den deutsch-türkischen Regierungskonsultationen wächst der Druck auf die Bundesregierung, sich für eine Lösung des Kurdenkonflikts einzusetzen. "Merkel muss aufhören, die Türkei nur durch die Flüchtlingsbrille zu sehen", sagte der Linken-Außenpolitiker Jan Van Aken im Deutschlandfunk. Es gebe in dem Konflikt durchaus Möglichkeiten, auf die Türkei und Präsident Recep Tayyip Erdogan einzuwirken, etwa durch eine Aufhebung des Verbots der kurdischen Arbeiterpartei PKK in Deutschland, sagte Van Aken.

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Am Freitag führt Bundeskanzlerin Angela Merkel erstmals Regierungskonsultationen mit ihrem türkischen Kollegen Ahmet Davutoglu. Parallel dazu treffen sich mehrere Minister beider Länder zu Gesprächen. Unter anderem soll es dabei um die Flüchtlingskrise gehen. Die Türkei hatte Ende November im Rahmen eines Aktionsplans zugesagt, ihre Grenzen besser zu schützen. Im Gegenzug versprach die EU mindestens drei Milliarden Euro für die mehr als zwei Millionen Flüchtlinge in der Türkei. Zudem sollen die EU-Beitrittsverhandlungen und die Gespräche zur visafreien Einreise für Türken beschleunigt werden.

Amnesty fordert Ende des Schweigens zum Südosttürkei-Konflikt

Die Organisation Amnesty International warf der Türkei eine "Kollektivstrafe" der kurdischen Bevölkerung und Menschenrechtsverletzungen auch im Umgang mit Flüchtlingen vor. Diese müssten "Kernthema" bei den Gesprächen sein.  Marie Lucas, Türkei-Expertin von Amnesty International in Deutschland, forderte, die Bundesregierung und die EU müssten ihre Zusammenarbeit mit der Türkei in der Flüchtlingsfrage auf Eis legen. Doch Deutschland schweige seit Monaten zu "völkerrechtswidrigen Abschiebungen" von Flüchtlingen und "willkürlichen Tötung von Zivilisten und unverhältnismäßigen Ausgangssperren im Südosten der Türkei".

Die Türkei geht seit Dezember vergangenen Jahres in einer Großoffensive gegen die PKK im Südosten des Landes vor. In den Städten Cizre, Silopi und im Viertel Sur der Kurdenmetropole Diyarbakir gelten Ausgangssperren. Dort liefern sich Sicherheitskräfte schwere Gefechte mit der PKK Jugendorganisation YDG-H. Lediglich in Silopi hat sich die Lage inzwischen etwas beruhigt. Die Ausgangssperre gilt dort seit Dienstag nur noch nachts.

In Cizre und Diyarbakir dagegen kam es erneut zu Kämpfen. Die türkischen Streitkräfte teilten mit, sie hätten in Cizre 33 PKK-Kämpfer getötet. Nach Angaben der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP kamen in der Stadt auch zwei Zivilisten ums Leben. Die Opfer hätten mir rund 30 weiteren Anwohnern Leichen bergen wollen und seien dabei von Sicherheitskräften getötet worden, erklärte die Partei unter Berufung auf ihren lokalen Abgeordneten Faysal Sariyildiz. Zehn weitere Menschen seien verletzt worden.

Quelle: n-tv.de

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