Mit "Bravo"- Rufen und langanhaltendem Beifall wurde Merkel im Kapitol von Washington begrüßt und verabschiedet.
(Foto: REUTERS)
Dienstag, 03. November 2009
Großer Auftritt in Washington: Merkel verbeugt sich
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in einer historischen und teilweise sehr persönlichen Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses dem amerikanischen Volk für die Hilfe bei der Wiedervereinigung gedankt. Niemals würden die Deutschen und sie persönlich dies den Amerikanern vergessen, sagte Merkel in Washington.
Sie beendete ihre Rede in Englisch und versicherte den USA, dass Deutschland und Europa auch in Zukunft starke Partner sein würden. "Einen besseren Partner als Amerika gibt es für Europa nicht, und einen besseren Partner als Europa gibt es für Amerika nicht."
Merkel ermunterte die USA vor dem voll besetzten Kongress zu Anstrengungen beim Klimaschutz. "Wir brauchen eine Einigung bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen", sagte sie. Die Welt schaue hier auf Europa, aber auch auf die USA. In ihrer Rede streifte die Kanzlerin auch die internationalen Konflikte im Nahen Osten, dem Iran sowie in Afghanistan.
Große Ehre für Merkel
Vom besonderen Moment im ehrwürdigen Kongress gerührt, bedankte sich Merkel zu Beginn ihrer Rede auf Englisch.
(Foto: AP)
Die in einen schwarzen Hosenanzug gekleidete Kanzlerin erinnerte in ihren mehrfach von Beifall unterbrochenen Ausführungen unter anderem an die Berliner Luftbrücke und an den Einsatz der Präsidenten John F. Kennedy und Ronald Reagan für Deutschland. Sie dankte auch US-Präsident George Bush sen., der Deutschland bereits im Mai 1989 Partnerschaft und Führung angeboten habe.
Die Kanzlerin wurde mit lautem Applaus im US-Kongress begrüßt. Sie ist die erste Kanzlerin, die die Ehre erhalten hat, bei einer gemeinsamen Sitzung von Senat und Repräsentantenhaus zu sprechen. Deutschlands erster Kanzler, Konrad Adenauer (CDU), hatte 1957 nacheinander vor den beiden Kammern und nicht in einer gemeinsamen Sitzung zu den Abgeordneten gesprochen.
Merkel erinnert an ihre Jugend
Merkel sprach von ihrer eigenen Kindheit in der Diktatur der DDR, von der deutschen Schuld und dem Schrecken des Holocaust und von dem großen Moment der Befreiung und der Freiheit, als Deutschland wiedervereinigt wurde.
(Foto: dpa)
Merkel erinnert in bewegenden Worten an den Mauerfall vor 20 Jahren. Der 9. November sei aber auch der Jahrestag der Pogromnacht 1938 und dem Beginn der systematischen Tötung von Juden. Sie erinnerte an ihre Jugend in der DDR hinter Mauern. Sie habe sich nie vorstellen können, in die USA zu reisen oder gar vor dem amerikanischen Kongress zu stehen. Sie habe sich damals für Jeans "einer bestimmten Marke" und für die Weite der amerikanischen Landschaft begeistert.
An die Adresse des Iran gewandt warnte Merkel die Regierung in Teheran. Einen Bedrohung Israels durch Iran müsse verhindert werden. "Atombomben in den Händen des iranischen Präsidenten, der den Holocaust leugnet und Israel bedroht, darf es nicht geben." Die Sicherheit Israels sei nicht verhandelbar. "Wer Israel bedroht, bedroht auch uns."
Appell für Klimaeinigung
Merkel sprach beim Klimawandel von einer weiteren Bewährungsprobe des 21. Jahrhunderts. Worin die Gefahr bestehe, sei schon jetzt zu sehen, am Anstieg der Meere, am Schmelzen der Gletscher. "Wir haben keine Zeit zu verlieren, wir brauchen eine Einigung bei der Klimakonferenz in Kopenhagen."
Die Welt brauche die Bereitschaft aller Staaten, sich auf ein Ziel zu verständigen, sagte die Kanzlerin. Dabei dürften die Erkenntnisse der Wissenschaft nicht ignoriert werden. Zu Afghanistan erklärte sie, der Einsatz der Staatengemeinschaft sei hart. Erfolgreich werde die Gemeinschaft dabei aber sein, wenn sie jeden weiteren Schritt gemeinsam gehe. Deutschland stelle sich dieser Verantwortung.
dpa/rts
Hintergründe zur Nachricht
Bilderserien zur Nachricht
Politik
-
Graue Eminenz des Kongo
Kabila-Berater stirbt bei Absturz
-
Grüne und Piraten legen zu
FDP laufen die Mitglieder davon
-
Iran rüstet Schiffe auf
USA fürchten Selbstmordattacken
-
Blauhelme nach Syrien?
Russland reagiert skeptisch
-
Kleine Runde beim Berlinale-Empfang
Filmszene lässt Wulff im Stich
-
Mission ist beendet
Arabische Liga bricht mit Syrien
-
Duisburg schickt OB in die Pension
Sauerland ist abgewählt
-
Geld für Griechenland
Seehofer will Volk fragen
-
Streit um Länderfinanzausgleich
Kretschmann würde vermitteln
-
Laufzeitverlängerung
Frankreich hält an AKW fest
-
Vorwurf der Datenlöschung
BKA setzt sich zur Wehr
-
Tage des Durchatmens
Romney siegt zweifach
