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Im Oktober wird die Leiche der Studentin an der Dreisam gefunden.
Im Oktober wird die Leiche der Studentin an der Dreisam gefunden.(Foto: dpa)
Dienstag, 06. Dezember 2016

Getötete Studentin in Freiburg: Merkel warnt vor Pauschalurteil

Die Vergewaltigung und Tötung einer Freiburger Studentin, die ein Afghane begangen haben soll, schlägt in Deutschland hohe Wellen. Nur die "Tagesschau" berichtet darüber zunächst nicht. Wenig später holt der Sender das Versäumnis nach und befragt die Kanzlerin.

Die in sozialen Medien heftig kritisierte Entscheidung der "Tagesschau", in der 20-Uhr-Ausgabe vom Samstag nicht über die Tötung einer Freiburger Studentin und die Festnahme eines Verdächtigen zu berichten, schlägt weiter Wellen. So hoch, dass der Sender schließlich doch noch über den Fall berichtete. "Tagesthemen"-Moderator Ingo Zamperoni nutzte ein Interview am Montag mit Angela Merkel und befragte die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende zu der Tötung. Auszüge davon wurden auch in der "Tagesschau" am Abend gezeigt.

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Merkel warnte in dem Gespräch vor einer pauschalen Verurteilung aller Flüchtlinge. "Wenn es sich herausstellen sollte, dass es ein afghanischer Flüchtling war, dann ist das absolut zu verurteilen, genauso wie bei jedem anderen Mörder, aber auch ganz deutlich zu benennen. Und dann sage ich, dass damit aber nicht die Ablehnung einer ganzen Gruppe verbunden sein kann, so wie wir auch sonst nicht von einem auf eine ganze Gruppe schließen können", so die Kanzlerin.

Aus den Reihen der CDU gab es auch deutliche Kritik an dem Umgang des Senders mit dem Fall. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Ansgar Heveling, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, dass der Fall der vergewaltigten und getöteten Studentin schon vor der Festnahme eines 17-jährigen Flüchtlings in ganz Deutschland präsent gewesen sei. "Ich halte die Entscheidung der Tagesschau deshalb für falsch, weil sie natürlich den Eindruck erweckt, man wolle nicht berichten, weil der Tatverdächtige ein unbegleiteter, minderjähriger Asylbewerber ist. Ein solcher Eindruck ist fatal", so Heveling, der auch Unions-Obmann im Kultur- und Medienausschuss ist.

Der medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Martin Dörmann, sprach indes von einem "Grenzfall". "Die Kritik an der Entscheidung der Tagesschau ist zwar verständlich. Es wäre aber genauso ein schiefes Bild entstanden, wenn über diesen Mord berichtet worden wäre, aber über andere Mordfälle nicht", sagte Dörmann der Funke Mediengruppe.

ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke hatte zuvor in einem Blogeintrag erklärt, warum die "Tagesschau" das Thema nicht aufgegriffen hatte: Die Sendung berichte nur "sehr selten über einzelne Kriminalfälle". Die Herkunft des mutmaßlichen Täters habe mit dieser Entscheidung nichts zu tun. Bei einer Veranstaltung der Universität Hamburg erklärte Gniffke außerdem, der Fall habe nicht in das Portfolio der Nachrichtensendung gepasst.

Quelle: n-tv.de

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