Politik

Angst vor Trump und Cruz: Michael Bloomberg tritt nicht an

Lange kokettiert der US-Milliardär Michael Bloomberg damit, er könne als unabhängiger Präsidentschaftskandidat antreten. Jetzt verzichtet er: Er will nicht riskieren, dass am Ende ein Extremist ins Weiße Haus einzieht.

New Yorker unter sich: Trump (l.) und Bloomberg bei einem Society-Event vor drei Jahren.
New Yorker unter sich: Trump (l.) und Bloomberg bei einem Society-Event vor drei Jahren.(Foto: AP)

Schlechte Nachrichten für die Republikaner Donald Trump und Ted Cruz: Der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg wird nicht als dritter Bewerber für das Amt des US-Präsidenten kandidieren. Das teilte er in einem Text auf der Internetseite BloombergView mit, die zu seinem Medienkonzern gehört.

Er kenne die persönlichen Opfer, die mit Wahlkämpfen und politischen Ämtern verbunden seien, schreibt Bloomberg, "und ich würde sie freudig noch einmal bringen, um dem Land, das ich liebe, zu helfen". Wenn er sich allerdings die Fakten anschaue, sei es klar, dass er nicht gewinnen könne. "Ich glaube, ich könnte eine Anzahl unterschiedlicher Bundesstaaten gewinnen - aber nicht genug, um die 270 Wahlmänner-Stimmen zu gewinnen, die notwendig sind, um Präsident zu werden."

Bloomberg hatte öffentlich darüber nachgedacht, als unabhängiger Kandidat ins Rennen um das Weiße Haus einzusteigen und damit gegen die Kandidaten von Republikanern und Demokraten anzutreten. Im Februar sagte er der "Financial Times", er prüfe alle Optionen. Jetzt schreibt er, bei drei Kandidaten sei eine klare Mehrheit unwahrscheinlich. Die Entscheidung über den nächsten Präsidenten würde so aber "dem amerikanischen Volk aus der Hand genommen und dem Kongress gegeben". Bloomberg spielt damit auf die Regel an, dass der US-Präsident vom Repräsentantenhaus gewählt wird, wenn kein Kandidat im Wahlmänner-Gremium auf die absolute Mehrheit kommt. Seit fast 200 Jahren ist das nicht mehr vorgekommen.

Ohne Anti-Washington-Rhetorik geht es nicht

Bloomberg schreibt, selbst wenn er die Mehrheit der abgegebenen Stimmen und die Mehrheit der Wahlmänner und -frauen gewänne (die absolute Mehrheit aber verfehlte), würde der Kongress wohl nicht für ihn stimmen, weil die Abgeordneten sich für den Kandidaten ihrer Partei entscheiden würden. Dann würden "Partei-Loyalisten im Kongress" den nächsten Präsidenten auswählen.

Bis zu dieser Stelle in seinem Text benutzt Bloomberg die klassische Anti-Washington-Rhetorik, die in den USA so verbreitet ist - und die stets mit dem Wunsch einer jetzt endlich funktionierenden überparteilichen Zusammenarbeit verbunden wird. "Stagnierende Löhne im Inland und unser schwindender Einfluss im Ausland machen die Amerikaner wütend und frustriert. Und doch bietet Washington nichts als Stillstand und parteipolitische Schuldzuweisungen."

Nur indirekt macht Bloomberg klar, dass er die wahrscheinliche Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, für das kleinere Übel hält. Angesichts der republikanischen Mehrheit im Kongress sei es wahrscheinlich, dass seine Kandidatur zur Wahl von Donald Trump oder Ted Cruz führen werde. "Das ist ein Risiko, das ich guten Gewissens nicht eingehen kann."

Trump führe den am stärksten spaltenden und demagogischsten Wahlkampf, an den er sich erinnern könne, so Bloomberg. Dessen Drohung, Muslime nicht mehr in die USA einreisen zu lassen, sei ein direkter Angriff auf zwei der zentralen Werte, die den Aufstieg der USA möglich gemacht hätten: religiöse Toleranz und die Trennung von Kirche und Staat. Cruz sei rhetorisch vielleicht nicht so exzessiv wie Trump, aber nicht weniger radikal. Bei aller Kritik, die Bloomberg auch gegen die Demokraten vorbringt: Das wird Clinton gerne hören.

Die Ergebnisse der bisherigen Vorwahlen finden Sie hier.

Quelle: n-tv.de

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