Mittwoch, 07. Juli 2010
"Von Chancengleichheit keine Rede": Migranten deutlich benachteiligt
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung ist alarmiert. Die Lage vieler Migranten sei dramatisch, im Bildungssystem seien sie nach wie vor benachteiligt, warnt Böhmer. Auch beim Übergang von der Schule zur Ausbildung bräuchten sie wesentlich länger als Jugendliche, die nicht aus Einwandererfamilien stammen.
13 Prozent der Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln brechen die Schule ab.
(Foto: picture alliance / dpa)
Die Situation vieler Migranten in Deutschland ist nach Einschätzung der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer, im Bildungssektor und auf dem Arbeitsmarkt dramatisch. "Diese Großbaustellen der Integration müssen wir in den nächsten Jahren verstärkt angehen", sagte die CDU-Politikerin bei der Vorstellung ihres Berichts zur Lage der Ausländer.
Migranten haben nach Einschätzung der Bundesregierung in der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt immer noch dramatische Probleme. "Diese Großbaustellen der Integration müssen wir in den nächsten Jahren verstärkt angehen", sagte die Integrationsbeauftragte der Regierung, Maria Böhmer, bei der Vorstellung des 8. Berichts zur Lage der Ausländer. "Noch kann von Chancengleichheit keine Rede sein."
Wegen eines Namens aussortiert
Jugendliche mit ausländischen Wurzeln seien im Bildungssystem benachteiligt, monierte die CDU-Politikerin. Sie besuchten eher die Hauptschule als eine weiterführende Schule. Allerdings habe sich ihr Bildungsniveau insgesamt erhöht. Beim Übergang von der Schule zur Ausbildung bräuchten sie wesentlich länger als Jugendliche, die nicht aus Einwandererfamilien stammen. "Es darf aber niemand wegen seines Namens aussortiert werden", mahnte Böhmer.
Die multikulturelle Nationalmannschaft suggeriert ein falsches Bild: Viele Migranten sind nur mangelhaft integriert.
(Foto: dpa)
Im Jahr 2008 hätten unter den 15- bis 19-jährigen Migranten 13,3 Prozent keinen Schulabschluss erreicht, erläuterte Böhmer. Bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund seien es dagegen nur sieben Prozent. "13,3 Prozent ist eindeutig zu viel." Als Ursache nannte sie vor allem mangelnde Sprachkenntnisse und geringe Bildung im Elternhaus. Es sei entscheidend, ob zu Hause Deutsch gesprochen werde oder nicht.
Auch unter den Arbeitslosen sind dem Bericht zufolge fast doppelt so viele Migranten wie Deutsche, die nicht aus dem Ausland stammen: Ihre Arbeitslosenquote lag 2008 bei 12,4 Prozent gegenüber 6,5 Prozent bei Deutschstämmigen.
Böhmer sieht dennoch Erfolge
Insgesamt habe die Integration in Deutschland aber an Fahrt gewonnen, betonte Böhmer. Bei Sprache, Bildung und Ausbildung seien Erfolge zu verzeichnen. Immer mehr Arbeitgeber würden erkennen, dass die Ausbildung und Beschäftigung von Migranten angesichts der demografischen Entwicklung das Gebot der Stunde sei. "Migranten sind die Fachkräfte von morgen", sagte Böhmer.
Von den 82,1 Millionen Einwohnern in Deutschland hatten 2008 rund 15,6 Millionen ihre Wurzeln im Ausland. Von ihnen haben 8,3 Millionen einen deutschen Pass.
rts
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