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Blutiger Zwischenfall in London: Minibus rammt Moschee-Besucher

Zwei Wochen nach dem jüngsten Terroranschlag wird London erneut von einer Gewalttat erschüttert. Wieder rast ein Lieferwagen in eine Menschenmenge, wieder gibt es Opfer zu beklagen. Sind diesmal Muslime das Ziel gewesen? Anti-Terror-Experten ermitteln.

Bei dem blutigen Zwischenfall im Londoner Stadtteil Finsbury Park hat es einen Toten und zehn Verletzte gegeben. Wie die Polizei weiter mitteilte, haben Anti-Terror-Spezialisten die Ermittlungen übernommen. Ein Minivan war in der Nacht in eine Menschenmenge nahe einer Moschee gefahren. Der Fahrer wurde festgenommen.

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Augenzeugen hatten den 48-jährigen Fahrer des Lieferwagens nach Polizeiangaben festgehalten, bis Beamte eintrafen und ihn festnahmen. Der Mann sei "als Vorsichtsmaßnahme" in ein Krankenhaus gebracht worden und werde auf seine psychische Gesundheit untersucht. Augenzeugen berichteten, dass der Täter groß und hellhäutig sei.

Der erste Notruf ging 20 Minuten nach Mitternacht ein. Ein Kleintransporter sei in eine Gruppe von Menschen an der Seven Sisters Road im nördlichen Stadtteil Finsbury Park gefahren, hieß es. Augenzeugen berichteten von einem Mann, der aus dem Fahrzeug gekommen sei und mindestens eine Person niedergestochen habe.

Anderen Augenzeugen zufolge sollen insgesamt drei Männer aus dem Minivan ausgestiegen sein, nachdem dieser in die Menschengruppe gefahren war, berichtete der Sender CNN. Einer der drei sei festgenommen worden, die anderen beiden seien geflohen - das hätten zwei Augenzeugen unabhängig voneinander so geschildert, heißt es in dem Bericht. Die Polizei bestätigte diese Angaben zunächst nicht.

Ein Augenzeuge sagte CNN, sein Eindruck sei, dass der Fahrer die Muslime gezielt ins Visier genommen habe. Ein anderer Mann erklärte gegenüber Buzzfeed, dass die Umstehenden den mutmaßlichen Angreifer überwältigt hätten, nachdem der Transporter zum Stehen gekommen sei. Dieser habe "Ich will alle Muslime umbringen" und "Bringt mich um, bringt mich um" gerufen.

"Vorsätzlicher Angriff"

Premierministerin Theresa May erklärte, der Vorfall werde wie ein "möglicher Terroranschlag" behandelt. Sie berief für den Vormittag eine Krisensitzung ein. "Alle meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und den Rettungskräften vor Ort", erklärte May.

Aus Sicht des Britischen Rats der Muslime könnte der blutige Zwischenfall ein gegen Muslime gerichteter Anschlag gewesen sein. "Von den Augenzeugenberichten her scheint es, als wäre der Täter von Islamhass motiviert gewesen", schrieb der Rat am frühen Montagmorgen auf Twitter. Muslime hätten in den vergangenen Wochen und Monaten oft Islamhass erleben müssen, der nächtliche Vorfall nahe einem muslimischen Gemeinschaftshaus sei dessen "gewalttätigste Manifestation" bislang.

Die Moschee war früher als eine Anlaufstelle für Islamisten bekannt. Als Imam der Moschee von Finsbury Park hatte einst der in einem US-Terrorprozess zu lebenslanger Haft verurteilte Abu Hamza gewirkt. Hamza hielt in dem Gotteshaus in den 90er Jahren radikalislamische und antiamerikanische Brandreden. Die neue Moschee-Leitung hatte in der Vergangenheit Drohungen erhalten.

Erhöhte Alarmbereitschaft

London steht nach mehreren Anschlägen derzeit unter erhöhter Alarmbereitschaft. Anfang Juni waren drei Islamisten mit einem Kleintransporter auf der London Bridge in eine Menschenmenge gefahren und hatten danach Passanten in Restaurants und Bars willkürlich mit Messern attackiert. Dabei waren sieben Menschen getötet und etwa 50 verletzt worden. Die Attentäter wurden schließlich von Polizisten erschossen.

Im März tötete ein mutmaßlicher Islamist auf der Westminister Bridge mit einem Auto zwei Menschen und verletzte weitere. Anschließend erstach er auf dem Parlamentsgelände einen unbewaffneten Polizisten, ehe er erschossen wurde. Zudem wurden bei einem Selbstmordanschlag auf ein Pop-Konzert in Manchester im Mai 22 Menschen getötet.

Quelle: n-tv.de

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