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Lehrer am Berliner Canisius-Kolleg
sollen in den 70er und 80er Jahren Schüler sexuell missbraucht haben.

Lehrer am Berliner Canisius-Kolleg sollen in den 70er und 80er Jahren Schüler sexuell missbraucht haben.
(Foto: dpa)

Donnerstag, 27. Januar 2011

Jesuiten bieten 5000 Euro: Missbrauchsopfer sind enttäuscht

Das Entschädigungsangebot des katholischen Jesuiten-Ordens wird von Missbrauchsopfern abgelehnt. Die angebotenen 5000 Euro je Opfer seien deutlich zu niedrig, "um den erlittenen Schaden zu kompensieren oder auch nur eine Anerkennung der Schuld zu signalisieren".

Missbrauchsopfer haben die angekündigten Entschädigungszahlungen des katholischen Jesuiten-Ordens in Höhe von jeweils 5000 Euro als viel zu niedrig bezeichnet. "Diese Summe ist überhaupt nicht ausreichend, um den erlittenen Schaden zu kompensieren oder auch nur eine Anerkennung der Schuld zu signalisieren", sagte Thomas Weiner von der Gruppe "Eckiger Tisch" der "Frankfurter Rundschau".

Weiner ist zudem "unverständlich", dass die Opfer, die dem Orden ja bekannt seien, einen Antrag stellen sollten. Er sei auch nicht sicher, ob es sich wirklich um ein Angebot oder nur eine Absichtserklärung handele.

Die Opfervertretung "Eckiger Tisch" fordert durchschnittlich rund 80.000 Euro pro Opfer. Die Gruppe besteht aus ehemaligen Schülern des Berliner Canisius-Kollegs, wo der Missbrauchsskandal vor einem Jahr öffentlich gemacht wurde.

In einem Brief an die mehr als 200 dem Orden bekannten Betroffenen aus Jesuitenschilen in Berlin, Hamburg, Bonn und St. Blasien im Schwarzwald hatte Jesuitenprovinzial Stefan Kiechle sich für die Vorfälle entschuldigt und erklärt, der Orden werden Betroffenen "nach Prüfung eines entsprechenden Antrags eine Zahlung von 5000 Euro anbieten".

Ordenssprecher Thomas Busch hatte zu den von dem Missbrauchsopfern geforderten 80.000 Euro gesagt, dies sei für die Jesuiten "schlicht und einfach eine Größenordnung, die unrealistisch ist". Er fürchte aber, dass die 5000 Euro bei den Opfern nicht zur Zufriedenheit führen werden. "Der Orden sieht da aber keine Alternative." Es handle sich bei dem Betrag um "ein Zeichen", das sich an der Leistungsfähigkeit des Ordens orientiere.

Nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle am Canisius-Kolleg hatte sich eine Reihe von Opfern gemeldet, die nach oft jahrelangem Schweigen davon berichteten, an kirchlichen Einrichtungen missbraucht worden zu sein. Zur Aufarbeitung dieser Fälle und auch zur Aufarbeitung von Missbrauch im nicht-kirchlichen Bereich setzte die Bundesregierung im vergangenen Jahr eine eigene Anlaufstelle ein.

dpa/AFP

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