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Politik

Dienstag, 06. April 2010

Röslers neuer Clou: Mit Dreier-Abi zum Dorfarzt

Eine gute Abi-Note sagt noch nichts über Einfühlungsvermögen und Sensibilität aus. Eine Binsenweisheit. Gesundheitsminister Rösler will deshalb den Numerus clausus für Ärzte kippen und bekommt dafür reichlich Applaus. So könnten bald Studienplätze für Bewerber reserviert werden, die sich verpflichten, in ein unterversorgtes Gebiet zu gehen.
Rösler und Spahn gehen davon aus, dass auch Menschen mit einem schlechteren Schulabschluss gute Ärzte werden können.

Rösler und Spahn gehen davon aus, dass auch Menschen mit einem schlechteren Schulabschluss gute Ärzte werden können.
(Foto: picture alliance / dpa)

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler will angehende Ärzte mit Anreizen bei der Studienplatzvergabe in medizinisch unterversorgte ländliche Gegenden locken. Bewerber sollen bevorzugt einen Studienplatz erhalten, wenn sie bereit sind, sich für einige Jahre als Landarzt zu verpflichten. Die Überlegungen des FDP-Politikers stießen auf ein überwiegend positives Echo. Auf Eckpunkte des geplanten Gesetzes zur ärztlichen Versorgung sollte sich die Koalition noch vor der Sommerpause verständigen, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, Rösler orientiere sich bei seinen Überlegungen am Modell der Bundeswehr, für deren potenzielle Ärzte bei der zentralen Studienplatzvergabe ein bestimmter Anteil reserviert sei. Wie groß eine solche Vorabquote für Landärzte ausfallen könnte und wer nach welchen Kriterien die Kandidaten auswählen solle, sei noch offen. Das Gesundheitsministerium bestätigte auch Überlegungen Röslers für einen Demografie-Faktor in der Bedarfsplanung für Ärzte. Die aktuelle Planung mit dem Jahr 1990 als Basis gebe den Versorgungsbedarf der Bevölkerung nur unzureichend wieder, hieß es dazu in dem Bericht.

 
Umfrage Ärztemangel: Leichterer Zugang?

Sollte der Numerus clausus für ein Medizinstudium abgeschafft werden?

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Noten sagen nichts

Rösler hatte am Wochenende in einem Interview für die Abschaffung des Numerus Clausus plädiert, um den Zugang zum Medizinstudium zu erleichtern.für die Abschaffung des Numerus Clausus plädiert, um den Zugang zum Medizinstudium zu erleichtern. Der Notendurchschnitt allein sage nichts darüber aus, ob jemand ein guter Arzt werde. Nötig seien eine stärkere Berücksichtigung von Auswahlgesprächen sowie die Schaffung von mehr Studienplätzen.

Ähnlich äußerte sich Spahn. "Auch Menschen mit einer Zwei oder Drei im Abitur können gute Ärzte werden", sagte der CDU-Abgeordnete der Zeitung "Die Welt". "Das heißt ja nicht, dass wir gar nicht mehr auf die Note schauen." Auch Spahn forderte, ebenfalls berücksichtigt werden müsse die Bereitschaft, sich als Hausarzt in unterversorgten Gebieten niederzulassen.

Söder warnt vor zentralistischer Lösung

Der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder erklärte, die Vorschläge Röslers wiesen in die richtige Richtung. Es sei aber falsch, zentralistisch eine Landarztquote vorzugeben. Sinnvoller sei ein Stipendienprogramm für Landärzte, sagte der CSU-Politiker der "tageszeitung".

Auch die SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann stimmte dem Vorschlag zu, die Hürden für ein Medizinstudium zu senken und soziales Engagement bei der Studienplatzvergabe anzurechnen. Im Deutschlandfunk verwies sie zudem darauf, dass auf jeden Studienplatz vier Bewerber kämen. Nötig seien deshalb mehr Lehrstühle für Allgemeinmediziner.

Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte der "Welt", bei der Zulassung zum Medizinstudium sollten auch weitere Kriterien wie ein Engagement als Pfleger oder Sanitäter berücksichtigt werden. Zudem müsse die Ausbildung stärker auf Hausärzte ausgerichtet werden.

Nach Angaben Röslers gibt es auf dem Land bereits einen erheblichen Ärztemangel. Jeder zweite der 150.000 niedergelassenen Ärzte sei über 55 Jahre alt.

rts

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