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So sieht Mladic heute aus.
So sieht Mladic heute aus.(Foto: REUTERS)

Erste Vernehmung abgebrochen: Mladic im Bett verhaftet

Der als Kriegsverbrecher gesuchte Mladic zeigt sich vor Gericht als schwacher, kranker Mann - ein erster Gerichtstermin muss abgebrochen werden. Bei seiner Festnahme lag Mladic offenbar im Bett, von seiner Leibwache keine Spur. Heute soll Mladic erneut vernommen werden. Dann soll er an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt werden.

Ratko Mladic ist von den Einsatzkräften im Schlaf überrascht worden. Der als Kriegsverbrecher gesuchte ehemalige Serbengeneral sei "aus dem Bett heraus verhaftet" worden, berichteten die Zeitungen in Belgrad. Seine angeblich umfangreiche Leibwache, die ihn bei einer Festnahme hätte erschießen sollen, sei weit und breit nicht in Sicht gewesen. Auch seien keine modernen Kommunikationsmittel wie Handy oder Laptop gefunden worden.

Mladic wird von der Polizei abgeführt.
Mladic wird von der Polizei abgeführt.(Foto: dpa)

Der mutmaßliche Kriegsverbrecher war der serbischen Regierung zufolge bei seiner Festnahme bewaffnet. Mladic habe zwei geladene Gewehre bei sich gehabt, aber keinen Widerstand geleistet, sagte der für die Verfolgung von Kriegsverbrechern zuständige Minister Rasim Ljajic. Mladic habe zudem blass ausgesehen, so als ob er lange nicht an der frischen Luft gewesen wäre.

Der untergetauchte Mladic ist einer der meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher. Er war nach Polizeiangaben im Dorf Lazarevo nahe der Stadt Zrenjanin im Bauernhaus eines Vetters untergetaucht. Der frühere General sah dem Minister zufolge eingefallen und deutlich älter aus. "Kaum jemand konnte ihn erkennen." Mladic hatte falsche Ausweisdokumente bei sich, die ihn als Milorad Komadic ausgaben. Aus Polizeikreisen hieß es, er habe Gesundheitsprobleme: eine zum Teil gelähmte Hand, Nierenprobleme und hohen Blutdruck.

Nach fast 15-jähriger Flucht wurde Mladic am Donnerstag gefasst.
Nach fast 15-jähriger Flucht wurde Mladic am Donnerstag gefasst.(Foto: AP)

Der als "Schlächter vom Balkan" bekannte Ex-General wurde vom Haager UN-Kriegsverbrechertribunal unter anderem wegen des Massakers in der bosnischen Stadt Srebrenica 1995 mit rund 8000 Toten angeklagt. Seine Ergreifung gilt als Voraussetzung für einen Beitritt Serbiens zur Europäischen Union.

Gerichtstermin abgebrochen

Mladic muss heute erneut vor Gericht erscheinen. Ein Untersuchungsrichter in Belgrad will die Vernehmung des 68-Jährigen fortsetzen. Sie war gestern Abend abgebrochen worden, weil sich der Ex-Militärchef der bosnischen Serben als schwacher, kranker Mann präsentierte, der sich kaum mitteilen kann. Vor Gericht soll er sich zur Anklage des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag äußern. Dann soll über seine Auslieferung entschieden werden. Laut Justizministerium in Belgrad soll Mladic frühestens am kommenden Montag, spätestens am darauffolgenden Mittwoch nach Den Haag gebracht werden.

Einige Serben protestierten gegen die Festnahme.
Einige Serben protestierten gegen die Festnahme.(Foto: AP)

Ratko Mladic war mehr als 15 Jahre auf der Flucht, selbst beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag glaubte man zuletzt kaum noch an seine Festnahme. Nun kann dem als "Schlächter von Srebrenica" bekannten General doch noch der Prozess gemacht werden.

Westen reagiert erleichtert

Die EU und die USA lobten Serbien für die Verhaftung. Die EU forderte aber weitere Reformen vor dem Beginn von Verhandlungen über einen Beitritt des Balkanlandes. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Festnahme als überfällig und als eine gute Nachricht für ganz Europa. "Mladic hat große Schuld für besonders dunkle und tragische Ereignisse in den Balkankriegen auf sich geladen."

Wichtiger Schritt zur Annäherung: Serbiens Präsident Tadic mit der EU-Außenbeauftragten Ashton.
Wichtiger Schritt zur Annäherung: Serbiens Präsident Tadic mit der EU-Außenbeauftragten Ashton.(Foto: dpa)

US-Präsident Barack Obama sagte, Mladic müsse zügig vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gebracht werden. "Auch wenn die Ermordeten dadurch nicht wieder lebendig werden, Mladic wird nun den Opfern und der Welt und dem Gericht Rede und Antwort stehen müssen."

Millionen-Kopfgeld

Im Sommer 1995 hatten serbische Soldaten nach der Eroberung der UN-Schutzzone Srebrenica in Bosnien rund 8000 muslimische Männer und Jugendliche ermordet und in Massengräbern verscharrt. Auch die jahrelange Belagerung von Sarajevo und die vielen Toten in der bosnischen Hauptstadt werden Mladic angelastet, ebenso wie "ethnische Säuberungen" und Gräuel in Internierungslagern.

Der Ex-General war nach Kriegsende 1995 untergetaucht. Zuletzt war in Serbien ein Kopfgeld von 10 Millionen Euro ausgesetzt, die USA hatten zusätzliche 5 Millionen Dollar für seine Ergreifung ausgelobt.

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Quelle: n-tv.de

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