13.02.2012 08:36 Uhr Frankfurt 07:36 Uhr London 02:36 Uhr New York 16:36 Uhr Tokio
Suche
Politik
Beim Schusswechsel mit den Eingreifern in der Moschee

Beim Schusswechsel mit den Eingreifern in der Moschee
(Foto: dpa)

Freitag, 28. Mai 2010

Moscheen der "Ahmadis" gestürmt: Blutbad in Lahore

Bei Angriffen auf zwei Moscheen in der pakistanischen Stadt Lahore werden mindestens 80 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Vermutlich Taliban-Kämpfer feuern auf die Angehörigen der Ahmadiyya-Minderheit.
Die Polizei konnte 2000 Menschen aus den Moscheen befreien.

Die Polizei konnte 2000 Menschen aus den Moscheen befreien.
(Foto: AP)

Extremisten haben in der ostpakistanischen Stadt Lahore während des Freitagsgebets zwei Moscheen angegriffen und ein Blutbad angerichtet. Mindestens 80 Menschen starben nach Angaben der örtlichen Behörden, etwa 100 wurden verletzt. In den Gotteshäusern beten Angehörige der Ahmadiyya-Minderheit, die in Pakistan nicht als Muslime anerkannt werden. Zu dem Anschlag bekannten sich pakistanische Taliban-Milizen.

Die Angreifer warfen nach Aussagen von Zeugen zunächst Handgranaten in die Moscheen in den Stadtteilen Model Town und Gardhi Shahu. Dann eröffneten sie das Feuer auf die Gläubigen. Einige sollen auch Sprengstoffgürtel getragen und sich selbst in die Luft gesprengt haben. Die Polizei in Lahore konnte etwa 2000 Menschen aus den beiden Moscheen befreien. Mindestens vier Terroristen seien verletzt worden; einer wurde festgenommen. In Fernsehaufnahmen war einer der Extremisten zu sehen, wie er von einem Minarett aus auf die anrückende Polizei feuerte.

Über 100 Angehörige der Ahmadiyya-Minderheit sollen verletzt worden sein.

Über 100 Angehörige der Ahmadiyya-Minderheit sollen verletzt worden sein.
(Foto: dpa)

Die Islamisten warfen den "Ahmadis" in einem Bekennerschreiben vor, Mohammed nicht als Propheten anzuerkennen, gegen den Heiligen Krieg zu konspirieren und gemeinsame Sache mit Juden zu machen. Der Angriff sei die letzte Warnung an die Minderheit, Pakistan zu verlassen. Anderenfalls würden sie sterben.

"Ahmadis" werden nicht anerkannt

Die "Ahmadiyya-Muslim"-Bewegung ist eine 1889 gegründete islamische Religionsgemeinschaft, die jegliche Gewalt ablehnt. Sie hat weltweit bis zu 15 Millionen Anhänger. In Pakistan leben mehrere Millionen. Viele pakistanische Ahmadis sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen in westliche Länder geflüchtet. Obwohl es in Pakistan gesetzlich Religionsfreiheit gibt, dürfen "Ahmadis" ihren Glauben dort nicht ausüben.

In Deutschland leben nach Angaben der Bewegung rund 30.000 Mitglieder. Eine Moschee-Neubau der Ahmadiyya mit einem zwölf Meter hohen Minarett war nach heftigen Protesten 2008 in Berlin eröffnet worden.

AFP/dpa

Artikel versenden

Moscheen der "Ahmadis" gestürmt: Blutbad in Lahore

Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.