Freitag, 23. April 2010
Dutzende Tote bei Anschlagsserie: Moscheen in Bagdad angegriffen
Bei einer Serie von Terroranschlägen sind in der irakischen Hauptstadt Bagdad 63 Menschen getötet worden. Die meisten Opfer waren Schiiten, die sich zum Freitagsgebet versammelt hatten. Nach Angaben der Sicherheitskräfte wurden zudem 180 Menschen verletzt. Fünf der insgesamt sechs Sprengsätze explodierten in der Nähe von schiitischen Moscheen.
Irakische Beobachter vermuten, die Anschlagserie könnte eine Racheaktion der Al-Kaida-Terroristen sein, nachdem die irakischen Sicherheitskräfte und die US-Armee in den vergangenen Wochen mehrere Anführer des Terrornetzwerks getötet hatten. Der säkulare Politiker Haidar al-Mulla sagte: "Schon wieder ein Tag voller Blut im Irak, der die Lücken im staatlichen Sicherheitsapparat aufgezeigt hat." Hinter den Anschlägen steckten "Kreise, die eine Rückkehr zum Hass zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften wollen", sagte Al-Mulla, der zum nationalistischen Al-Irakija-Bündnis des früheren Regierungschefs Ijad Allawi gehört.
Prediger ruft Trauerzeit aus
Im Al-Amin-Viertel wurde die Explosion nach Angaben von Augenzeugen von einem Selbstmordattentäter ausgelöst, der einen Sprengstoffgürtel zündete. In den anderen Vierteln explodierten Autobomben. Die meisten Menschen starben in der östlichen Schiiten-Vorstadt Sadr-City, wo eine Autobombe neben einer Moschee und einem Büro der Märtyrer-Sadr-Vereinigung detonierte. Hier töteten die Terroristen 35 Menschen. Der radikale irakische Schiiten-Prediger Muktada al-Sadr, der im Iran residiert, rief eine dreitägige Trauerzeit aus.
Auch in der Sunniten-Stadt Al-Chalidija 80 Kilometer westlich von Bagdad explodierten sieben Sprengsätze. Acht Menschen starben, darunter sieben Angehörige einer Familie.
Unklare politische Situation
Nicht nur die Zahl der Terroranschläge hat in den vergangenen Monaten wieder zugenommen. Auch politisch ist die Situation im Irak derzeit sehr instabil. Knapp sieben Wochen nach der Parlamentswahl ist immer noch völlig unklar, wer die neue Regierung bilden wird. Der amtierende Ministerpräsident Nuri al-Maliki, der mit seinem Wahlbündnis den zweiten Platz hinter Al-Irajija belegt hatte, ist wegen eines Skandals um ein geheimes Foltergefängnis unter Druck geraten.
An diesem Wochenende soll - auf Wunsch von Al-Maliki - mit der Neuauszählung der Stimmzettel aus Bagdad begonnen werden. Ein Vertreter der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) von Massud Barsani erklärte, er erwarte, dass ein Berufungsgericht in den kommenden Tagen auch eine von der KDP geforderte Neuauszählung in den Städten Mossul und Kirkuk anordnen werde. Westerwelle appellierte derweil an alle politischen Kräfte im Irak, "den Kurs der Versöhnung fortzusetzen, damit es möglichst bald zur Bildung einer handlungsfähigen Regierung kommen kann".
dpa
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