Samstag, 13. März 2010
"Plakat-Krieg" zum Tag des Sieges: Moskau will Stalin ehren
Am 9. Mai feiert Russland den 65. Jahrestag des Sieges über den Hitlerfaschismus. Erstmals sollen auch große Stalin-Plakate die Straßen Moskaus schmücken. Diplomaten befürchten, dass internationale Staatsgäste ihre Teilnahme an den Feiern absagen. Auch Angela Merkel ist eingeladen.Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow will den Sowjetdiktator Josef Stalin zum 65. Jahrestag des Sieges über den Hitlerfaschismus ungeachtet von Protesten als Kriegshelden würdigen. Die umstrittenen Stalin-Plakate dürften wie geplant in der russischen Hauptstadt aufgehängt werden, sagte der 73-Jährige der Agentur Interfax. Zuvor hatte Parlamentspräsident Boris Gryslow den Bürgermeister zur Rücknahme der Erlaubnis aufgefordert. Luschkow begründete die Genehmigung für den Tag des Sieges am 9. Mai damit, dass Stalin als Oberbefehlshaber der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg den Sieg gegen Hitler errungen habe.
Menschenrechtler und Historiker hatten einen "Plakat-Krieg" für den Fall eines "neuen Stalin-Kults" angekündigt. Sie wollen den Initiator den blutigen Terrors in der Sowjetunion als "Massenmörder" darstellen, der den Tod von Millionen Menschen verschuldet hat. Sie betonten, dass nicht Stalin, sondern die Bevölkerung Hitler besiegt habe. Zuletzt bezeichneten auch Präsident Dmitri Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin Stalin (1879-1953) als "Verbrecher". Der Umgang mit Stalin spaltet bis heute die russische Gesellschaft.
Westliche Diplomaten befürchten, dass internationale Staatsgäste ihre Teilnahme an den Moskauer Siegesfeiern absagen könnten, wenn die Behörden die Stalin-Plakate nicht verbieten. Eingeladen ist auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Luschkow betonte dagegen, dass kein Gericht Stalin verurteilt habe. Traditionell tragen zwar einzelne Veteranen zu den Maifeiern Stalin-Bilder in der Hand. Allerdings sollen nun auf Wunsch von Veteranenverbänden erstmals großflächige Bildnisse mit offizieller Erlaubnis aufgehängt werden.
dpa
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