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(Foto: picture alliance / dpa)

Minister im Boykottmodus: Müller verschmäht Deutschland-Trikots

Entwicklungsminister Müller übt heftige Kritik an der Textilbranche. Auch die Öl-Industrie nimmt er sich vor. Indirekt fordert er die Bürger in Deutschland zum Boykott auf. Betroffen wären Produkte von Marken wie Adidas und Shell.

Entwicklungsminister Gerd Müller verschmäht die Trikots der deutschen Fußball-Nationalmannschaft von Adidas und ruft deutsche Autofahrer indirekt zum Boykott des Erdölriesen Shell auf. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Der CSU-Politiker sagte laut dem Blatt bei einer Rede vor der Berliner Industrie- und Handelskammer, das Weltmeistertrikot mit seinen vier Sternen koste 84 Euro. "Davon bekommt die Näherin in Bangladesch 15 Cent." Er sprach von mangelndem Arbeitsschutz, Kündigungen, wenn eine Näherin schwanger wird. Dann fragte er in die Runde: "Diese Trikots, diese Anzüge, diese Hemden, wollen Sie die tragen?"

Müller berichtete zudem von seinem jüngsten Besuch in Nigeria und kam so auf die Umweltverschmutzung durch große internationale Ölkonzerne zu sprechen. "Wenn Sie in das Nigerdelta gehen und dort den Standard der Ölförderung sehen, würde keiner von Ihnen an der Tankstelle der Ölfirma, die dort fördert, tanken", sagte er. "Das ist inakzeptabel." Müller nannte zwar nicht ausdrücklich einen Firmennamen. Ölförderer Nummer eins in Nigeria ist aber seit jeher der Multi Shell.

Die Empörung hält nie lange

Umweltschützer und Menschenrechtler kritisieren seit Jahren die Förderpraxis des niederländischen Unternehmens, das weltweit in 140 Ländern aktiv ist. Und Nigerianer klagen vor internationalen Gerichten auf Schadenersatz.

Die Arbeitsbedingungen in der Textilbranche in Asien und die Umweltverschmutzung durch große Ölkonzerne sind seit Jahrzehnten auch in Deutschland bekannt. Gibt es allerdings keinen aktuellen Skandal, wie die geplante Versenkung der Erdölplattform Brent Spar Mitte der 1990er-Jahre, beeinflussen diese Praktiken kaum das Konsumverhalten der Bürger. Müller forderte in Berlin ökologische und soziale Mindeststandards in der Welt. Er versicherte, dass sich die auf den Preis der Waren für Deutsche kaum spürbar auswirken würden.

Quelle: n-tv.de

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