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"Keine Gewalt", fordern diese Demonstranten in Dortmund.
"Keine Gewalt", fordern diese Demonstranten in Dortmund.(Foto: dpa)

"Nein zu Gewalt, Ja zu Toleranz": Muslime protestieren in Dortmund

"Respekt für alle Religionen. Stoppt den Film", fordern friedliche Demonstranten in Dortmund, die gegen das anti-islamische Video eines US-Amerikaners protestieren. Auch Politiker fordern erneut, den Film nicht öffentlich vorzuführen. Doch nicht überall bleiben die Proteste friedlich. Vor allem in Pakistan gibt es Tote und Verletzte.

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Nach neuen gegen die Beleidigung des Propheten Mohammed mit vielen Toten und Verletzten bleibt die Lage in der islamischen Welt angespannt. In Pakistan herrschte erhöhte Alarmbereitschaft, nachdem bei Empörte Menge zündet Kinos an laut Zeitungsberichten mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen waren. In Bangladesch rief eine Allianz von zwölf islamischen Parteien für Sonntag zu einem landesweiten Generalstreik auf. Auch in Deutschland gingen den zweiten Tag in Folge Muslime auf die Straße, in Dortmund waren es 1500 Menschen.

Die Wut der Massen entzündet sich an einem Schmähvideo aus den USA, das den Propheten Mohammed verunglimpft. Seit eineinhalb Wochen kommt es in islamischen Ländern deswegen rund um den Globus zu Massenprotesten mit etlichen Toten. Der explosiven Lage zum Trotz goss das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" weiter Öl ins Feuer und veröffentlichte seitenweise neue Mohammed-Karikaturen.

"Stoppt den Film, stoppt den Spott!"

In Deutschland zogen in Dortmund rund 1500 Muslime aus Protest gegen den islamfeindlichen Mohammed-Film friedlich durch die Innenstadt. In Karlsruhe startete ein Protestzug mit zunächst 200 Teilnehmern. Auf Plakaten in Dortmund hieß es: "Nein zu Gewalt, Ja zu Toleranz." Einige Demonstranten hielten Deutschlandfahnen hoch und zeigten Bilder, auf denen Muslime und Christen gemeinsam religiöse Schriften lesen. Sie riefen: "Respekt für alle Religionen. Stoppt den Film, stoppt den Spott!" Männer und Frauen liefen in jeweils eigenen Demonstrationszügen. Am Freitag hatten bereits in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen insgesamt rund 1600 Menschen friedlich gegen das Video protestiert.

Auch in Freiburg setzten viele auf friedliche Proteste.
Auch in Freiburg setzten viele auf friedliche Proteste.(Foto: dpa)

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sagte, die größte Beleidigung für eine Religion sei, wenn in ihrem Namen Gewalt ausgeübt werde. "Deswegen müssen wir uns gemeinsam gegen die islamistische Terrorideologie wehren: selbstbewusst und mit einem klaren Bekenntnis zu unseren freiheitlichen Werten", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung. Die Bundesregierung will eine öffentliche Aufführung des Films, wie es die rechtspopulistische Splitterpartei "Pro Deutschland" in Berlin plant, verhindern.

"So einen Film darf man nicht zeigen", forderte Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel. "Derjenige, der sich in dieser Frage auf grenzenlose Meinungsfreiheit beruft, hat keine Ahnung, welche Konflikte dadurch noch provoziert werden können", sagte der FDP-Politiker. Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, ist dagegen, das Video öffentlich vorzuführen. "Denjenigen, die das vorhaben, geht es ja nicht um die Kunst- oder die Meinungsfreiheit. Sie wollen die öffentliche Ordnung stören", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Berliner Innensenator Frank Henkel von der CDU sagte, das "Machwerk" diene dazu, "Muslime zu verleumden" und in ihrer Würde zu verletzen.

Sudan verurteilt Sturm auf Botschaft

Das Außenministerium des Sudan verurteilte inzwischen erstmals den Sturm auf die deutsche Botschaft in Khartum vor einer Woche. Der Angriff verstoße gegen die Ideale und die Ethik des Islam, heißt es in einem Schreiben an Bundesaußenminister Guido Westerwelle, das der "Welt am Sonntag" vorlag. Der Sudan werde sich an der Beseitigung der Schäden am Botschaftsgebäude finanziell beteiligen. Westerwelle selbst mahnte deutsche Unternehmen angesichts der Unruhen in islamischen Ländern zur Vorsicht. Er sei überzeugt, dass die große Mehrheit der Muslime Gewalt ablehne. Doch sei nicht auszuschließen, dass radikale Kräfte weiterhin auf Eskalation setzten, sagte der FDP-Politiker der "Wirtschaftswoche".

In Pakistan arteten die Proteste dagegen in Gewalt aus: Hier zerstören Demonstranten ein Kino in Peshawar.
In Pakistan arteten die Proteste dagegen in Gewalt aus: Hier zerstören Demonstranten ein Kino in Peshawar.(Foto: AP)

Dagegen rief der Journalist und Schriftsteller Günter Wallraff zur Veröffentlichung weiterer Mohammed-Karikaturen auf. "Solange sich nur einzelne Individuen oder Medien an dieser Demonstration von Freiheit beteiligen, wird nicht viel erreicht", sagte Wallraff dem "Tagesspiegel". Zeitungen, Illustrierte und Magazine müssten überschwemmt werden mit Karikaturen zu allen Religionen. "Das wäre eine deutliche Botschaft." Sich angesichts der Proteste gegen Mohammed-Darstellungen wegzuducken, sei genau der falsche Weg, so Wallraff.

In Frankreich waren jegliche Protestaktionen verboten. Die Polizei nahm einen Mann fest, der Franzosen sind uneins . In der Bevölkerung stoßen die bitterbösen Mohammed-Karikaturen auf ein geteiltes Echo. Nach einer Umfrage der Tageszeitung "Sud-Ouest" sind 51 Prozent der Franzosen dafür. 47 Prozent der Befragten glauben, die Veröffentlichung könnte in der aktuellen Situation zu neuen Spannungen führen.

Libyer vertreiben Islamisten

In Pakistan, wo die Ausschreitungen mit Abstand am blutigsten waren, demonstrierten unterdessen erneut tausende Menschen gegen den Film. In der Hauptstadt Islambad marschierten mehr als 5000 Menschen zum Parlament. Den Freitag hatte Premierminister Raja Pervez Ashraf zum landesweiten Feiertag zu Ehren des Propheten erklärt. Sowohl in der Hauptstadt Islamabad als auch in Lahore, Karachi und Peshawar versuchten aufgebrachte Muslime, mit Gewalt in die besonders gesicherten Bereiche um die ausländischen Botschaften und Konsulate einzudringen. Zeitungen berichteten von mehr als 200 Verletzten.

Ein pakistanischer Minister setzte derweil ein Kopfgeld auf den Produzenten des Films aus. Eisenbahnminister Ghulam Ahmed Bilour versprach demjenigen, der "diesen Gotteslästerer" töte, 100.000 Dollar. Bilour forderte die Taliban und das Terrornetzwerk Al-Kaida auf, sich der "noblen Sache" anzuschließen.

Auch im muslimisch geprägten Bangladesch war es am Freitag zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. In der Hauptstadt Dhaka wurden nach Polizeiangaben mindestens 100 Protestierer verletzt. Mit dem Generalstreik am Sonntag will die Allianz gegen die Polizeigewalt protestieren.

Im libyschen Bengasi, wo vor zehn Tagen ein wütender Mob das US-Konsulat angegriffen und den US-Botschafter Chris Stevens sowie drei weitere Amerikaner getötet hatte, Libyer verjagen Terroristen . Nach der Großdemo stürmten Hunderte aufgebrachte Bürger das Hauptquartier der Miliz Ansar al-Scharia. Die Islamisten stehen im Verdacht, an dem Angriff auf das Konsulat beteiligt gewesen zu sein. Mindestens vier Menschen wurden bei Schusswechseln getötet und 50 weitere verletzt, wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete.

Quelle: n-tv.de

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