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Viele der Paketbomben wurden noch rechtzeitig in Athen in Post-Sortierzentren abgefangen.
Viele der Paketbomben wurden noch rechtzeitig in Athen in Post-Sortierzentren abgefangen.(Foto: imago/Manngold)
Samstag, 28. Oktober 2017

Paketbomben aus Athen: Mutmaßlicher Schäuble-Attentäter verhaftet

Über Jahre verschickt eine linksextremistische Gruppe aus Griechenland Paketbomben an unliebsame Politiker und Institutionen in ganz Europa. Vor allem deutsche Politiker stehen im Visier. Jetzt hat die griechische Polizei einen Verdächtigen festgenommen.

Die griechische Polizei hat einen Mann unter dem Verdacht festgenommen, Paketbomben an Ex-Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und andere Politiker im März geschickt zu haben. Anti-Terroreinheiten hätten den Verdächtigen verhaftet, teilte die Polizei am Samstag mit.

Lucas Papademos wurde durch eine Explosion in seinem Auto verletzt - der Wirtschaftswissenschaftler wird für eine harte Sparpolitik verantwortlich gemacht.
Lucas Papademos wurde durch eine Explosion in seinem Auto verletzt - der Wirtschaftswissenschaftler wird für eine harte Sparpolitik verantwortlich gemacht.(Foto: imago/ZUMA Press)

Der 29-Jährige sei auf Videos erkannt worden, wie er bei fünf verschiedenen Gelegenheiten Pakete zur Post gebracht habe, sagte ein Polizeivertreter. Der Verdächtige sei mehrere Tage lang observiert worden. Der Mann weise die Vorwürfe zurück und bestreite auch, Mitglied der Gruppe "Verschwörung der Feuerzellen" zu sein, die sich zur Absendung der Pakete bekannt hatte. Er war der Polizei jedoch schon länger wegen militanter Aktivitäten bekannt gewesen.

Schäuble ist bei vielen Griechen unbeliebt und gilt dort als Hardliner der internationalen Gläubiger des hoch verschuldeten Landes. Die Paketbombe an ihn war in der Poststelle seines Ministeriums noch rechtzeitig entdeckt worden. Dagegen explodierte ein an den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Paris adressierter Brief und verletzte eine Mitarbeiterin leicht. Acht Pakete wurden von der Polizei in Sortierzentren der griechischen Post in Athen abgefangen.

Linksextremisten verschicken schon seit vielen Jahren Briefbomben

Im Mai wurde der frühere griechische Ministerpräsident Lucas Papademos bei einem Attentat leicht verletzt. Ein Brief-Sprengsatz explodierte, als der Politiker in Athen mit seinem Auto unterwegs war und die Postsendung öffnete. Zu diesem Anschlag bekannte sich bislang niemand. Die griechische Polizei vermutet die Täter aber in dem Umfeld der radikalen Gruppe.

Papademos stand auf dem Höhepunkt der griechischen Schuldenkrise für mehrere Monate an der Spitze einer Übergangsregierung. Davor war er jahrelang Chef der griechischen Zentralbank und Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Kritiker machen den Wirtschaftswissenschaftler für eine strikte Sparpolitik mit harten Einschnitten im Sozialbereich verantwortlich.

Bei der mutmaßlichen Tätergruppe "Verschwörung der Feuerzellen" handelt es sich um eine griechische linksextremistische Untergrundorganisation, die 2010 europaweit bekannt wurde. Damals verschickte sie bereits Briefbomben an hochrangige Politiker. Zwei davon waren an Angela Merkel und Nicolas Sarkozy adressiert. Deutsche und griechische Polizisten hatten die gefährlichen Lieferungen damals abfangen können. Nach der aktuellen Festnahme ist die Anti-Terror-Einheit der griechischen Polizei bemüht, weitere Verdächtigen ausfindig zu machen.

Quelle: n-tv.de

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